Vor dem Holzhaus: Kulturpolitiker Christian von der Heyden erläutert NW-Kulturchef Stefan Brams seine Positionen. Foto: Christian Weische - © Christian Weische
Vor dem Holzhaus: Kulturpolitiker Christian von der Heyden erläutert NW-Kulturchef Stefan Brams seine Positionen. Foto: Christian Weische | © Christian Weische

Kultur „Auch die darstellende Kunst gehört in die Schulen“

Mittagsgespräche im Holzhaus (6): Christian von der Heyden, Vorsitzender des Kulturausschusses, über das neue Kunstdreieck, kulturelle Angebote für junge Erwachsene, die vorbildliche Jugendarbeit des Theaters, die notwendige Sanierung der Kunsthalle und eine Regionale der Kultur

Stefan Brams

Bielefeld. Christian von der Heyden ist seit acht Jahren Ratsmitglied und gehört seit mehr als 40 Jahren der CDU an. „Aber ich bin kein typischer Parteipolitiker, sondern möchte eher übergreifend etwas für Bielefeld bewegen.“ Ganz besonders liegt dem 66-Jährigen dabei die Kultur am Herzen. „Insbesondere für junge Erwachsene sollte in Sachen Kultur mehr getan werden“, sagt der Vorsitzende des Kulturausschusses im sechsten Holzhausgespräch zum Thema Querdenken. „Für Kinder und Jugendliche haben wir in den Schulen, aber auch in den Kultureinrichtungen oft ein reichhaltiges Angebot parat“, betont von der Heyden, „aber die jungen Erwachsenen ab 16, 18 Jahren sprechen wir auf beiden Ebenen nicht ausreichend an, so gehen sie leicht für die Kultur verloren.“ Er wünsche sich eine Stärkung der musisch-künstlerischen Fächer an den Schulen und deren Ergänzung um die darstellende Kunst, „denn gerade von ihr können junge Menschen sehr viel lernen, wo wir doch alle ständig Rollen spielen“. Er wisse, dass so etwas Geld koste, hoffe aber bei der neuen Landesregierung Gehör für dieses Anliegen zu finden."Warum sollten junge Leute nicht selbst Ausstellungen kuratieren?" Als beispielhaft lobt der ehemalige Geschäftsführer der Herforder Brauerei die breit angelegte Arbeit des Bielefelder Theaters mit jungen Erwachsenen. „Ich empfehle sie auch der Kunsthalle zum Vorbild.“ Dort müsse noch viel stärker mit den sozialen Medien gearbeitet und mehr getan werden, um junge Erwachsene an das Haus heranzuführen. „Warum nicht wie im LWL-Kunstmuseum in Münster einmal im Monat eine Disco samt Kunstführung anbieten und warum sollen junge Leute nicht selbst Ausstellungen kuratieren“, plädiert von der Heyden für ungewöhnliche Wege in der Vermittlungsarbeit der Kunsthalle. Auch eine engere Zusammenarbeit von Hochschulen und Kunsthalle sei ein Weg, junge Menschen an das Haus heranzuführen. Lob gibt es von von der Heyden für die Initiative von Oberbürgermeister Pit Clausen, der Kunsthalle ab 2019 jährlich 200.000 Euro Miete zu erlassen. „Ein richtiger Schritt, ich hoffe, dass das unsere Finanzpolitiker auch so sehen.“ Er gehe aber davon aus, dass es dafür eine breite Mehrheit im Rat geben werde. Uli Horaczeks Idee aus dem vierten Holzhausgespräch, ein Kunstdreieck aus Kunsthalle, Kunstverein und dem neuen Forum Hermann Stenner zu bilden und dieses gemeinsam zu vermarkten, begrüßt der Ratsherr. „In diesem Fall ist eins plus eins plus eins nicht drei, sondern viel mehr .“ Auch die Verlängerung des Skulpturenparks als verbindendes Band des Dreiecks und die Aufstellung der Morellet-Skulptur im selbigen, hält er für „eine gute Idee“. „Ich kann mir sogar vorstellen, dass alle drei Museen zu einem gemeinsamen Ausstellungsthema jeweils ganz unterschiedliche Positionen zeigen “, blickt von der Heyden nach vorn und betont: „Ich hoffe, dass alle beteiligten Akteure, auch die, die sich bisher eher nicht so grün waren, zu dieser Kooperation bereit sind.“ Die Chance für Bielefeld sei riesig und dürfe nicht verspielt werden. Von einem eigenständigen Kulturhaus samt kommunaler Galerie, das in Bielefeld immer mal wieder ins Gespräch gebracht wird, hält von der Heyden, der Professor an der FHM ist und das dortige Institut für Fernstudium leitet, eher wenig. „Wir sollten die beschränkten Mittel, die wir haben, lieber auf die Weiterentwicklung der vorhandenen Einrichtungen verwenden“, schlägt er vor. Das sei sinnvoller. Erwärmen kann sich der Golfer allerdings für temporäre Kunstaktionen wie in der alten Handwerkskammer. Gerne würde er Kultureinrichtungen wie VHS, Historisches Museum, Naturkundemuseum und Jugendmusik- und Kunstschule durch neue Gesellschaftsformen mehr Selbstständigkeit geben, so dass sie autonomer und schneller entscheiden können. Viel hält von der Heyden auch davon, die Zusammenarbeit in Sachen Kultur in die Region auszuweiten. „Eine Regionale der Kultur wäre wegweisend.“ In Sachen Sanierung der Kunsthalle, die vom ISB auf 7,5 Millionen Euro beziffert wird, sieht von der Heyden großen Handlungsbedarf. „Wir brauchen transparente Sanierungspläne, wie andere Städte sie haben.“ Die Stadt sei in der Pflicht, die Kunsthalle, die nächstes Jahr 50 Jahre alt wird, baulich endlich für die Zukunft sicher aufzustellen.

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