Im Saloon: Zwischen Jimmy Mahoney (2. v. l., Harald Kleine Kracht) und Jenny (Susanne Mewes, r.) entwickelt sich mehr als eine finanzielle Beziehung. - © Linda Schnepel
Im Saloon: Zwischen Jimmy Mahoney (2. v. l., Harald Kleine Kracht) und Jenny (Susanne Mewes, r.) entwickelt sich mehr als eine finanzielle Beziehung. | © Linda Schnepel

Kultur "Mahogany" im Mobilen Theater

Bielefelder Songspiel nach der Oper „Mahogany“ von Bertolt Brecht und Kurt Weill

Die Stadt Mahogany wurde nur zu einem Zweck gegründet: Die Menschen sollen sich in ihr vergnügen. Wohin ein ungezügelter Konsumkapitalismus führen kann, zeigte das Mobile Theater in der Premiere von „Mahogany", einer Adaption der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" von Bert Brecht und Kurt Weill. Das Mobile Theater hat sich unter der Regie von Albrecht Stoll an einer umfangreiche Vorlage orientiert, aus der ein Songspiel mit vielen neuen und parodistischen Elementen entstanden ist. Die Aufführung habe sie einige Kraft gekostet, sagt Albrecht Stoll nach über zwei Stunden und unter donnerndem Applaus. Damit meinte er vermutlich die Interpretation der anspruchsvollen Musik, die das Stück trägt. Zudem musste bereits der ursprüngliche Premierentermin wegen Krankheit verschoben werden und auch zu dieser Erstaufführung musste Regisseur Albrecht Stoll die Rolle von Peter Schnathorst übernehmen. Die Geschichte dreht sich um eine fiktive Stadt. Leokadia Begbick (Christel Brindöpke), Fatty (Violeta Gomez) und Moses (Peter Krudup von Behren) gründen in einer öden Gegend das Vergnügungsparadies Mahogany. Mit genüsslichem Überschwang gespielt Sie wollen den Goldgräbern, die hier vorbeikommen, das Geld aus der Tasche ziehen. Leokadia Begbick will als Inhaberin einer Vergnügungsbar von der hedonistischen Anlage der Menschen profitieren. Sie hat ein klares Menschenbild: „Das Leben muss auch gefallen, sonst wäre es kein Leben." Das Konzept geht zunächst auf. Auch Jim Mahoney (Harald Kleine Kracht) investiert sein Geld, das er als Goldgräber in Alaska verdient hat, in Huren und Getränke. Die Szenen in der florierenden Stadt inszeniert die Theatergruppe mit genüsslichem Überschwang. Die Kostüme glitzern und glänzen, auch das Publikum wird mit Aufmerksamkeiten bedacht. Musikalisch leistet das fünfköpfige Orchester unter der Leitung von Peter Gunde Beachtliches. Doch die Möglichkeiten der Vergnügungen in Mahogany reichen Jim Mahoney nicht aus. Als die Stadt nur knapp von einem Hurrikan verschont wird, kommt er auf den neuen Leitspruch der Stadt: Alles soll erlaubt sein, wenn man es bezahlt. Denn „was der Hurrikan nicht konnte, das kann der Mensch selbst". Wie die Idee des hemmungslosen Vergnügens seinem Erfinder selbst zum Verhängnis wird, inszenieren die Darsteller bunt, klanggewaltig und mit vielen Pointen. „Mahogany" erzählt diese Geschichte mit ernstem Hintergrund kokett, burlesk, ironisch. Eine Mischung, die das Publikum begeisterte.

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