Kultur Architektur: Ein Haus im Grünen

Preisgekrönte Architektur: Am Rand des Landschaftsparks von Schloss Rheder realisierte Heike Falkenberg die perfekte Wahrnehmung der Natur

Brakel-Rheder. Das Nethetal bedeutet für Heike Falkenberg seit ihrer Kindheit ein Stück Heimat. In Brakel ist sie aufgewachsen. Welches Glück ein Leben in und mit der Natur schenken kann, erfuhr sie schon in früher Jugend auf dem Pferderücken. „Die Reitturniere im Park von Schloss Rheder waren ein Traum,“ schwärmt sie aus heutiger Sicht. Hierher zog es sie zurück. Am Rand des Landschaftsparks, der zu dem 1750 im Barockstil erbauten Adelssitz der Familien von Mengersen und von Spiegel gehört, schuf sich die vielbeschäftigte Innenarchitektin mit Büro in der Großstadt Düsseldorf einen Rückzugsort. Das Projekt brachte ihr hochrangige internationale Architekturpreise ein. Für ihre Eltern baute Heike Falkenberg bereits 2002 in Rheder ein Haus am Hang mit Blick in drei Täler. Ihr eigenes Feriendomizil steht am Netheufer, auf dem Fundament eines ehemaligen Holzhauses, Musterhaus der Sauerlandsiedlung einer Nieheimer Firma. Die Grundfläche von 90 Quadratmetern musste eingehalten werden, die Plattform zum Fluss hin blieb erhalten. „Nachhaltiges Bauen auf minimalster Fläche mit maximalem Naturerlebnis“ war Ziel des Bau-Experiments. Das Ergebnis nannte sie Haus Rheder II. Es weckte weltweite Aufmerksamkeit.Verankerung schaffen in der Hektik des Alltags Auf außerordentlich harmonische Weise fügt sich das gebaute Objekt mit seinen Glasfassaden in die unter Naturschutz stehende Umgebung ein. Die perfekte Verbindung von Innen und Außen würdigte die Jury des Amerikanischen Architekturpreises mit einer Auszeichnung in Bronze. In einem der weltweit größten Wettbewerbe für bestes Design, dem „A‘Design Award & Competition“, gewann Falkenberg einen Preis in Silber in der Kategorie Architektur. Auf einer wichtigen Architekturplattform im Internet war Haus Rheder II „House of the Week“. Zahllose Links aus Ländern rund um den Globus, von Frankreich bis Singapur, bezeugen das Interesse der Fachwelt an dem Bau. Konzentration auf das Wesentliche betrachtet Falkenberg als große Herausforderung in der heutigen Zeit. Dazu gehört aus ihrer Sicht die Verbundenheit mit der Natur, die Verankerung schafft in der Hektik des Alltags. „Was braucht man wirklich?“, ist für die Diplom-Ingenieurin, die in Detmold studierte, eine entscheidende Frage. Ziel sei das Weglassen, und sie fügt hinzu: „Die meiste Arbeit hat man mit Dingen, die man nicht sieht.“ Auf Licht, Luft und Ruhe kam es Falkenberg bei der Realisierung des Projektes in Rheder an. Heimische Handwerker brachten ihre Ideen mit ein. Das Spiel von Sonnenstrahlen und Wolken auf der Wasseroberfläche spiegelt sich im Innenraum wider. Eine sparsame Möblierung, die teils aus Designklassikern, teils aus Eigenentwürfen besteht, bestimmt das Raumgefühl. Ein zum Flusslauf hin ausgerichteter, schwebender Schaukelstuhl erweckt die Illusion, sanft auf Wellen dahinzugleiten. Ein Kamin bezieht das Element Feuer mit ein. Bewegliche Trennwände tragen dem Bedürfnis nach Intimität Rechnung. Die Begrenzungen sind aufgehoben, die Natur wurde zu einem wesentlichen Gestaltungselement. Das Haus „spiegelt sich weg“, sagt Heike Falkenberg. Entstanden sei „ein Haus, das man nicht sieht“.

realisiert durch evolver group