Engagierter Künstler: Der Künstler im Jahr 2014 vor seinen Bildern „Eigenartige Bauten" und „Die blauen Türme". Rechts neben ihm steht sein Bildwerk „Madonna der Warenwelt". - © Foto: Claudia Viotto
Engagierter Künstler: Der Künstler im Jahr 2014 vor seinen Bildern „Eigenartige Bauten" und „Die blauen Türme". Rechts neben ihm steht sein Bildwerk „Madonna der Warenwelt". | © Foto: Claudia Viotto

Bielefeld Der Maler Harald Schuppe stirbt mit 73 Jahren

Farbintensive Bilder zur Lage der Welt

Bielefeld. Als Harald Schuppe im Jahr 2012 in Dringenberg zusammen mit seinem Sohn Hendrik ausstellte, sagte die Kunsterzieherin und Künstlerin Sabine Ehlers in ihrer Einführung über das Werk Harald Schuppes sehr treffend: „Er ist ein Baumeister surrealer Welten. Er ist kein spontaner Arbeiter, vielmehr entstehen seine Acrylbilder auf Hartfaserplatten langsam, geradezu meditativ. Seine architektonischen Gebilde entspringen einer schier unerschöpflichen Fantasie." Kunst war für ihn Der Kunst hat sich Harald Schuppe, der am 7. August im Alter von 73 Jahren gestorben ist, bereits Anfang der 60er Jahre zugewandt, als er seine Lehre als Tiefdruckretuscheur in Berlin begann. Vielleicht stammt aus dieser beruflichen Erfahrung auch seine Vorliebe für Rohre und Kabel, die als Teile technischer Instrumente in unzähligen seiner Bilder eine Rolle spielen – allerdings surreal von Schuppe so verfremdet, dass sie eher lebendigen Organismen denn technischen Apparaturen ähneln. Eingeschrieben ist seinen Bildern immer auch eine gehörige Portion Gesellschaftskritik und Technikskeptizismus. Sehr schön zu sehen auch in seinen Werken, die urbane Welten verzerren und so als Problemgebilde entlarven. Zu sehen waren die wunderbaren surrealen Welten Schuppes auch 2014 in der umfassenden Ausstellung „Biomorph und Technoid" in der Ravensberger Spinnerei aus Anlass des 70. Geburtstags des 1944 in Schreiberhau/Schlesien geborenen Künstlers, der als junger Mann in drei Jahren von Südafrika bis Japan reiste. Zurückgekehrt folgte dann ab 1972 in Bielefeld ein Studium der Sozialarbeit und Pädagogik und eine entsprechende Berufstätigkeit. Neben seinem Hauptberuf verfolgte der zweifache Vater immer auch die Kunst, stellte seit 1984 jährlich aus – auch international. Seine Werke wurden in Bielefelds Partnerstädten Nowgorod und Rzeszow sowie in Nordirland, Nicaragua, Bosnien, China, Großbritannien und den USA gezeigt. Kunst ist für Schuppe ein „Kommunikationsmittel", wie Musik eine „Weltsprache", wie er es selbst einmal ausdrückte. Schuppe, verheiratet mit Renate Schuppe, setzte sich aber immer auch für den eigenen Berufszweig ein, war im Berufsverband Bildender Künstler aktiv und Mitglied im Verein Offene Ateliers. Zu Gast im NW-Mittagsgespräch im Holzhaus vor zwei Jahren wünschte er sich seitens der Stadt ein stärkeres Engagement und mehr Wertschätzung für die bildende Kunst und schlug daher vor: „Bielefeld könnte zum Beispiel einen dotierten Kunstpreis als Beitrag zur Kunstförderung vergeben." Zudem sprach er sich für eine Kommunale Galerie und eine Kulturabgabe von Unternehmen aus, „so dass viele und nicht nur einzelne Künstler gefördert werden könnten."Der Künstler sagte aber auch: „Wir Künstler müssen selbst viel aktiver werden, uns einmischen in die Kulturpolitik, wenn wir was erreichen wollen für die Kunst in Bielefeld." Kunst und Engagement gehörten für Harald Schuppe durchaus zusammen und es war sein „Aleppo am Morgen" genanntes Bild, das während der großen dreitägigen Kunstaktion in der Kunstwerkskammer wohl einen der stärksten Eindrücke hinterließ. Weil es surreal anmutend die reale Welt eben nicht ausblendet, sondern künstlerisch überzeugend nachdrücklich in unser Bewusstsein rückt. Wie sagte Sabine Ehlers in ihrer eingangs zitierten Einführung über das Werk des Bielefelder Künstlers: „Harald Schuppes Bilder erwecken wegen ihrer farblichen Intensität nie den Eindruck von völliger Hoffnungslosigkeit, sondern regen zum Nachdenken über die persönliche und die soziale Lage in der Welt an."

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