Roter Faden: Künstlerin Elisabeth Masé (l.) und Kuratorin Cordula Fink-Schürmann (2.v.l.) im Kreise der Frauen, die die Kleider (links) an drei Wochenenden gemeinsam bestickt haben. - © Foto: Andreas Zobe
Roter Faden: Künstlerin Elisabeth Masé (l.) und Kuratorin Cordula Fink-Schürmann (2.v.l.) im Kreise der Frauen, die die Kleider (links) an drei Wochenenden gemeinsam bestickt haben. | © Foto: Andreas Zobe

Kultur Ausgestickt und ausgestellt

Kunstaktion: Acht geflüchtete Frauen und acht Bielefelderinnen haben gemeinsam die soziale Skulptur „Das Kleid“ geschaffen. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist samt Fotoausstellung in der Kunsthalle zu sehen

Stefan Brams

Bielefeld. Es ist vollbracht. Die beiden Kleider aus schlichter Malerleinwand, die acht geflüchtete Frauen und ebenso viele Frauen aus Bielefeld an drei Wochenenden mit roten Fäden bestickt haben, sind fertig. Damit endet ein aufwendiges Projekt, das die Berliner Künstlerin Elisabeth Masé unter dem Titel „Das Kleid" erstmals in Berlin und nun in Bielefeld umgesetzt hat. Eine „Soziale Skulptur und interkulturelle Werkstatt" hat die Künstlerin ihr Projekt betitelt gehabt. Die Idee dazu kam ihr, als sie eine Reihe düsterer Bilder von kleidertragenden Frauen ohne Gesicht gemalt hatte, die aus allen möglichen Epochen stammen und in allen möglichen Stilen von ihr gemalt wurden. „Ich wollte mehr mit ihnen machen, die Kleider lebendig werden lassen, sie mit einem sozialen und ästhetischen Patchwork überziehen", sagt Masé. Beeindruckende Zeugnisse des interkulturellen Zusammenwirkens Lebendig sind sie geworden. Die 16 Frauen, selber bei der Arbeit in rote Kleider gewandt, um soziale Unterschiede zu verwischen, haben mit roten Fäden ihre Wünsche, Träume, Hoffnungen in die Kleider gestickt. Symbole der Liebe, des Friedens, des Reisens, des DSC, ein Zitat von Beckett, aber auch arabische Buchstaben finden sich auf den Kleidern, die von Maria Grefe zusammengenäht wurden und nun in der Kunsthalle zu sehen sind. Beeindruckende Zeugnisse des interkulturellen Zusammenwirkens. Zudem wurden die 16 Frauen von Elisabeth Masé in den von ihnen bestickten Kleidern fotografiert. Diese Fotos, die von Würde und Stolz auf die Arbeit künden, umrahmen die beiden Kleider und werden ergänzt um mehrere Bilder von Elisabeth Masé von gesichtslosen Kleiderträgerinnen, die den Ausgangspunkt für ihre soziale Skulptur bildeten. „Das ist ein sehr besonderes Projekt, das am Puls der Zeit agiert und aus der Kunst von Elisabeth Masé erwächst", lobte Jutta Hülsewig-Johnen, stellvertretende Leiterin der Kunsthalle, in ihrer Einführung in die Ausstellung. Kreativität und Kleidung, die ja auch Schutz vor Verletzungen bedeutet, gingen hier eine spannende Verbindung ein „und bringen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen miteinander ins Gespräch." Cordula Fink-Schürmann, die das Projekt seitens des Künstlerinnenforums kuratiert hat, lobte die „Vielschichtigkeit des Projekts". Neben den Fotografien entstand ein Film. Zudem gab es eine Podiumsdiskussion und musikalische Annäherungen. Masé betonte: „Ich bin überrascht, wie harmonisch und handwerklich stark hier an den Kleidern gearbeitet wurde." In Berlin sei das konfliktträchtiger gewesen. Aber auch die stark Einbindung des Projekts in die Stadt habe sie beeindruckt. Was wohl auch Jutta Küster zu verdanken ist, die in der Flüchtlingsarbeit aktiv ist, und ihre Kontakte nutzte. Zu sehen bis zum 23. Juli. Am Samstag, 22. Juli, 16 Uhr, führt Kuratorin Cordula Fink-Schürmann durch die Schau. Das Abschluss-Shooting mit den 16 Frauen, gekleidet in die von ihnen bestickten Kleider, fand im Foto-Atelier von Richarda Buchholz statt. Die 59-jährige Fotografin hatte das Setting für die Aufnahmen eingerichtet, in denen Künstlerin Elisabteh Masé dann ihre Fotos schoss. Im Vorfeld hatte Buchholz die Frauen bereits bei der Arbeit besucht, um sie kennenzulernen. Dabei entstand eine eigene Fotoserie, die die Fotografin unter dem Titel „Hände" noch bis Ende August im Künstlerinnenforum, Stapenhorststr. 73, zeigt. Buchholz war fasziniert von den Händen der Frauen, die den Leinenstoff mit roten Fäden bestickten. Ihre allesamt quadratischen Nahaufnahmen der stickenden Hände strahlen eine große Ruhe und Konzentration aus und künden von der Schönheit und Kreativität ihres Tuns. Sehenswert.

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