Alexander Baumgarte in der Otto Piene Ausstellung. - © Wolfgang Rudolf
Alexander Baumgarte in der Otto Piene Ausstellung. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Die Samuelis Baumgarte Galerie zeigt Otto Piene

Der in Lübbecke aufgewachsene Künstler war Mitbegründer der Zero-Bewegung

Stefan Brams

Bielefeld. Der Künstler Otto Piene war kreativ bis zuletzt. Als sein Werk im Juli 2014 in der Neuen Nationalgalerie Berlin mit einer großen Schau gewürdigt wurde, war der Mitbegründer der Zero-Bewegung selbstverständlich vor Ort. Doch die fertige Ausstellung konnte der renommierte Künstler nicht mehr sehen, er starb am 17. Juli 2014 im Alter von 86 Jahren während einer Taxifahrt durch die Hauptstadt. Jetzt sind 50 Arbeiten des renommierten Künstlers in Bielefeld in der Samuelis Baumgarte Galerie zu sehen. Es ist die erste Schau, die Galerist Alexander Baumgarte Piene widmet. Eine Ausstellung, die den Bogen von den frühen Rasterbildern aus den 50er Jahren bis hin zu letzten, großen Arbeiten Pienes aus dem Jahr 2014 spannt. Eine Überblicks-Präsentation, die für ein Werk einnimmt, das die Elemente Feuer, Luft, Erde und Licht ins Zentrum rückt, mit denen sich der Künstler zeit seines Lebens auseinandersetzte. Dabei sicherlich auch geprägt vom Erleben des Zweiten Weltkriegs, in dem er als Flakhelfer dienen musste und den Tanz der riesigen Suchscheinwerfer am dunklen Himmel sowie den tödlichen Feuerschein der Bombenangriffe sah. In der Galerie sind sie im großen Saal zu entdecken – Pienes Feuerbilder, die ihn so sehr prägten. Für diese Werke grundierte der Künstler die Leinwand zunächst, gestaltete anschließend seine abstrakten Farbmotive und entzündete Teile des Bilds. Blasen stiegen auf, Ruß fraß sich ins Bild und nachdem Piene die Flammen gelöscht hatte, erstarrten die entflammten Stellen langsam. „Es waren letztendlich Feuer und Rauch, die die Leinwand neu malen. Piene unterwarf so das Kunstwerk dem Zufall, fügte seiner Komposition eine neue Ebene hinzu", betont Baumgarte. Faszinierende Welten Zu sehen ist dieser Prozess in den beiden Feuerbildern „Ohne Titel" aus dem Jahr 1973 und dem 1989/90 geschaffenen „Sternbild", in dem schwarze Sterne sich verdoppeln, aufsteigen, zu explodieren scheinen. Doch trotz des Spiels mit dem Feuer, das auch hier deutlich zu erkennen ist, setzte Piene die Flammen nie destruktiv ein und zerstörte die Leinwand nicht. Faszinierende Welten sind so entstanden, wie das fantastische Bild „Die Geburt des Regenbogens" (1966). Wie bei Zero-Mitbegründer Heinz Mack ist es das Licht, das Piene immer wieder zum Thema in seinen Arbeiten macht. Raimund Stecker betont in seinem Vorwort zum die Ausstellung begleitenden Katalog: „Er formte Werke aus Licht – er formte Licht, baute Lichtobjekte. Sie ummanteln Licht zu Skulpturen oder bringen das Strahlen von Licht in Form." Zu erleben ist sein Vorgehen sehr schön im Lichtraum, den Baumgarte rund um die „Messingwürfel Pirouetten" betitelte Arbeit aus dem Jahr 2014 geschaffen hat. Der mit Rasterpunkten durchsetzte Würfel, in dem eine Scheibe die installierten Lampen umkreist, gibt Lichtpunkte frei, die sich an den Wänden und unter der Decke wie Sterne und Sonnen im All ausbreiten und ständig in Bewegung sind. Ein wunderbarer, stiller, ein kosmischer Raum, der allein den Besuch dieser sehenswerten Ausstellung rechtfertigt. Zu entdecken ist zudem der Keramiker Piene, der diese Arbeiten mit glasierten Rasterpunkten überzieht. Der eigentlich stumpfe Ton reflektiert plötzlich das Licht. Die Oberflächen erhalten eine erstaunliche Dynamik. Sie sind so sehenswert wie die gesamte Ausstellung, der es gelingt, Pienes kosmische Welt aufzuschließen und nah an den Betrachter heranzurücken.

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