Wahrheit, Inszenierung und Fiktion: Janosch Boerckel vor drei seiner ungewöhnlichen Foto-Arbeiten. Foto: maria frickenstein - © maria frickenstein
Wahrheit, Inszenierung und Fiktion: Janosch Boerckel vor drei seiner ungewöhnlichen Foto-Arbeiten. Foto: maria frickenstein | © maria frickenstein

Kultur Ausstellung: Fotografischer Feldforscher

Ausstellung: Der in Hamburg lebende Janosch Boerckel präsentiert mit seinen Bildern die Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft. Zu sehen sind seine Arbeiten in der Kommunalen Galerie

Maria Frickenstein

Er ist ganz nah dran, an der Wissenschaft, der modernen Technik. Der Fotograf Janosch Boerckel fotografierte die Spuren der „Technologischen Singularität", geboren aus der „Künstlichen Intelligenz". Diese beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Maschinen beziehungsweise Roboter intelligentes menschliches Verhalten zeigen oder sogar eigenständig fortführen können. Der in Hamburg lebende Fotograf hatte die Wahl, Bilder aus Forschung und Wissenschaft dokumentarisch zu fotografieren oder in einer Reportage journalistisch festzuhalten. Boerckel wählte die Kunst in einer Mischung aus Wahrheit, Inszenierung und Fiktion. „Nonplusultra", das Beste, was es zurzeit gibt, heißt die Ausstellung Janosch Boerckel, 1989 in Mainz geboren, machte zunächst eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik und studierte später an der Fachhochschule Bielefeld Fotografie. Seine Bachelorarbeit „Nonplusultra" ist in der Ausstellung der Kommunalen Galerie zu sehen. „Nonplusultra", das Beste, was es zurzeit gibt, heißt die Ausstellung, die von einer faszinierenden Technik in Bildern erzählt. Als ein „fotografischer Feldforscher" sieht sich Boerckel, der Forschungslaboratorien aufsuchte wie das Bielefelder „CITEC" an der Universität. Man sieht eine quadratische Säule, mag es ein Kristall oder wie der Künstler verrät, ein Bleiglas sein. In einer Ecke ist sie positioniert und wirft vor rauem Hintergrund einen Schatten. Wie ein angepriesenes Produkt wirkt sie und ihre echte Größe bleibt unbekannt. „Forschung ist oft nicht sichtbar", sagt Janosch Boerckel, der in seinen Fotografien den Status Quo der Forschung thematisiert. Stets arbeite er nur mit fotografischen Mitteln, analog, mit einer Mittelformatkamera, mit Licht, Perspektive und Inszenierung. Bearbeitungen am Computer erfolgen nicht. Der Fotograf nennt es ein Spiel mit der Simulation Nicht parallele Schatten auf einem Foto geben Rätsel auf, auch einige wie aufgesetzt wirkende Steine. Der Betrachtende sieht eine Mondlandschaft, fotografiert vom Künstler. Die Schatten sind durch die unebene Oberfläche nebst tiefer Krater hervorgerufen. Fragen stellen sich ein, nach der Wahrscheinlichkeit, eine solche Landschaft vor die Linse zu bekommen, nach der Echtheit und etwaigen Täuschung und woran sie zu erkennen sei. Der Fotograf nennt es ein Spiel mit der Simulation und hinterfragt so auch die Rolle der Fotografie. Ein drittes Foto zeigt das Einsetzen einer Kontaktlinse ins Auge. Eigentlich eine gewöhnliche Abbildung, wäre da nicht der Kontext, der die Funktion einer vielleicht neuen Linse impliziert. Wissenschaftler forschen längst nach einer Linse, die die menschliche Leistungsfähigkeit mit einer ungewöhnlichen Sehfähigkeit überragt. Janosch Boerckel liegt es fern, seine Fotografien zu erklären Viele Fragezeichen entstehen auch bei Fotografien zu einer Bewegungsstudie à la Eadweard Muybridge. Der Künstler fotografiert, wie Roboteraffe Charlie den Gang der Evolution durchlebt, ein Vierbeiner, der sich zu einem Zweibeiner aufrichtet. Janosch Boerckel liegt es fern, seine Fotografien zu erklären. Vielmehr lädt er ein zur Verwunderung, zum Fragen-, und Infragestellen und vor allem zum Querdenken. Zu sehen sind die Arbeiten noch bis zum 27. April in der Kommunalen Galerie des Kulturamtes, Kavalleriestr. 17, (2. Etage) zu sehen, montags bis freitags 9 bis 17 Uhr.

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