Nähern sich Luther: Elisabeth Lasche (v.l.), Richarda Buchholz, Klaus-Werner Gnadt, Bruno Büchel, Monika Vesting und Eva Volkhardt. - © Foto: Maria Frickenstein
Nähern sich Luther: Elisabeth Lasche (v.l.), Richarda Buchholz, Klaus-Werner Gnadt, Bruno Büchel, Monika Vesting und Eva Volkhardt. | © Foto: Maria Frickenstein

Kultur Der Reformator im Fokus der Kunst

Ausstellung: Acht Bielefelder Künstlerinnen und Künstler widmen sich in ihren Arbeiten in der Produzentengalerie dem 500. Reformationsjubiläum Martin Luthers

Maria Frickenstein

Bielefeld. Mit 95 Thesen an der Wittenberger Schlosskirche am 31. Oktober 1517, in denen er kirchliche Missstände anprangerte, gründete er vor mehr als 500 Jahren die Evangelische Kirche. In der Produzentengalerie beschäftigen sich acht Bielefelder Künstler mit dem Reformator Martin Luther (1483-1546), seiner Idee, Persönlichkeit und Wirkung bis heute. „Seine Hoch-Zeit hatte er in der Zeit der Aufklärung“, merkt Bruno Büchel an und erzählt auch von seinem persönlichen Reformator, dem ersten Zürcher Reformator Huldrych Zwingli (1484-1531). In seiner Arbeit macht er das Wachstum der Luther-Lehre in den Anfängen deutlich, die große Geltung Luthers in der Aufklärung und seinen schwindenden Einfluss in unserer Zeit. Die geistige Idee findet in Buchstaben und hellen Farben ihren Ausdruck, das materielle Leben in der Form eines dunkleren Rasters.„Macht und Religion hängen eng zusammen“ „Luther hat mit seinen Thesen Türen geöffnet“, sagt Richarda Buchholz. Sie fotografierte Reliefs, Beschläge, Fenster an Bielefelder Kirchen und wählte jeweils nur einen kleinen Ausschnitt. Jede Klinke lädt zum Öffnen ein, zur Verbindung des Alltäglichen in die spirituelle Welt eines Gotteshauses. „Macht und Religion hängen eng zusammen“, sagt Klaus-Werner Gnadt. Unter den Spektralfarben eines Regenbogens als Sinnbild für ein friedvolles Miteinander setzte er die Symbole der Weltreligionen, vom Christusmonogramm bis zum Rad der Lehre der Buddhisten. In Stein schuf Eva Volkhardt eine Bibel, ein starkes, zeitloses Symbol. Unter dem Porträt von Martin Luther in typischer Pose findet sie ihren Platz. „Mir geht es um die Idee, die hinter der Person Martin Luther steckt“, sagt Monika Vesting. Verfremdet setzte sie Männerporträts in einer Collage unter Folie. So möchte sie der Verklärung einer Persönlichkeit etwas entgegensetzen. Weiterhin stehen 24 Tintenfässer bereit, je eins für einen Teufel. „Ich habe die Tintenfässer gefunden, die Luther nach dem Teufel geworfen hat“, so Vesting. Wie ein aufgeklapptes Buch präsentiert Suzanne Austin ihre Arbeit, auf der einen Seite ein Porträt Luthers. Auf der anderen Seite zeigt sie die Entstehung des Bildes. „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ ist wohl eines der berühmtesten Sätze, die Luther einst gesagt haben soll. Uwe Scherer stellt dieser These andere Zitate der Hoffnung beiseite, das des ehemaligen tschechischen Präsidenten und Menschenrechtlers Václav Havel und eines von Elie Wiesel, rumänisch-amerikanischer Schriftsteller und Überlebender des Holocaust: „Durch meine Worte, durch meinen Protest will ich die Menschheit daran hindern, dass sie mich verändert.“ Ganz privat nähert sich Elisabeth Lasche dem großen Theologen. „Mein Vater hat mich konfirmiert“, sagt die Malerin und zeigt sich und den Pfarrer auf dem Konfirmationsfoto von 1968. Ohne Luther hätte ihr Vater womöglich gar nicht die Wahl zwischen zwei christlichen Religionen gehabt, wäre Mönch geblieben und die Tochter ungeboren. Im öffentlichen wie auch bis in zutiefst Private wirkt Martin Luther also bis heute hinein. Bei den Nachtansichten am 29.4. ist die Produzentengalerie, Rohrteichstr. 36, von 18-1 Uhr geöffnet. Zu sehen bis zum 9.5., di. 16.30-18.30 Uhr, sa. 12-14 Uhr. Kontakt: 1 36 92 00.

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