Jamas! Prost! Ioannis Dimopulos und Stefan Brams stoßen mit einem Wasser auf das Gespräch vorm Holzhaus an. Foto:Andreas Zobe - © Andreas Zobe
Jamas! Prost! Ioannis Dimopulos und Stefan Brams stoßen mit einem Wasser auf das Gespräch vorm Holzhaus an. Foto:Andreas Zobe | © Andreas Zobe

Kultur Mittagsgespräche im Holzhaus: „Freier öffentlicher Nahverkehr für alle“

Ioannis Dimopulos (19) hält Kürzungen im Sozial- und Kulturbereich für falsch, fordert junge Menschen auf, sich einzumischen und möchte Brechts Werke auf die Bühne bringen

Stefan Brams

Bielefeld. Bereits seit vier Jahren macht Ioannis Dimopulos im Jugendclub des Bielefelder Theaters mit. „Ich habe damals sehr viele dramatische Texte gelesen, dabei wurde meine Leidenschaft für das Theater geweckt", sagt der 19-Jährige, der nach seinem Germanistik- und Literatur-Studium an der Bielefelder Uni gerne als Regisseur oder Dramaturg im Theaterbereich arbeiten würde. Im zehnten Mittagsgespräch vorm Holzhaus betont er daher auch: „Der Sparkurs, den die Stadt Bielefeld beim Theater sowie im sozialen Bereich fährt, der geht überhaupt nicht." Gerade das Theater trage doch mit seinen vielfältigen Aktivitäten im Schul-, Kinder- und Jugendbereich auch mit dazu bei, dass es in Bielefeld so ein vergleichsweise soziales und offenes Miteinander gebe, sagt der junge Mann, der in Quelle geboren wurde und gerne in Bielefeld lebt. „Gerade weil es hier ein weltoffenes Klima gibt, weil die Menschen aufeinander zugehen, sich stark sozial und zivilgesellschaftlich engagieren und es ein eher politisch linkes Klima in der Stadt gibt, lebe ich sehr gerne hier", betont Dimopulos, dessen Eltern aus Griechenland stammen. "Der grüne Würfel sollte zum Begegnungszentrum werden" Seit mehreren Jahren engagiert sich der Student in der Links-Jugend, der Jugendorganisation der Linken. „Wer politisch etwas verändern will, der muss sich eben auch einmischen und darf nicht nur rummäkeln", sagt er. Daher hat er auch wenig Verständnis für die Holzhausgäste, die der Kommunalpolitik eher skeptisch gegenüber stehen. „Ich finde sie sehr spannend, denn hier vor Ort können wir doch viel eher etwas bewegen als in Berlin." Es gebe unglaublich viele Möglichkeiten, gerade in der Kommunalpolitik mitzumischen. Man müsse sich nur eben selbst einbringen. Obwohl Dimopulos Bielefeld sehr schätzt („eine sehr schöne und überschaubare Stadt"), würde er auch gerne einiges verändern. „Die Stadt setzt immer noch viel zu sehr auf Vorrang für den Autoverkehr." Sein Gegenvorschlag: kostenloser öffentlicher Nahverkehr für alle finanziert durch eine Abgabe aller Bürger. „Das würde uns richtig voranbringen." Nervig findet Dimopulos auch das unzureichende öffentliche Nahverkehrsangebot am Abend und des Nachts – vor allem unter der Woche. „Auch in diesem Bereich könnte viel mehr gerade auch für die jungen Menschen in den Außenbezirken getan werden." Einem autofreien Jahnplatz steht er allerdings skeptisch gegenüber, „weil dort ohnehin kein kulturell wertvoller Platz entstehen kann, sollte man es gleich lassen", sagt er. Mit der Kultur zeigt sich Dimopulos insgesamt zufrieden. „Die Stadt hat für ihre Größe und ihre Möglichkeiten eine sehr vielfältige Kulturlandschaft." Toll findet es der Theaterfan, dass in den vergangenen Jahren viele neue, junge Klubs und Kulturangebote wie das „Nr. z. Platz" entstanden sind. „Ich habe überhaupt den Eindruck, dass sich hier überproportional viele Bürger und auch immer mehr junge Leute im Kulturbereich engagieren." Auch deshalb habe er die Stadt richtig gern. Die Kunsthalle schätze er, auch wenn er mit der zeitgenössischen Kunst nicht immer etwas anfangen könne. Dass der Eintritt für einen oder zwei Monate dank Sponsoren frei ist, findet er einen guten Weg. „Ich kenne Studierende, die gleich in Gruppen von 20, 30 Leuten in die Ausstellung gegangen sind." Es wäre daher sicherlich nicht schlecht, wenn es so etwas dauerhaft geben könnte, meint Dimopulos, der den Kesselbrink gerne stärker beleben würde. Freie Kulturangebote wie das Konzert der Philharmoniker und das Stereo-Open-Air hält er für gute Wege, den Platz voranzubringen. „Was aber die Verantwortlichen geritten hat, den grünen Würfel dort hinzustellen und gehobene Gastronomie anzubieten, habe er von Anfang an nicht verstanden." Hier sollte viel mehr ein Begegnungszentrum entstehen. Das würde sicher angenommen, weil es hier ein Publikum dafür gebe, ist er überzeugt. „Liebefeld" hält der Quelleraner für einen passenden Slogan, „weil er beschreibt, was Bielefeld sein sollte und zu einem großen Teil bereits ist: weltoffen, tolerant und entgegenkommend." Eine Stadt in der er gerne auch in Zukunft leben würde, auch wenn er nach dem Studium erstmal raus will in die weite Welt, um seinen Horizont zu erweitern. Als Regisseur würde er später gerne Stücke von Bertolt Brecht auf die Bühne bringen. „Weil er so ein politischer und provokanter Autor ist", sagt Dimopulos. Nach Adam Aach und Mert Salur, Lara Venghaus, Lino Vinke, Daniel Nötzold, Philip Strunk, Conor Körber und Simon Strehlau, Rojat Akay und Patrick Mayregger, Hannes Westermann, Tanja Korte, Darius Haunhorst und Ioannis Dimopulos ist zum Abschluss der Serie Sally Lisa Starken im Holzhaus zu Gast. Das Gespräch ist am 24. August zu lesen.

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