Kultur Sehenswertes aus dem eigenen Haus

Im Exil: Die aktuelle Ausstellung ermöglicht auch eine Wiederbegegnung mit Werken aus der Sammlung der Kunsthalle. Arbeiten von fünf Bauhaus-Künstlern sind zu entdecken, die 1933 vor den Nazis flüchteten

Stefan Brams

Bielefeld. Der Künstler Paul Klee prägte einst das Diktum: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar.“ 1933 malt der gebürtige Schweizer unter dem Eindruck der Machtergreifung der Nazis ein prophetisches Bild mit dem Titel „Europa“, das die Bedrohung des gesamten Kontinents früh sichtbar macht. Klee (1879-1940) zeichnet seine Europa als ein verletzliches, aus wenigen Strichen bestehendes Wesen, das zudem auf nur einem Bein steht und zu kippen droht. Mauern brechen zudem ein. Ein dickes Ausrufezeichen setzt in dem ansonsten sehr transparent und verschlossen zugleich wirkenden Werk einen harten Akzent. Zu sehen ist Klees „Europa“, das aus der Sammlung der Kunsthalle stammt, derzeit in der Ausstellung „Partners in Design. Alfred H. Barr Jr. und Philip Johnson – Bauhaus-Pioniere in Amerika“ (bis 23. Juli).Laszló Moholy-Nagy begründete in Chicago das New Bauhaus „Eine einzigartige Chance, denn die lichtempfindliche Gouache können wir nur selten zeigen“, betont Jutta Hülsewig-Johnen, Leiterin der Sammlung und stellvertretende Direktorin der Kunsthalle. Neben Klees Werk sind zudem Arbeiten von Wassily Kandinsky (1866-1944), Josef (1888-1976) und Anni Albers (1899-1994) sowie von Laszló Moholy-Nagy (1895-1946) zu entdecken. Sie alle haben – wie Klee auch – am Bauhaus in Dessau oder Berlin gewirkt und sind nach dessen Schließung durch die Nazis 1933 ins Exil geflohen. Sie alle hatten zudem während ihrer Bauhaus-Zeit Kontakt zu Philip Johnson und Barr Junior, die als Kuratoren im Zentrum der Ausstellung stehen und das Bauhaus nach Amerika brachten. „Um diese Verbindungslinien zu zeigen, stellen wir einige Werke dieser Künstler aus, die sich wiederum alle im Besitz der Kunsthallen-Sammlung befinden“, betont Hülsewig-Johnen.Albers vermittelte den US-Künstlern die europäische Moderne Von Wassily Kandinsky ist das streng komponierte Bild „Kühle Streifen“ aus dem Jahr 1930 zu entdecken. Kandinsky hatte am Bauhaus immer stärker zum Konstruktivismus und seinen geometrischen Strukturen gefunden. Der russische Maler floh nach der Schließung des Bauhauses durch die Nazis nach Neuilly-sur-Seine bei Paris. Zudem zu sehen sind zwei Arbeiten von Josef Albers unter dem Titel „Study for Homage to Square: Quietness“ (1967) und „Study for Homage to Square: Self-Reliant“ (1968). Studien, die sich dem Quadrat widmen und durch ihre Formstrenge überzeugen. Gleich ums Eck hängen neun Siebdrucke von Anni Albers, die sich als Textilkünstlerin einen Namen machte. Erworben hat die Kunsthalle ihre Arbeiten mit dem Titel „Connections (Portfolio)“ im Jahr 2013/14. Josef und Anni Albers verließen Deutschland ebenfalls 1933 und suchten ihr Glück in den USA. Josef Albers lehrte am Black Mountain College und in Yale. „Er hat wie Hans Hofman für einen starken Input bei den US-Künstlern gesorgt, die bis dato eher wenig über die europäische Moderne wussten“, betont Hülsewig-Johnen. Laszló Moholy-Nagy begründete schließlich nach seiner Flucht 1934 über Amsterdam und London nach Chicago das „New Bauhaus“. 1927 hielt er in Bielefeld einen Vortrag über „Das Wesen der Kunst-Ismen“. Jetzt ist er mit seiner Arbeit „Komposition K XVII“ aus dem Jahr 1923 in der Ausstellung zu sehen. Auch ein Bild, das sehr fragil und daher wie Hülsewig-Johnen betont, „nicht mehr ausgeliehen wird und nur noch bei uns zu sehen ist“. Neben diesen Künstlern, die ins Exil auswichen, sind zudem aus der eigenen Sammlung der Kunsthalle noch zehn Farblithografien („Sieg über die Sonne“) von El Lissitzky sowie das Bild „Zwei Frauen am Tisch“ von Oskar Schlemmer zu entdecken. In der ersten Etage ist zudem weiterhin die Schau „Unsere Amerikaner“ zu sehen, die mit Werken amerikanischer Künstler aus der KunsthallenSammlung bestückt ist. ´Zu sehen sind beide Ausstellungen bis zum 23. Juli (www.kunsthalle-bielefeld.de).

1
realisiert durch evolver group