Setzt sich ein: Uli Horaczek (r.) spricht sich im Gespräch mit Stefan Brams für eine kommunale Galerie aus. - © Foto: Wolfgang Rudolf
Setzt sich ein: Uli Horaczek (r.) spricht sich im Gespräch mit Stefan Brams für eine kommunale Galerie aus. | © Foto: Wolfgang Rudolf

Kultur Mittagsgespräch: „Kunstdreieck als Chance für die Stadt“

Mittagsgespräche im Holzhaus (4): Der Künstler Uli Horaczek plädiert für ein professionelles Kulturmarketing auf Großstadtniveau und wünscht sich mehr Engagement für die öffentlichen Kunstwerke

Stefan Brams

Bielefeld. Uli Horaczek ist ein umtriebiger und gerne kreuz- und querdenkender Mensch – als Künstler, aber auch als Inspirator kultureller Aktivitäten. So ist es wenig verwunderlich, dass er im vierten Mittagsgespräch im Holzhaus die Kultur und insbesondere die Kunst ins Zentrum rückt. „Hamburg hat eine Kunstmeile geschaffen, wir sollten Kunsthalle, Kunstverein und das in Aufbau befindliche Forum Hermann Stenner zu einem Kunstdreieck ausbauen", sagt der 69-Jährige und weist im Holzhaus mit seinen Händen in Richtung der nur wenige hundert Meter voneinander entfernt liegenden Bielefelder Museen. Für Horaczek sind die drei Institutionen architektonische und kuratorische Kleinode mit ganz unterschiedlichen, sich ergänzenden Ansätzen. Seine Idee daher: „Wir erhalten selbstverständlich ihre Eigenständigkeit und die Originalität ihres Auftritts, vermarkten sie aber künftig unter einer gemeinsamen Dachmarke als Bielefelder Kunstdreieck." Ein Verbundticket, ein virtueller Verbund der Internetseiten, Abstimmung bei den Ausstellungen und vieles mehr seien denkbar. „Dieses Dreiecksverhältnis der Kunst kann zu einem Magneten für die Stadt werden", betont Horaczek, der bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2008 in der Öffentlichkeitsarbeit bei Bayer in Leverkusen tätig war. "Wir müssen uns als Künstler auch selber stärker bewegen" Auch die Idee, den Skulpturenpark vor der Kunsthalle in Richtung Forum Stenner zu verlängern und dort die Morellet-Skulptur aufzustellen (siehe NW von gestern), begrüßt er. „Das ist doch wie ein ein Brückenschlag und ein Bild für das Dreiecksverhältnis, das hier entstehen kann." Dachmarken zu bilden, empfiehlt das Vorstandmitglied des Kunstvereins aber auch anderen Sparten in der Stadt. „Die freien Theater könnten sich genauso gemeinsam vermarkten wie die vier Kunstverbände oder auch die Galerien", nennt er Beispiele und plädiert zugleich leidenschaftlich für ein ganz großes Dach für die Kultur – „ein schlagkräftiges Kulturmarketing auf Großstadtniveau ausgestattet mit Fachpersonal und eigenem Budget." Die Idee dazu sei ja bereits im 2014 beschlossenen 102-seitigen Kulturentwicklungsplan festgehalten worden. „Es wird jetzt Zeit für eine Umsetzung", betont Horaczek, der sich auch wünscht, dass alsbald die Akteure des Entwicklungsplans erneut zusammenkommen, „um auszuwerten, welche der beschlossenen 20 Handlungsempfehlungen denn bisher umgesetzt worden sind, welche nicht und wie es bis 2022 weitergehen soll." Horaczek, der im vergangenen Jahr die Idee zur Kunstwerkskammer mit mehr als 100 Bielefelder Künstlern in der alten Handwerkskammer hatte, bezeichnet eben solche Projekte als Aufgabe für ein Kulturmarketing. "Der Ratskeller wäre gut für temporäre Kunstaktionen" Doch der gebürtige Bielefelder wünscht sich auch etwas mehr Schwung von den Kunstakteuren selbst. Horaczek: „Das Beispiel Kunstwerkskammer hat ja gezeigt, dass Kulturschaffende in kurzer Zeit etwas auf die Beine stellen und Durchsetzungskraft entwickeln können, wenn sie gemeinsam agieren und Partner ins Boot holen." Es sei schade, dass danach der Schwung wieder verloren gegangen sei. „Wenn wir als Künstler etwas für die Kunst in der Stadt bewegen wollen, müssen wir uns auch selber stärker bewegen und aus dem Quark kommen", sagt er. Eine kommunale Galerie zu schaffen, hält das Mitglied des Förderkreises der Kunsthalle, als Fernziel für richtig. „Aber nur an zentraler Stelle in der Innenstadt." Auch weitere temporäre Kunstaktionen in Leerständen könne er sich sehr gut vorstellen. Horaczek nennt den ehemaligen Ratskeller, der seit Jahren leersteht, einen „spannenden Ort" für solche Projekte. Er habe bei der Stadt auch schon mal diesbezüglich vorgefühlt, „aber leider noch ohne Erfolg", sagt er und kündigt an, „an dem Thema dranzubleiben." Ein wichtiges Anliegen sind Horaczek auch die öffentlichen Kunstwerke in der Stadt. „Es ist nicht zu verstehen, dass sie so stiefmütterlich behandelt werden und verkommen", sagt er. Die jeweiligen Eigentümer, ob nun Stadt, Land oder Bund, müssten doch ein Interesse daran haben, ihren ästhetischen und materiellen Wert zu erhalten. „Und wenn sie selbst dem nicht mehr nachkommen können, dann sollten sie sich darum bemühen, Lösungen zu finden", so Horaczek. Er rege daher an, nach Kunstwerkpaten zu suchen. „Das mag zunächst utopisch erscheinen, aber an dieser Stelle sollten die Verantwortlichen mal querdenken statt nichts zu tun. Letzteres ist unverantwortlich", sagt er. Ein passendes Schlusswort für Mittagsgespräch Nummer vier.

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