Von der Natur inspiriert: Renata Szyszlaks Bilder stecken voller Energie. - © Sarah Jonek
Von der Natur inspiriert: Renata Szyszlaks Bilder stecken voller Energie. | © Sarah Jonek

Kultur Große Emotionen in Farbe gebannt

Sehenswert: Renata Szyszlak stellt unter dem Titel „Informelle Eruption – Malerei der letzten Jahre“ im Untergeschoss der Kunsthalle aus. Erste Einzelausstellung der polnischen Künstlerin in Bielefeld aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft mit Rzeszów

Stefan Brams

Im Alter von zehn Jahren notierte Renata Szyszlak in ihrem Tagebuch, Malerin werden zu wollen. „Meine Eltern waren nicht amüsiert und auch später noch dagegen, als es ums Studium ging", erzählt sie und schmunzelt dabei. Denn die 43-Jährige setzte sich durch, studierte zwar zunächst fürs Lehramt, sattelte aber heimlich auf die Malerei um. Heute ist sie Professorin für Malerei an der Uni von Bielefelds polnischer Partnerstadt Rzeszów und eine gefragte Künstlerin, die nicht nur in Polen ausstellt. Unter dem Titel „Informelle Eruption – Malerei der letzten Jahre" ist jetzt mit einer ersten Bielefelder Einzel-Ausstellung im Untergeschoss der Kunsthalle zu sehen. Eröffnet wird die Schau am Donnerstag, 7. September, um 19 Uhr. Zu erleben ist das Werk einer Künstlerin, die ganz auf die Abstraktion setzt. Wie im Informel, eine Stilrichtung in der Malerei, die in den 50er Jahren aus Frankreich kommend auch in Deutschland sich herausbildete, setzt Szyszlak auch auf einen intensiven, gestischen Farbauftrag. Das Rot dominiert in vielen Bildern Farbschichten überlagern sich in ihren Bildern, werden verwischt, bearbeitet, abgekratzt und wieder aufgetragen. Es sieht aus als habe die Zeit an den Oberflächen der Bilder genagt. Sie tragen Spuren des Fließens und Verwitterns. Auch kleine Steinchen sind in einige Bilder eingearbeitet, verändern die Oberfläche. Szyszlaks Arbeiten mit Titeln wie „Ursprung", „Tag der Freude" oder „Kraft der Veränderung" wirken energetisch stark aufgeladen. Das dominierende Rot in vielen ihrer ausgestellten Werke, die allesamt aus den vergangenen sechs Jahren stammen, verstärken den Eindruck starker Eruptionen und Emotionen. Inspirieren lasse sie sich zu ihren Kunstwerken von der Natur, von deren großer Kraft und Ausstrahlung. „Ich nehme diese Energie auf, lasse sie auf mich wirken und in einem stark assoziativen Malprozess bringe ich sie auf die Leinwand, transformiere das Gesehene und Erspürte", erläutert sie ihr Vorgehen. Sie wolle mit ihren Bildern die Zeit anhalten, den Augenblick bewahren, der für sie mit einer besonderen Energie verbundnen gewesen sei. Auch Liebe, das Verhältnis von Mann und Frau und Erotik nimmt sie in Bildern wie „Geruch der Liebe" und „Erotikon" auf. Man meint gar ein wenig Augenzwinkern zu erkennen, in diesen emotionsgeladenen Werken. Aber es finden sich auch ruhigere Arbeiten, in den das Rot nicht mehr dominiert. In ihnen gibt sie kühleren Farben den Vorzug, lässt den Betrachter wieder zur Ruhe kommen. „Auf Eruptionen folgen ja für gewöhnlich Momente der Entspannung", sagt die Malerin. Auch diese Momente wolle sie in ihren Werken bannen. Sie hoffe, sagt sie am Ende der Vorbesichtigung ihrer sehenswerten Schau, „dass die Ausstellungsbesucher offen auf meine Bilder zugehen, die ihnen eingeschriebene Energie erspüren und eigene Gedanken freisetzen". Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 22. Oktober im Untergeschoss der Kunsthalle. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 7. September, um 19 Uhr. Weitere Informationen unter www.kunsthalle-bielefeld.de

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