Inmitten der Glasvitrinen: Die Architektin Giulia Foscari (Agentur UNA) entwickelte mit ihrem Team das imposante Ausstellungsdesign der aktuellen Schau. - © Oliver Krato
Inmitten der Glasvitrinen: Die Architektin Giulia Foscari (Agentur UNA) entwickelte mit ihrem Team das imposante Ausstellungsdesign der aktuellen Schau. | © Oliver Krato

Kultur US-Bauhaus-Pioniere Barr Jr. und Johnson in Bielefelder Schau

"Partners in Design" ist bis zum 23. Juli in der Kunsthalle zu sehen

Heike Krüger

Bielefeld. Alfred H. Barr (1902-1981) und Philip Johnson (1906-2005), letzterer Architekt der Bielefelder Kunsthalle, waren beide einflussreiche Fürsprecher des Bauhausstils in Nordamerika. Außerdem verband den Gründungsdirektor des New Yorker Museum of Modern Art (MoMA), Barr, und Johnson, erster Architekturkurator im MoMA, eine lebenslange enge Freundschaft. Sie wohnten sogar im selben New Yorker Wohnblock, wo sie ihre Apartments im Bauhausdesign mit Möbeln von Ludwig Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Lilly Reich einrichteten. Die Bezüge Johnsons zu Deutschland und namentlich zu Bielefeld – die Kunsthalle ist der einzige Museumsbau des Amerikaners in Europa – waren Anlass für Kunsthallendirektor Friedrich Meschede vor rund zwei Jahren die in Montreal konzipierte Schau „Partners in Design: Alfred H. Barr und Philip Johnson" in Kanada zu besichtigen. In der von David A. Hanks kuratierten Ausstellung, so Meschede, habe er keinen Zweifel gehabt: „Diese Ausstellung muss nach Bielefeld kommen." Nach intensiven Vorarbeiten, Recherchen und mit dem stimmigen Ausstellungsdesign von Giulia Foscari (UNA, Hamburg) versehen, gelingt dies jetzt. Ein Jahr vor dem 50-jährigen Bestehen der Bielefelder Kunsthalle 2018 ist in Bielefeld ein markantes Statement zu deren Erbauer zu sehen, das ihn in seiner Rolle als Wegbereiter modernen US-Designs unter dem Einfluss des Bauhausstils beleuchtet. Industrie, Möbel, Architektur Am Freitag um 19 Uhr wird die Schau eröffnet. Zu sehen sind Exponate des deutschen und internationalen Industriedesigns, Möbeldesign, Architekturmodelle und historische Zeugnisse der beiden Bauhaus-Pioniere in Amerika (Fotografien, teils in 3-D-Projektionen umgearbeitete Blicke in die Wohnräume der Freunde, Aufzeichnungen, Skizzen, Ausstellungsstücke aus MoMA-Designschauen jener Zeit). Möglich gemacht durch die Sammlung von Liliane und David Stewart, die sich dem Design des 20. Jahrhunderts verschrieben hatten. Bruce D. Bolton, Direktor des Stewart Program for Modern Design in Montreal, und voll des Lobes für den „fantastischen Bielefelder Johnson-Bau aus warmem, regionalen Sandstein", verwies beim Presserundgang auf die engen Bezüge des amerikanischen Architekten zu Deutschland. „Mindestens einmal im Jahr reiste Johnson nach Europa, er war häufig Gast am Dessauer Bauhaus, pflegte engen Kontakt zu Mies van der Rohe." Kurator David A. Hanks, ebenfalls aus Kanada angereist, ergänzte: „Barr und Johnson legten ihre Wohnungen als Experimentierfelder für modernes Design an." Mit Gründung des MoMA und dem Einfluss Barrs und Johnsons, so die These der Schau, seien der Modernismus und ein Bewusstsein für Design nach Nordamerika gelangt. Ergänzt durch Werke aus dem Kunsthallen-Bestand, von Künstlern, die in der Nazizeit emigrieren mussten, falle plötzlich ein Schlaglicht auf heutige Migrationsbewegungen, so Meschede. Damals habe die Flucht Intellektueller vor der Diktatur eine „Migration von Ideen" zur Folge gehabt. Würfelförmige Glasvitrinen Spektakulär ist die Inszenierung der Exponate schon beim Betreten des abgedunkelten 2. Obergeschosses: Rund 40 würfelförmige Glasvitrinen auf schwarzen Stelen beherbergen Design-Objekte wie Glaskolben, Teekessel, Toaster, Kuchenformen und Registrierkasse. Beleuchtet von je einer Pendelleuchte, durch Spiegelfolie an den Wänden mannigfach vermehrt. Die benachbarten Kabinette mit teils komplett aufgebauten Interieurs, markant präsentierten Architekturmodellen und Küchenszenen, die an die MoMA-Schau „Useful Objects Unter $ 10" von 1941/42 angelehnt sind, halten überraschende Blickwinkel bereit. Diese Schau könnte ein Magnet für Bauhaus-Fans werden.

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