Im künstlerischen Dialog: Veit Mette und Stefanie Schwedes bearbeiteten für „Auflösung“ gemeinsam gesammeltes Bildmaterial. - © Foto: Antje Dossmann
Im künstlerischen Dialog: Veit Mette und Stefanie Schwedes bearbeiteten für „Auflösung“ gemeinsam gesammeltes Bildmaterial. | © Foto: Antje Dossmann

Kultur Vorübergehende Zweckentfremdung

Ad-Hoc-Kunstprojekt: Veit Mette und Stefanie Schwedes machen für ihre gemeinsame Ausstellung „Auflösung“ einen ehemaligen Schuhladen zu einer Galerie auf Zeit

Antje Dossmann

Tief im Westen, Stapenhorststraße. Ein Eckladen. Jahrzehntelang standen Schuhe in den Schaufenstern. Seit einiger Zeit war das Geschäft leergeräumt und wirkte mit seinen weißen Wänden und großen Glasfronten offen und wie befreit. Als hätten sich die letzten Schuhpaare, die es hier noch gab, nun auch auf die Sohlen gemacht, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Das Zwischenstadium, in dem sich der Raum befand, hatte etwas Einladendes, Kreatives. Auch die Künstlerin Stefanie Schwedes nahm diese Schwingung des Leerstands im Vorübergehen wahr und kam auf den Gedanken, den Laden in eine Galerie auf Zeit zu verwandeln. Zumal sie schon seit längerem einen Ausstellungsort suchte für eine künstlerische Zusammenarbeit mit dem Fotografen Veit Mette. Das Zufällige macht den ästhetischen Reiz der Bilder aus Einen kurzentschlossenen Anruf später hatten die beiden schon die Zusage zur temporären Nutzung. Im Namen der Kunst, wie der Vermieter sagte. So einfach können die Dinge manchmal sein. Und dann standen sie in dem Laden und hatten das Konzept ihrer Ausstellung an sich schon fertig im Kopf. Zentrales Element der beiden Kunstschaffenden ist die Fotografie, und aus einem gemeinsamen Projekt im Kinderhaus am Mondsteinweg wussten sie, dass sich ihre Arbeiten – Mettes verfremdende Technik der Mehrfachbelichtung und die digitalen Collagen, die typisch sind für Stefanie Schwedes – sinnvoll ergänzen und in einem spannenden Dialog miteinander stehen. Für ihr spontanes Intermezzo als Galeristen in der Stapenhorststraße wollten sie ausgewählte Werke aus ihrem jeweiligen Fundus präsentieren. So lautete der Plan. Dass dann alles anders kam und sie von diesem Donnerstag bis zum Sonntagabend mit „Auflösung" eine Ausstellung zeigen, die das Umfeld aufgreift, in dem sie stattfindet, liegt am Genius Loci. Wie gut, dass Veit Mette und Stefanie Schwedes sich von ihm zu einem spontanen Kunstprojekt inspirieren ließen. An zwei Tagen lichteten sie im Inneren des Ladens Passanten ab, im frontalen Porträtformat auf einem Hocker, alle 19 vor dem demselben weißen Stück Wand. Im Grunde ein klassisches Passbildverfahren, nur dass es in den von Mette mehrfach belichteten und dadurch wie verwackelt wirkenden Aufnahmen nicht um ein individuelles, sondern ein serielles Moment geht. Der Augenblick der Passage, das Zufällige, auch das Flüchtige, das der Gegenwart anhaftet, das Schnelle, kommt in den Schwarz-Weiß-Bildern zum Ausdruck und macht ihren ästhetischen Reiz aus. Die von Stefanie Schwedes im Anschluss digital bearbeiteten Fotos, ihre auf Linien, Konturen, Schattierungen konzentrierten Abstraktionen, der minimale Einsatz von Farbe verstärken diesen Effekt des Überpersönlichen, fordern zur Auseinandersetzung heraus, stellen Fragen. Auflösung ist auch eine Suche. Die gezeigten Porträts und ihre künstlerische Interpretation erzählen davon in einer zeitgemäßen Sprache, einer dem Ort angemessenen Form, einer kurzen, aber intensiven Spanne Zeit. „Wie ein Pop-Up", sagen Schwedes und Mette am Ende, „werden Galerie und Ausstellung hochploppen und wieder verschwinden." Sie freuen sich darauf. Das sieht man. „Auflösung" ist in Anwesenheit der Künstler im ehemaligen Schuhhaus Hoberg (danach Freigänger) an der Stapenhorst-/Ecke Große-Kurfürsten-Str. zu sehen. Die Einführung am heutigen Donnerstag um 18 Uhr wird Cynthia Krell halten. ´?Öffnungszeiten: Donnerstag/Freitag, 28.-29. September, von 18 bis 20 Uhr. Samstag/Sonntag, 30. September bis 1. Oktober, von 15-18 Uhr.

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