Ausdrucksstark: Fotograf Rafael Herlich vor seinen Bildern in der Synagoge. Das vordere Bild zeigt die Ärztin Rakhil Shor-Chudnovskaya, die als Ärztin der Roten Armee bei der Befreiung von Auschwitz dabei war. - © Ralf Bittner
Ausdrucksstark: Fotograf Rafael Herlich vor seinen Bildern in der Synagoge. Das vordere Bild zeigt die Ärztin Rakhil Shor-Chudnovskaya, die als Ärztin der Roten Armee bei der Befreiung von Auschwitz dabei war. | © Ralf Bittner

Kultur Bewegende Porträts

Ausstellung: Mit seinen Bildern erzählt Fotograf Rafael Herlich auch vom jüdischen Leben in Deutschland

Ralf Bittner

Trude Simonsohn hält der Kamera des Fotografen Rafael Herlich den Judenstern entgegen. Flankiert ist das Schwarz-Weiß-Bild von den Porträts zweier jüdischer Mädchen. Diese Bildergruppe ist Teil der Ausstellung „Nashim – Jüdische Frauen in Deutschland", die noch bis zum 28. September in der Synagoge Beit Tikwa, Detmolder Straße 107, zu sehen ist und Ausdruck des Anliegens des Fotografen. Für die Ausstellung, zu der auch ein Bildband gleichen Titels erschienen ist, porträtierte der 1954 in Tel Aviv geborene und nach Deutschland ausgewanderte Herlich 50 in Deutschland lebende jüdische Frauen verschiedener Generationen, darunter Holocaust-Überlebende, Frauen in unterschiedlichen Berufen, Soldatinnen, Künstlerinnen, Studentinnen oder Schülerinnen. "Für meine Familie habe ich keine Gesichter" Einige wie Esther Bejarano, Margot Friedlander oder eben Simonsohn traten und treten immer wieder als Mahnerinnen und Zeitzeuginnen auf, andere wie die Pädagogin Sabena Donath oder Bundeswehr-Hauptmann Anne Külow sind nicht so bekannt und stehen für die Vielfalt jüdischen Lebens hierzulande. „Ich möchte lebendiges, selbstbewusstes jüdisches Leben in Deutschland zeigen", sagte der Fotograf vor der Ausstellungseröffnung. „Gerade in Zeiten des wieder erstarkenden Antisemitismus und Rassismus, in denen das Wort Jude wieder zum gebräuchlichen Schimpfwort geworden ist." Dass es eine Arbeit mit Porträtaufnahmen geworden ist, ist kein Zufall: „Für meine Familie habe ich keine Gesichter", sagt er. Der Großteil der Familie überlebte den Holocaust nicht. Der Vater entkam dem Tod zwar knapp, musste aber mit ansehen, wie im KZ seine Ehefrau und sein Baby erschossen wurden. Auch die Großeltern waren im KZ ermordet worden. Herlich hat sich vor über 40 Jahren entschieden in Deutschland zu bleiben und eine Familie zu gründen. Er hofft, dass jüdisches Leben in Deutschland dauerhaft möglich bleiben wird. Wie dieses jüdische Leben aussieht, zeigt er in eindrucksvollen Bildern, für die sich die Porträtierten dem Fotografen vertrauensvoll geöffnet haben. „Ich sehe mit warmem Herz", beschreibt er seine Arbeitsweise – und das ist den Fotografien anzusehen.

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