Starker Auftritt: Das Internationale Jugendensemble des Alarmtheaters macht sich in einem starken Stück auf die Suche nach dem Grund des Lebens. - © Foto: Alarmtheater7lEMBKE
Starker Auftritt: Das Internationale Jugendensemble des Alarmtheaters macht sich in einem starken Stück auf die Suche nach dem Grund des Lebens. | © Foto: Alarmtheater7lEMBKE

Kultur Inspirierende Performance

Premiere: Das internationale Jugendensemble des Alarmtheaters bringt mit „Eigentlich geht es darum“ ein turbulentes Theaterstück auf die Bühne

Linda Schnepel

Bielefeld. Die Bühne ist mit getrocknetem Laub bedeckt. Es riecht nach Natur. Ein junger Mann ist mit einem Kescher auf der Jagd, eine junge Frau findet unter den Blättern eine Botschaft, bedeckt sie aber gleich wieder. Das ist die Eingangsszene von „Eigentlich geht es darum“, das jetzt im Alarmtheater Premiere feierte. Alles dreht sich in der Performance um das Suchen und Finden. Aber ohne endgültige Antworten. Zehn Akteure haben unter Regie von Dietlind Budde und Harald Otto Schmid eine bunte Performance entwickelt, in der Gefühle und Gedanken rund um den Titel „Eigentlich geht es darum“ Ausdruck finden. Aziz, Anna, Aldelli, Jo-Ann, Joana, Linda, Mohammad, Pia, Rodi und Zahra sollten zuerst für sich alleine überlegen, was ihnen wichtig ist, erklärt Dietlind Budde vorab. Diese Gedanken wurden später ausgetauscht, weiterentwickelt und in Sprache und Bewegung umgesetzt.Markante, kurze Sätze und expressive Bewegungen Das Ergebnis ist eine inspirierende Collage zu den ganz großen Fragen des Lebens. Es geht um Identität, um Glaubenssätze und um das, was im Leben wirklich wichtig ist. Die Performance lebt von den markanten, kurzen Sätzen, den expressiven Bewegungen, den Farben und Formen auf der Bühne. Im Tanz, Spiel und Gesang zeigt sich besonders gelungen das Miteinander dieses Ensembles. Das Stück glänzt durch synchrone Choreografien genauso wie durch Szenen, die einem wilden Suchbild gleichen, aber doch eine erkennbare Struktur haben. Die Interaktion der Akteure lässt eine intensive Probenarbeit erahnen. Dieses Engagement kann man als Zuschauer spüren. Worum geht es im Leben eigentlich? Das internationale Jugendensemble des Alarmtheaters konfrontierte seine Zuschauer noch vor Beginn des Stückes mit dieser Frage und bat um schriftliche Antworten auf Postkarten. Die Ideen des Publikums wurden im Verlauf des Stückes von den Akteuren vorgelesen. Es hat sich gezeigt: Die Menschen glauben immer noch an das Gute und das Schöne. „Eigentlich geht es um Frohsinn“ heißt es da und „Eigentlich geht es darum, zu tanzen und zu spielen“ oder „glücklich zu sein“. Ähnlich positiv haben die jungen Akteure die Frage oft auch beantwortet. Genauso viel Raum bekommen in ihrer Performance aber auch Verzweiflung, Trauer, Scheitern und Sprachlosigkeit. Eine der wenigen klaren Antworten gibt es in der zweiten Szene. „Was ist die größte Lüge der Menschheitsgeschichte?“ fragt ein junger Mann einen anderen. Er bekommt zur Antwort: „Der Krieg, Bruder, der Krieg.“ Damit tritt eine Schwierigkeit, die in der Frage nach dem „Worum geht es?“ liegt, zutage: Wie kann ein Mensch tanzen, wenn im Hintergrund ein Krieg tobt? Die Akteure kommen aus unterschiedlichen Lebenswelten. Unter ihnen Geflüchtete, junge Mütter, Schüler und Studenten. Aldelli zum Beispiel war im Krieg, bevor er nach Deutschland kam. Die Erfahrungen mit Gewalt und Hass machen es ihm schwer, überhaupt noch etwas zu fühlen. Ein anderer Darsteller musste auch fliehen und beschreibt, wie schwierig es ist, in einem anderen Land von vorn anzufangen. Auf die Frage danach, woran er glaubt, fängt Aldelli in seiner Muttersprache an zu rappen. Seine Mitspielerin will es aber auf deutsch von ihm hören. „Mir fällt nichts ein“, stottert Aldelli. Dann eben im Konjunktiv: „Woran würdest du gerne glauben?“ Das weiß er: „An Frieden, dass es keine Kriege mehr gibt und einen Gott, der mich beschützt.“ „Eigentlich geht es darum“ ist bunt, ergreifend und gibt dem Zuschauer das Gefühl, unmittelbar dabei zu sein. Ein turbulentes Stück Theaterkunst. Weitere Vorstellungen von „Eigentlich geht es darum“ gibt es am 1.,2. und 4. Dezember um 20 Uhr im Alarmtheater.

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