Das Ankündigungsplakat für das Theaterstück "Mein Kampf" von George Tabori im Theater Konstanz. - © picture alliance / Felix Kästle/dpa
Das Ankündigungsplakat für das Theaterstück "Mein Kampf" von George Tabori im Theater Konstanz. | © picture alliance / Felix Kästle/dpa

Konstanz "Mein Kampf"-Freikarten fürs Hakenkreuz-Tragen: Theater ums Theater

Marc Schröder

Konstanz. Für die umstrittene Aufführung von George Taboris „Mein Kampf" sind beim Theater Konstanz bereits viele Anfragen für Freikarten eingegangen. Das Theater hatte dafür die Bedingung gestellt, dass Besucher während der Vorstellung ein Hakenkreuz-Symbol im Theatersaal tragen sollten. Es hätten sich bisher rund 50 Interessierte gemeldet, sagte eine Sprecherin. „Das ist sehr viel, das hat mich überrascht." Zuvor hatte auch der SWR berichtet. Wie viele Karten insgesamt verkauft wurden, konnte das Theater am Dienstag nicht sagen. Es seien 14 Vorstellungen geplant, die Auslastung liege im Schnitt bei rund 45 Prozent. Mit der Marketingidee will das Theater nach eigenen Angaben zeigen, wie schnell man Menschen korrumpieren könne. Wer für eine Karte bezahlt, könne dagegen einen Davidstern als Zeichen der Solidarität mit den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft tragen, hieß es beim Schauspielhaus. Hitlers "Wiener Jahre" unter der Regie von Serdar Somuncu Das Stück behandelt die „Wiener Jahre" Adolf Hitlers, in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, in denen er in einem Männerwohnheim in der Donaumetropole wohnte. Tabori beschreibt mit seinem sarkastischen Stück den Wandel Hitlers vom erfolglosen Anwärter zum Kunststudium hin zu einem antisemitischen Demagogen und späteren Despoten. Die Regie beim Stück am Theater Konstanz führt Serdar Somuncu. Der Kaberettist ist in Sachen "Mein Kampf" kein Unbekannter, so tourte er in den 1990er-Jahren mehrere Jahre mit dem Programm "Nachlass eines Massenmörders". Darin las er Passagen aus Hitlers Kampfschrift, deren Widersprüche Somuncu humoristisch aufarbeitete. Dafür wurde er von Publikum und Kritikern gefeiert, von Rechtsradikalen erhielt er Morddrohungen. Kritik an Werbeaktion und Premierentag Die Freikarten-Idee hat bereits für Proteste gesorgt. So hatten etwa die Deutsch-Israelische Gesellschaft in der Bodensee-Region und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Konstanz unter anderem kritisiert, dass die Premiere am 20. April auf den Geburtstag von Adolf Hitler fällt. Mit Informationen der dpa erstellt.

realisiert durch evolver group