Im Stadttheater in Bielefeld werden unter anderem "Avenue Q", "Das Rheingold" und "1984" zu sehen sein. - © Barbara Franke (Archiv)
Im Stadttheater in Bielefeld werden unter anderem "Avenue Q", "Das Rheingold" und "1984" zu sehen sein. | © Barbara Franke (Archiv)

Kultur Das ist der neue Spielplan des Theaters Bielefeld

In Oper, Tanz und Schauspiel soll das Publikum mit Vielfalt gelockt werden

Anke Groenewold
Stefan Brams

Bielefeld. Das Theater Bielefeld muss 600.000 Euro sparen und greift in den kommenden vier Spielzeiten auf seine Rücklagen zurück, um keine künstlerischen Abstriche vornehmen zu müssen. Und so konnte Intendant Michael Heicks einen Spielplan für die Saison 2017/18 vorlegen, der ambitioniert und vielfältig ist. 32 Neuinszenierungen und sechs Wiederaufnahmen bietet das Theater in der Saison 2017/18 seinen Zuschauern. Das sind die Highlights: Musiktheater Die Saison wird wieder mit einem Musical eröffnet. Das hat diesmal einen besonderen Dreh: In Avenue Q werden Menschen und Klappmaulpuppen à la „Muppet Show" auf der Bühne zu sehen sein. Die Bewohner der Avenue Q stolpern durch heikle Alltagssituationen. Operndirektorin Sabine Schweitzer kündigt einen Broadway-Erfolg mit „vielen Seitenhieben und schmissigen Songs" an. Die heitere Oper Benzin von Emil Nikolaus von Reznicek stammt aus dem Jahr 1929, wurde aber erst 2010 uraufgeführt. Bielefeld ist das zweite Haus, das das Werk auf den Spielplan setzt. Darin wird der antike Circe-Mythos in die technikversessenen 1920er Jahre verlegt. „Der Geschlechterkampf wird mit viel Humor auf die Bühne gebracht", sagt Schweitzer. Die Musik bewege sich stilistisch zwischen Richard Strauss, Operette, Jazz und Tanzmusik. „Wir versuchen, die Vielfalt der Opernliteratur zu präsentieren", sagt Kalajdzic. Richard Wagners Rheingold wird auf dem Spielplan stehen. Es sei aber nicht geplant, den ganzen „Ring" aufzuführen, betont Sabine Schweitzer. Mit der Oper Orlando Paladino ist Joseph Haydn als Opernkomponist zu entdecken. „Das ist kein Öperchen", betont Schweitzer. „Die wilde, witzige Fantasy-Rittergeschichte hat viel Humor, und die Musik ist so schön, dass sie einem Tränen in die Augen treibt." Ein Klassiker der Moderne beschließt die Spielzeit: Jakob Lenz aus dem Jahr 1979. Wolfgang Rihm schrieb das Werk frei nach Georg Büchners „Lenz" im Alter von 25 Jahren. „Eine wunderbare Kammeroper" so Schweitzer. Den Spielplan ergänzen zwei Klassiker: Giuseppe Verdis Otello und Jules Massenets Werther. „Wir werden so spielen, dass den Zuschauern die Haare wegfliegen", verspricht GMD Kalajdzic mit Blick auf „Otello". Die Herausforderung bei „Werther" sei, die dicht instrumentierte Oper transparent und französisch klingen zu lassen. Es wird noch ein zweites Musical geben. Man sei derzeit noch mit den Rechteinhabern im Gespräch, heißt es. Wiederaufgenommen werden Mozarts Zauberflöte sowie William Ward Murtas Musical Das Molekül, das in dieser Spielzeit (19. Mai) zur Uraufführung kommt. Tanz Fünf Romeos und fünf Julias werden in Simone Sandronis Fassung von Romeo und Julia tanzen. Sandronis Anspruch: „Das Publikum soll die Tragödie des Liebespaars nicht verstehen, sondern fühlen." Die Philharmoniker spielen die Musik Prokofjews in verkürzter Fassung. Im zweistündigen Tanzabend Past Forward werden vier Choreografien rund um das Werk „Angst und Geometrie" des Choreografen Gerhard Bohner aus dem Jahr 1990 gezeigt. Auf das rekonstruierte Stück beziehen sich das Akrobatenduo Overhead Project sowie Nikita Koroto, Simone Sandroni und die Katalanin Lali Ayguadé. Sie war zuletzt in dem oscarnominierten Kurzfilm und Cannes-Gewinner „Timecode" zu sehen. Das Community-Dance-Projekt Phase wird mit zwei Projekten fortgesetzt. In einem werden die Laien gemeinsam mit den Profis auf der Bühne stehen. Schauspiel Eröffnet wird die Schauspielsaison mit George Orwells Anti-Utopie „1984" in einer Bühnenfassung von Robert Icke und Duncan Macmillan, die Orwells berühmten Roman nochmals in die Zukunft verlegen und den Zuschauer immer tiefer in den Kopf des Protagonisten eindringen lassen, wie Schauspielleiter Christian Schlüter betont. Unterhaltend fällt die Premiere im TAM mit „Arsen und Spitzenhäubchen" aus. Wie dünn die Schicht unserer Zivilisation ist, zeigt das Stück „Der Gott des Gemetzels" von Yasmina Reza, in der sich zwei Familien wegen ihrer Kinder zerlegen. In ihrem gerade erst erschienenen Roman „Ellbogen" schreibt Fatma Aydemir über eine junge Türkin, die zur Täterin wird und nichts bereut. Ein intensiv diskutierter Roman, eine laut Schlüter „transkulturelle Coming-of-Age-Geschichte", die am 18. November Premiere im TAM hat. An Klassikern bietet das Schauspiel Turgenjews „Väter und Söhne", Aischylos’ „Die Orestie" und Molières „Der Menschenfeind". Die Stücke „Heisenberg", „Chiffren" sowie im TAM zwei/drei „Das Knurren der Milchstraße", und „Die Möglichkeit" runden das Programm ab. Als Familienstück zur Weihnachtszeit bringt das Theater „Schneeweißchen und Rosenrot" in einer Fassung von Manuel Schöbel auf die Bühne, der das Grimm’sche Märchen laut Schlüter „behutsam modernisiert" hat. Spartenübergreifend „Stoff", das Kunst- und Theaterprojekt des Netzwerks „recherchepool" um Tobias Rausch, wird in der nächsten Saison in drei Uraufführungen zu Textilien und Mode gipfeln. Hautnah ist ein multimedialer, interaktiver Tanzabend. Der Abend Ein Rechercheprojekt führt Schauspieler, Sänger und Musiker zusammen. Familiengeschichten aus dem Baumwollanbau in Argentinien thematisiert das Stück Weißes Gold.

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