Ab ins Wasser: Sally Lisa Starken im letzten Mittagsgespräch dieser Saison mit NW-Kulturchef Stefan Brams. - © Christian Weische
Ab ins Wasser: Sally Lisa Starken im letzten Mittagsgespräch dieser Saison mit NW-Kulturchef Stefan Brams. | © Christian Weische

Kultur Mittagsgespräche im Holzhaus: Sally Starken wünscht sich "mehr sozialen Wohnungsbau"

Die Angestellte der Staatsanwaltschaft plädiert für mehr Kultur auf öffentlichen Plätzen, einen stärkeren Nahverkehr und gegen Ghettobildung

Stefan Brams

Bielefeld. Die Tür zum Holzhaus lässt sich wieder öffnen. Dennoch ging das letzte Mittagsgespräch dieser Saison auf Hockern im Wasserbassin vor dem Holzhaus sitzend über die Bühne, weil das Wasser so angenehm die Füße kühlte an diesem schönen Sommertag. Sally Lisa Starken nutzte das Gespräch über Jungsein in Bielefeld für ein Plädoyer: „Wir müssen in Bielefeld mehr sozialen Wohnraum schaffen, denn es wird immer schwieriger, bezahlbare Wohnungen zu finden." Die 25-Jährige, die als Sachgebietsleiterin Personal bei der Bielefelder Staatsanwaltschaft tätig ist, ist überzeugt: „Bezahlbare Wohnungen sind mit entscheidend dafür, dass das offene Miteinander in Bielefeld weiterhin gelingen kann." Starken spricht sich auch dafür aus, solchen Wohnraum in allen Stadtteilen zu schaffen, um keine Ghettoisierung zu betreiben. „Wenn alle Schichten zusammenleben, dann können die Menschen einander viel besser kennen und verstehen lernen und Vorurteile abgebaut werden", sagt die junge Frau, die sich seit drei Jahren in der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen engagiert und seit Februar dieses Jahres selbige auch führt. "Linksleben in Liebefeld ist mein Motto" Die gebürtige Bielefelderin, die ihre Heimatstadt für ihr offenes und tolerantes Klima und das Grün „sehr schätzt", wünscht sich, dass auch in Zukunft in Bielefeld genug für junge Familien und alleinerziehende Frauen mit Kindern getan wird. „Bisher steht die Stadt sowohl was das kulturelle („Wackelpeter", „Hallo Baby in der Kunsthalle") als auch das soziale Angebot („bei der U-3-Kinderbetreuung ist Bielefeld Spitze") für junge Familien angeht, gut da", ist sie überzeugt. Sie werde sich dafür einsetzen, „dass das so bleibt, obwohl der städtische Haushalt auf Grund der hohen Verschuldung stark unter Druck ist." Für die Kultur findet Starken lobende Worte: „Die Macher haben hier wirklich vielfältige Angebote geschaffen, die sich über die Stadt hinaus sehen lassen können." Die Kunsthalle empfindet sie – im Gegensatz zu anderen Gesprächsteilnehmern im Holzhaus – auch für junge Menschen als attraktiv. „Es wird ein spannendes Ausstellungsprogramm geboten und dank der Mitgliedschaft bei den Jungen Freunden der Kunsthalle, kann ich die auch alle sehr günstig besuchen", betont sie. Auch das Theater lobt sie für seine „vorbildliche Arbeit". Lob für ehemalige "Unorte" „Aber ich teile die Anregung, dass diese Einrichtungen noch viel stärker um die junge Klientel werben sollten." Die Werbung über die sozialen Medien sei vor allem bei der Kunsthalle absolut ausbaufähig. „Die Jungen Freunde haben zum Beispiel nur 300 Follower auf Facebook, das ist viel zu wenig." Das Kulturmarketing ins Stadtmarketing zu verlagern, hält Starken für nicht sinnvoll. „Die Einrichtungen können das im Zusammenspiel mit dem Kulturamt, das eine gute Arbeit macht, sicherlich auch selbst betreiben." Auch Starken teilt den Eindruck, dass die Kultur- und die Kneipenszene derzeit einen neuen, jungen Aufschwung nimmt und an Unorten wie unter dem OWD spannende Projekte entstanden sind wie das „Nr. Z. Platz", das „Cutie" und das „The good Hood". Auch rund um den Kesselbrink sei die Stadt in Bewegung gekommen. Letzteren würde sie am liebsten während der kompletten Open-Air-Saison kulturell bespielt sehen, „um ihn wieder zu beleben". „Überhaupt halte ich viel davon, die Kultur noch mehr auf die Plätze und zu den Menschen zu bringen", sagt sie. „Das Konzert der Philharmoniker auf dem Kesselbrink hat doch gezeigt, wie toll das ankommt." Da könnte ruhig noch viel mehr passieren. Autofreier Jahnplatz? Starken ist dabei Wie die Mehrheit der jungen Gesprächspartner in den vergangenen Wochen würde auch Starken den öffentlichen Nahverkehr („der schon gut ist in Bielefeld") gerne noch stärker ausgebaut wissen. Dass die Linie 5 gescheitert ist, sei schade, sagt sie. Dennoch sollten wir über den Ausbau der Stadtbahn als auch über E-Busse weiter nachdenken. Ihnen gehöre die Zukunft. Den Jahnplatz kann auch Starken sich sehr gut ohne Autos vorstellen, „damit Neu- und Altstadt zusammenwachsen". Die Kommunalpolitik sieht Starken, die sich seit drei Jahren in der SPD engagiert, deutlich positiver als viele der Holzhausgäste. „Ich erlebe sie als durchaus offen, nah bei den Bürgern und dass sie nur von alten Männern betrieben wird, die sich gerne streiten, stimmt einfach nicht, das ist ein Vorurteil", betont Starken nachdrücklich. Aber es sei schon wichtig, dass sich die Parteien in der Stadt noch mehr um den Nachwuchs bemühen, räumt sie ein. Starken, die „Linksleben in Liebefeld" als ihr persönliches Motto bezeichnet, wünscht sich am Endes des letzen Mittagsgesprächs, „dass Bielefeld es auch in Zukunft schafft, die lebens- und liebenswerte Großstadt zu bleiben, die sie heute ist."

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