Sehnsucht nach wilder Natur: Klaus-Werner Gnadt stellt in der Produzentengalerie unter dem Titel „Doktor Wald" seine Werke aus. - © Maria Frickenstein
Sehnsucht nach wilder Natur: Klaus-Werner Gnadt stellt in der Produzentengalerie unter dem Titel „Doktor Wald" seine Werke aus. | © Maria Frickenstein

Kultur Ausstellung: Druckgrafiken beschäftigen sich mit dem Wald

Die Arbeiten von Klaus-Werner Gnadt sind in der Produzentengalerie zu sehen

Maria Frickenstein

Bielefeld. Der Wald, er war und ist voller Mythen und Märchen, ein Ort der Spiritualität, der Erholung und des Durchatmens. Seit jeher regte er Dichter, Musiker und Bildende Künstler an, so auch den in Bielefeld lebenden Grafiker Klaus-Werner Gnadt. „Die Parks sind wie gefegt", dachte Klaus-Werner Gnadt als Kind im Rheinland, wie er sagt. Die Sehnsucht nach wilder Natur blieb, auch das Nachdenken über den Umgang des Menschen mit dem Naturerbe. „Doktor Wald" heißt die aktuelle Ausstellung des 58-Jährigen in der Produzentengalerie. „Doktor Wald", so ist auch ein Gedicht von Helmut Dagenbach betitelt, dessen Verse Gnadt zu seinen Druckgrafiken anregten. Bäume vor dem Krankenzimmer begünstigen die Heilung „Der Wald ist ein Stück Ursprung", sagt er und erzählt von frühen Laubwäldern, vom Leben des Menschen im schützenden Wald, vom Wald als Weide für das Nutzvieh, von seiner Heilkraft für Körper und Seele. Er erzählt vom Reinhardswald bei Kassel, auch von den Japanern, die wissen, dass ein Baum vor dem Krankenzimmer die Heilung begünstigt. Klaus-Werner Gnadt wurde in der Bergbaustadt Lünen geboren. Neun Monate auf Mallorca mit intensiven Kontakten zu Künstlern gaben wichtige kreative Impulse. In Bielefeld erlernte er bei dem Bildenden Künstler Theodor Rotermund die Technik des Holzschnitts. Einige Hölzer verwendet Klaus-Werner Gnadt direkt aus dem heimischen Wald, nimmt Stirnholz als Druckstock. Nach mehrmaligem Druck variiert die Farbintensität der sechs verwendeten Farbtöne. Die Formen zeigen sich transparenter wie zum Entschwinden bereit, überraschen als eigenwillige Motive zwischen realen Vorbildern und Fantasie. Sie erinnern daran, dass der Wald sehr viel mehr ist als die Summe seiner Bäume. Ein Blatt zeigt sich als Baum. Einige Bäume beanspruchen ihren Platz in Reih und Glied oder haben sich in lebendiger Ordnung vergesellschaftet. Laubbäume gibt es, Nadelbäume, möglich ein Ur- oder ein Forstwald. Gnadt gibt Anstoß zum Gespräch, über Urzeiten und Urwälder, über die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und die Verantwortung des Menschen als Teil der Natur. Naiv und doch voller Stärke stehen sie da, Bäume, die als Riese mit ausladender Krone ein schützendes Dach sein können, Bäume, die ein gutes Gedächtnis haben, angefüllt mit Zeit und Welt. Zu sehen sind die Druckgrafiken bis zum 8. November in der Produzentengalerie, Rohrteichstraße 36, dienstags von 16.30 bis 18.30 Uhr, samstags von 12 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung. Kontakt unter Telefon 01 51 18 75 35 80. Dienstag, 18. Oktober, 19 Uhr: „Heilungskraft des Waldes", Gespräch mit Klaus Kuhlemann, Schmied und Schamane. Dienstag, 25. Oktober, 19 Uhr: „Der Weg zur Naturheilung" mit der Schamanin Anke Eschen.

realisiert durch evolver group