Kultur Christian Petzold erhält den Bielefelder Murnau-Preis

Ehrung: Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 2. Juli an den renommierten Regisseur verliehen. Der 56-Jährige hat bisher 14 Filme gedreht

Bielefeld. Christian Petzold gilt als einer der eigenwilligsten Autorenfilmer und genießt weit über Deutschland hinaus hohes Renommee. 14 Filme – darunter 7 für das Fernsehen – und 21 Preise markieren ein Werk, das in vielen Gattungen zu Hause ist. Nun kommt ein weiterer Preis hinzu, denn der Regisseur wird am 2. Juli mit dem Bielefelder Friedrich-Wilhelm-Murnau Filmpreis geehrt. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Petzolds Werk sei in vielen Gattungen zu Hause und komme nicht nur damit Petzolds filmischen Vorbild Murnau nahe, heißt es in der Pressemitteilung zur Preisverleihung. Einstimmig hatte eine vierköpfige Jury für Petzold als Preisträger votiert. Petzold wird den Preis persönlich in Bielefeld entgegennehmen. Sein Film „Wolfsburg“ wird zu sehen sein.Sein erster Kinofilom trug ihm den Preis der deutschen Filmkritik ein Mit dem Fernsehfilm „Pilotinnen“ begann 1995 Petzolds Karriere nach einem Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Sein erster Kinofilm „Die innere Sicherheit“ aus dem Jahr 2002 trug ihm den Preis der Deutschen Filmkritik ein. Dieser ursprünglich mit „Gespenster“ betitelte Film wurde zum ersten Teil der als „Gespenster-Trilogie“ bekannten Reihe, dem 2005 „Gespenster“ und 2007 „Yella“ folgten. „Die Konstellationen der Figuren, die von Gespenstern aus der Vergangenheit wie Schachfiguren geschoben werden, erinnern an Murnaus Materialisationen des Unbewussten in Filmen wie Nosferatu und Phantom“, so die Gesellschaft zur Verleihung des Murnau-Filmpreises. Dass Petzold das „Gespenster“-Phänomen nicht loslässt, bezeugt sein 2014 gedrehter Film „Phoenix“ mit Nina Hoss in der Hauptrolle als Wiedergängerin. Mit seinen filmischen Anleihen an Hitchcocks „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“ und Georges Franjus „Le yeux sans visage“ zeigt sich Petzold als Bewunderer und Kenner der US-amerikanischen wie der europäischen Filmgeschichte. „Phoenix“ war seine letzte gemeinsame Arbeit mit dem Regisseur und Autor Harun Farocki bis zu dessen Tod 2014. Petzold verankert seine Untersuchungen der Psyche in den sich verändernden politischen Konstellationen Deutschlands, im Historischen und im Unbewussten. Als ebenbürtige schauspielerische Partnerin übernahm Nina Hoss in sechs Filmen die Hauptrolle. „Nirgendwo bin ich zuhause“ schrieb der Namensgeber des Bielefelder Filmpreises Friedrich Wilhelm Murnau seiner Mutter aus der Südsee. Nicht mehr ankommen zu können, ist auch Thema Petzolds in seinem Film „Jerichow“ (2008), in dem ein aus Afghanistan heimkehrender Soldat seine Heimat als Fremde erfährt. Mit „Barbara“ und „Phoenix“ begibt sich Petzold 2012 und 2014 auf die Reise in die DDR- und Nazi-Vergangenheit. Statt glattpolierter Oberflächlichkeit geht es ihm immer um die intellektuelle Tiefenbohrung. Der Murnau-Preis wird seit 1988 vergeben. Preisträger sind unter anderen Wim Wenders, Werner Herzog und Aki Kaurismäki.

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