Nur auf Besuch: Ernst Ludwig Kirchners Bild „Drei Badende", das in Düsseldorfer Ausstellung als Leihgabe zu sehen ist. - © dpa
Nur auf Besuch: Ernst Ludwig Kirchners Bild „Drei Badende", das in Düsseldorfer Ausstellung als Leihgabe zu sehen ist. | © dpa

Kunstraub der Nazis: Historisches Gemälde in Düsseldorf zu sehen

Dorothea Hülsmeier

Düsseldorf. Kandinsky, Nolde, Feininger, Barlach, Kirchner – dicht gedrängt und mit höhnischen Kommentaren versehen, hingen die Meisterwerke der Moderne am 19. Juli 1937 in den Münchner Hofgarten-Arkaden. Für die Femeausstellung „Entartete Kunst" hatten die Nazis über 600 Kunstwerke aus deutschen Museen konfisziert. Mit dem Begriff „entartet" diffamierten sie den Kubismus, Expressionismus, Dadaismus, die Neue Sachlichkeit. „Wir sehen um uns herum diese Ausgeburten des Wahnsinns, der Frechheit, des Nichtskönnertums und der Entartung", sagte damals der Maler und Präsident der NS-Reichskammer der bildenden Künste, Adolf Ziegler. Zeitzeugen erinnern sich, wie die Bilder bespuckt wurden. Die Münchner Wanderausstellung „Entartete Kunst" markierte einen Wendepunkt in der NS-Kunstpolitik. Ab August 1937 wurden die Museumsbestände moderner Kunst fast vollständig geplündert. Fast 20.000 Werke von rund 1.400 Künstlern wurden aus mehr als 100 Museen und Sammlungen geholt. Sie wurden verkauft, versteigert, zerstört. Das, was den NS-Diktatoren wertlos erschien, wurde 1939 in Berlin verbrannt. Die Folgen des Aderlasses sind bis heute zu spüren. 80 Jahre nach dem – legalen – staatlichen Kunstraubzug ist das großformatige Gemälde „Drei Badende" (1913) von Ernst Ludwig Kirchner nun nach Düsseldorf zurückgekehrt – allerdings nur zu Besuch. Das beschlagnahmte Gemälde aus dem einstigen Bestand der Düsseldorfer Kunstsammlungen war 1940 nach New York gelangt und 1984 an ein Museum in Sydney verkauft worden. Nun ist es auf Zeit in der Ausstellung zur Erinnerung an die Aktion von 1937 im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen. Neukäufe nach dem Krieg Die Ausstellung macht an wenigen Beispielen die Verwerfungen der Beschlagnahmeaktion deutlich. Nach dem Krieg versuchten die Museen, ihre erlittenen Verluste durch Neuankäufe zu kompensieren und „die Lücken zu schließen", sagt Kathrin DuBois vom Museum Kunstpalast. So kommt es, dass in der Sammlung heute das Kirchner-Bild „Mondaufgang auf Fehmarn" (1914) hängt. Der 1937 in Wiesbaden konfiszierte „Mondaufgang" war 1955 vom Förderverein des Düsseldorfer Kunstmuseums wohl als Ersatz für die „Drei Badenden" erworben worden. Woher das Bild kam, ist unklar. Eine einheitliche Linie der Diffamierung gab es offenbar nicht. Ein Werk von Lovis Corinth wurde in Düsseldorf erst beschlagnahmt, dann aber zurückgegeben. Das expressionistische Bild „Vier Mädchen" von August Macke wurde verschont. Auch die Museen pauschal als Opfer der NS-Aktion zu sehen, wäre wohl zu einfach. Denn die Museen seien den Nazi-Kommissionen nicht nur ausgeliefert gewesen, sondern hätten auch selbst schon vorher mit der diffamierten Kunst gehandelt, sagt DuBois. Insgesamt wurden in Düsseldorf mehr als 1.000 Kunstwerke beschlagnahmt. Nur in Berlin und Essen waren es noch mehr. 80 Jahre nach der NS-Aktion holt die Geschichte die Museen durch den Fall Gurlitt wieder ein. Im Fundus des 2014 gestorbenen Cornelius Gurlitt tauchten zahlreiche 1937 konfiszierte Werke auf. An eine Rückgabe ist nicht zu denken. Per Einziehungsgesetz legalisierten die Nazis 1938 die Plünderungsaktion. Das Gesetz wurde nach dem Krieg weder von den Alliierten noch von der Bundesrepublik annulliert. Es gilt noch heute.

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