Aus Hofmanns Spätwerk: Lucinda Barnes, Co-Kuratorin aus Berkeley, Patricia A. Gallagher von der Hofmann-Stiftung, Kuratorin Jutta Hülsewig-Johnen und Kunsthallendirektor Friedrich Meschede (v.l.) neben dem Gemälde „Agrigento" von 1961, einem Werk aus Hofmanns letzter Schaffensphase. - © Wolfgang Rudolf
Aus Hofmanns Spätwerk: Lucinda Barnes, Co-Kuratorin aus Berkeley, Patricia A. Gallagher von der Hofmann-Stiftung, Kuratorin Jutta Hülsewig-Johnen und Kunsthallendirektor Friedrich Meschede (v.l.) neben dem Gemälde „Agrigento" von 1961, einem Werk aus Hofmanns letzter Schaffensphase. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Zentralfigur der Moderne: Hans Hofmann in der Kunsthalle Bielefeld

Ausstellung "Creation in Form and Color" wird heute eröffnet

Heike Krüger

Bielefeld. Die Gäste aus den USA verteilten Vorschusslorbeeren. Als „best Hofmann-Exhibition ever" lobte Patricia A. Gallagher vom Renate, Hans und Maria Hofmann Trust nach erster Betrachtung die Präsentation von rund 50 Gemälden, Zeichnungen und Aquarellen des deutschstämmigen Künstlers (Jg. 1880) in der Bielefelder Kunsthalle. Besonders die Kombination mit Werken der amerikanischen Nachkriegskunst aus dem Bestand der Kunsthalle und das Wechselspiel mit dem markanten Philip-Johnson-Bau gefiel Gallagher. Wie auch Lucinda Barnes (Co-Kuratorin der Schau neben Jutta Hülsewig-Johnen von der Bielefelder Kunsthalle), die im Vorfeld der heutigen Ausstellungseröffnung in Vertretung des Leihgebers, des Berkeley Art Museums/Kalifornien, nach Bielefeld gereist war. Mit dem 1966 gestorbenen, bis ins höhere Alter tätigen Maler und Kunstpädagogen Hans Hofmann widmet die Kunsthalle einem bedeutenden Wegbereiter der amerikanischen Moderne eine aussagekräftige Überblicksschau: Farbfreudige, in Teilen noch mit figürlichen Fragmenten versehene Gemälde der frühen Jahre gesellen sich zu komplett abstrakten Werken von explosiver Farbigkeit. In seiner späten Schaffensphase in den 60ern, als Hofmann bereits über 80 war, überrascht der Maler mit expressivem Gestus, teils auch streng geometrischen Farbflächen auf weißer Leinwand. Außerdem mit abstrakten Naturbetrachtungen oder mit gestischem Farbauftrag, der mit Spritzern und herunterlaufender Farbe auf den Herstellungsprozess verweist. Diese Arbeitsweise gilt heute als Vorläufer der durch Pollock berühmt gewordenen „Dripping"-Technik. „Hofmann geht in seiner Kunst von dem Faktum des Bildes in seinem eigenen Recht aus", erklärte Hülsewig-Johnen. Nach dieser Lesart sei das Bild nicht dazu da, Ansicht und Fläche zu illusionieren, wie das in der gegenständlichen Malerei geschehe. Trotzdem ergibt sich in den Werken Hofmanns eine spannungsreiche Räumlichkeit, hervorgerufen allein durch Farbkontraste und die Anordnung der Elemente auf der Leinwand. Der Maler selbst sah sich als „Naturalist", der mit sensorischer Herangehensweise nie den Bezug zur Natur verlor. Hierzulande ist Hofmann, der renommierte US-Künstler des 20. Jahrhunderts wie Jackson Pollock und Helen Frankenthaler beeinflusste, weniger bekannt. Allerdings hatte in Bielefeld der Vorgänger der Kunsthalle, das Städtische Kunsthaus, bereits 1965 als eines der ersten Museen in Europa sein Werk der Öffentlichkeit vorgestellt. Daran will Kunsthallendirektor Friedrich Meschede im 50. Todesjahr Hofmanns anknüpfen. „Es gibt uns außerdem Gelegenheit, Werke amerikanischer Provenienz aus unserer Sammlung zu zeigen." Unten im Foyer begrüßen die farbigen Bögen von Frank Stellas „Khurasan Gate I" von 1976 die Besucher, Fortsetzungen finden sich im 1. Obergeschoss. „Hofmanns Werke sollten unbedingt in einem deutschen Museum gezeigt werden, dort, wo seine künstlerische Entwicklung begann", sind sich Meschede und Lucinda Barnes einig. Als „Augenzeuge der Moderne" bezeichnete Kuratorin Jutta Hülsewig-Johnen den Maler, der sich zwischen 1904 und 1914 zunächst in Pariser Künstlerkreisen bewegte, dort die revolutionären Strömungen in der Malerei kennenlernte. Freundschaften mit Picasso, Matisse und den Delaunays prägten seine Kunstauffassung. Als er zum Beginn des Ersten Weltkriegs Paris verlassen musste, gründete er in München seine erste Kunstschule. Die Vermittlung von Malereitechniken setzte er später auch in den USA fort, wohin er aufgrund der politischen Entwicklungen im Deutschland der 1930er Jahren emigrierte. Er habe immer betont, wie dankbar er für sein Leben in Amerika sei, weil er seine Kunstform im Deutschland der Nazizeit niemals hätte entwickeln können, so Barnes. Mit „Creation in Form and Color" scheint der Kunsthalle ein sehenswerter Verweis auf amerikanische Avantgardekunst mit europäischen Einflüssen zu gelingen.

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