„Bärty-Dancing": Die „Mett-Entchen" proben für den Tanzwettbewerb, gilt es doch den ersten Preis zu holen, um ihre Kneipe zu retten. - © Foto: Komödie Bielefeld
„Bärty-Dancing": Die „Mett-Entchen" proben für den Tanzwettbewerb, gilt es doch den ersten Preis zu holen, um ihre Kneipe zu retten. | © Foto: Komödie Bielefeld

Kultur Bauer wird Frau

Premiere in der Komödie: In „Landeier 2 – Jetzt geht’s zum Scheunenfest“ zeigten sich Lüttchenbüddels Schweinebauern und Schafzüchter von ihrer femininen Seite

Antje Dossmann

Die Lage in Lüttchenbüddel ist ernst, denn der Dorfkneipe droht die Schließung. So wie es aussieht für Gertrud und Hein, die beiden ehemaligen Besitzer der Pinte, als sie unangekündigt von einem ausgedehnten Amerikatrip auf der Harley zurückkehren, haben ihre beiden Nachfolger Jan und Jens das Ding voll vor die Wand gefahren. Es gibt keinen Penny in der Kasse und kein Bier im Regal. Alles futsch. Das finden mit einem Mal auch Großbauer Richard und dessen so patente wie hochschwangere Ehefrau Lavinia bedauerlich, nachdem sie in den Monaten zuvor vor lauter Familienplanung kein Auge für die kenternde Kneipe gehabt hatten. Um den Untergang der waterkantlichen Kultur zu verhindern, schmieden die sechs Fischköppe, mit denen Komödienbesucher bereits in der ersten „Landeier"-Episode vergnügte Bekanntschaft schließen durften, einen gewagten Plan. „Keiner hat behauptet, dass es einfach ist, eine Frau zu sein" An Filme wie „Ganz oder gar nicht" oder „Calendar Girls" erinnernd, die in den 90er Jahren Erfolge feierten, werden Jan, Jens, Richard und Hein von Gertrud und Lavinia in ein Rennen geschickt, das an sich den Landfrauen der Region vorbehalten ist. Es geht um das begehrte Tanzwettbewerb-Preisgeld beim alljährlichen Scheunenfest. Für die vier Mannskerle heißt es bis zum entscheidenden Auftritt als „Die Mett-Entchen", in enge Fummel gezwängt und auf abenteuerlichen Absätzen balancierend die „feminine Seite" in sich zu entdecken. Bärty-Dancing, ein Martyrium. „Ich träume schon nachts davon, ob nun die grüne oder die rote Handtasche besser zu meinem blauen Kleid passt", stöhnte Oberdösbaddel Jan (wunderbar simpel: Markus Weise) an einer Stelle. Und Gertrud, deren Schnoddrigkeit Martina Rüggebrecht präzise auf den Punkt brachte, gab trocken zurück: „Keiner hat behauptet, dass es einfach ist, eine Frau zu sein." Es waren Dialoge wie diese, die dem lockeren Landlustspiel zu einiger Klasse verhalf. Marco Linke zeichnete für das Drehbuch verantwortlich, David Wehle führte Regie. Dass das einfach gestrickte Stück beim ausgelassenen Premierenpublikum wieder und wieder punkten konnte, lag vor allem an der fabelhaft aufspielenden Herrenriege. Neben dem überragenden Weise glänzten Florian Wilke in der Rolle des Pfundskerls Jens, Oskar-Wolf Meier als sich amüsant gegen die Betonung seiner weiblichen Seite sträubender werdender Vater Richard sowie Jörg Schlichtkrull als Hein, ein steifhüftiger Oldie, but Goldie. Und so krakeelte und kalauerte, strauchelte und stichelte sich dieses Quartetto Infemale unter dem einsetzenden Wehengebrüll Lavinias (Floriane Eichhorn, mit Bühnenbabybauch ein kugelrundes buchstäbliches Landei) bis zu seinem lauten, originellen, zu eingängigen Schlagern hingefetzten Auftritt. Ein mitreißender Höhepunkt, auf den der ganze Abend ziemlich bald und relativ umstandslos hinausgelaufen war. „Ente gut, alles gut", hieß es zum Schluss. Oder wie die Lüttchenbüddler Blitzmerker sagen würden: „Ja ne, ja doch, oha." Die nächsten Vorstellungen: 27.10., 28.10., 3.-5.11., 10.11.-12.11. Karten unter Tel. 55 54 44. Infos: www.komoedie-bielefeld.de

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