Dr. Oetker hat in seiner Kunstsammlung ein weiteres Werk als NS-Raubkunst ermittelt. - © picture alliance / dpa
Dr. Oetker hat in seiner Kunstsammlung ein weiteres Werk als NS-Raubkunst ermittelt. | © picture alliance / dpa

Bielefeld Weitere NS-Raubkunst entdeckt: Oetker entschädigt Erben

Kunstsammlung Rudolf-August Oetker kaufte Silberbecher 2009 von einem Kunsthändler. Forscherin fand heraus, dass er einst der jüdischen Kunstsammlerin Emma Budge gehörte

Bielefeld. Das Familienunternehmen Dr. Oetker hat in seiner Kunstsammlung ein weiteres Werk als NS-Raubkunst ermittelt und entschädigt die Erbengemeinschaft der früheren Besitzerin Emme Budge finanziell. Dabei geht es um einen Silberbecher in Form einer Windmühle, den der Augsburger Tobias Kicklinger zwischen 1612 und 1616 gefertigt hat. Wie viel Geld die Erbengemeinschaft der 1937 gestorbenen deutsch-jüdischen Kunstsammlerin erhalten hat, ist nicht bekannt. 2009 erwarb die Oetker-Kunstsammlung den Augsburger Scherzpokal mit Windmühle von einem Kunsthändler. „Die Provenienz des Bechers hinsichtlich der Budge-Sammlung war weder dem Kunsthändler noch der Kunstsammlung Rudolf-August Oetker bekannt", betont das Kuratorium der Oetker-Sammlung. „Die Kunstsammlung erstand den Silberbecher in gutem Glauben." Doch die Kostbarkeit, die um 1612 in Augsburg gefertigt wurde, hat eine dunkle Vorgeschichte. Nach dem Tod von Emma Budge 1937 brachten die NS-Behörden die 1.500 Stücke umfassende Sammlung der Bankierswitwe und damit auch den Windmühlenbecher zur Versteigerung. Der Erlös floss auf ein Sperrkonto des Deutschen Reichs, Emma Budges Erben gingen leer aus. Seit 2015 wird die Oetker-Sammlung überprüft 2011 gaben die Budge-Erben in der Lost-Art-Datenbank eine Suchmeldung nach dem Silberbecher auf. Auf diesen Eintrag stieß 2016 die Provenienzforscherin Isabel von Klitzing. Oetker hatte die Expertin 2015 damit beauftragt, die eigene Sammlung auf NS-Raubkunst zu überprüfen. Bei Verdacht auf NS-Raubkunst gehe man auf die Erben der einstigen Besitzer zu, erklärt Kuratoriumsmitglied und Unternehmenssprecher Jörg Schillinger: „Wir drängen aktiv auf eine Lösung". Vorerst konzentrieren sich die Juristin und ihr Team bei ihrer Recherche auf die rund 350 Gemälde der Privatsammlung. Bis dato wurden vier Werke als Raubkunst ermittelt. Anthonis van Dycks „Portrait von Adriaen Moens" und Hans Thomas „Frühling im Gebirge/Kinderreigen" hat die Kunstsammlung bereits zurückgegeben. Der Fall des Spitzweg-Gemäldes „Der Hexenmeister", das Leo Bendel 1937 verkaufen musste, um seine Flucht zu finanzieren, ist noch nicht abgeschlossen. „Der Anspruchsteller konnte noch nicht den Nachweis der Erbberechtigung erbringen", sagt Jörg Schillinger. Der Silberbecher bleibt in der Sammlung Beim Silberbecher kam es jetzt zur Einigung. „Die Kunstsammlung bot der Erbengemeinschaft Emma Ranette Budge freiwillig an, sie aus moralischen Gründen für den Verlust des Silberbechers zu entschädigen", erklärt das Kuratorium. Die Erben Emma Budges nahmen an. Damit bleibt der Silberbecher in der Oetker-Sammlung. Der Berliner Anwalt Lothar Fremy spricht Oetker im Namen der Budge-Erben „große Anerkennung" aus für die „verantwortungsvolle Art und Weise, in der die Kunstsammlung sich mit diesem Fall auseinandergesetzt hat".

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