Satiriker zu Gast: Die Studenten Conor Körber (v.l.), Simon Strehlau und Philip Strunk sowie Gastgeber Stefan Brams am Eingang zum Holzhaus. Mit ihrem Programm „Goodbye Deutschland" sind die drei am 9. 9. in Detmold (Hangar 21), 30. 9. in Gütersloh (Weberei), 6.10. in Herford (Stadttheater) sowie am 25.11. in Rheda-Wiedenbrück (Museum Wiedenbrücker Schule) zu sehen. - © Wolfgang Rudolf
Satiriker zu Gast: Die Studenten Conor Körber (v.l.), Simon Strehlau und Philip Strunk sowie Gastgeber Stefan Brams am Eingang zum Holzhaus. Mit ihrem Programm „Goodbye Deutschland" sind die drei am 9. 9. in Detmold (Hangar 21), 30. 9. in Gütersloh (Weberei), 6.10. in Herford (Stadttheater) sowie am 25.11. in Rheda-Wiedenbrück (Museum Wiedenbrücker Schule) zu sehen. | © Wolfgang Rudolf

Kultur Mittagsgespräche im Holzhaus: „Die junge Szene braucht mehr Unterstützung“

Conor Körber (24), Simon Strehlau (27) und Philip Strunk (23) über Jungsein in Bielefeld, die zu teure Gastronomie in der Altstadt, tote Hose in der Innenstadt, Probleme mit dem Nahverkehr und den Wunsch nach mehr öffentlichen Sportmöglichkeiten

Stefan Brams

Bielefeld. Die drei machen mit beim Uni-Radio Hertz 87,9 und haben sich als Satiregruppe „Hertz an Hertz" bereits einen Namen über Bielefeld hinaus gemacht. „Heute sprechen wir aber als Bürger über Bielefeld und das frei von Ironie", betonen Conor Körber, Simon Strehlau und Philip Strunk im fünften Mittagsgespräch über Jungsein in Bielefeld. Wohl fühlen sich die drei in Bielefeld, obwohl sie zunächst mit der Stadt haderten und in anderen Städten wie zum Beispiel Berlin studieren wollten. Philip Strunk, der in Schildesche geboren ist, sagt: „Mir war hier zu wenig los." Er blieb dann dennoch. „In den vergangenen vier bis fünf Jahren hat die Stadt sich positiv verändert", betont Körber, der zum Studium aus Rheda-Wiedenbrück nach Bielefeld gezogen ist. Strehlau, der aus Velbert stammt, und Strunk stimmen zu, betonen: „Die Stadt ist heute durchaus attraktiv für junge Menschen." Den positiven Wandel schreiben sie der Uni zu, an der alle drei studieren, dem neuen Campus samt Festival und vor allem der alternativen, jungen Kulturszene wie dem Subkulturtreff „Nr. z. Platz", der dazugehörenden Kneipe „Cutie" am Parkhaus Jöllenbecker Straße sowie der neuen Skateanlage auf dem Kesselbrink samt der sich dort etablierenden Szene inklusive Kneipen und auch dem Klosterplatz mit Abendmarkt und Live-Musik. "Kunst auf die Plätze zu bringen, ist ein toller Weg" Lob gibt es auch für die Kultur allgemein, aber die drei wünschen sich eine Akzentverschiebung. „Die neue alternative Szene ist zwar aus sich heraus entstanden, aber sie sollte seitens der Stadt stärker gefördert werden", betont Strehlau. „Damit sie nicht wieder verschwindet." „Die vorhin schon genannten Orte aber auch der Bunker, das Kamp-Café, das AJZ sorgen doch gerade dafür, dass sich junge Menschen hier wohlfühlen und womöglich dauerhaft bleiben", sagt Körber und fordert: „Wir brauchen mehr Geld für die Kultur, damit auch die alternative Szene Unterstützung findet. Das Neue kommt bisher zu kurz gegenüber den etablierten Einrichtungen." Das Stadttheater, Kunsthalle, aber auch die freien Theater empfinden sie zwar als Bereicherung der Stadt, „aber so etwas haben alle Städte", sagt Strehlau. „Wir müssen die neue, junge Szene mehr ins Zentrum rücken, um zu punkten." Theater und Kunsthalle besuchen alle drei „eher nicht", weil sie die Außendarstellung dann doch oft nicht anspreche und überzeuge. Den freien Eintritt jetzt im Monat August in der Kunsthalle halten sie für eine gute Aktion, „um auch Studenten anzulocken, die ja weniger Geld zur Verfügung haben." So etwas dauerhaft einzurichten, wäre schon eine gute Initiative. Aber auch verbilligte Restkarten kurz vor Vorstellungsbeginn anzubieten, halten sie für einen wünschenswerten Ansatz. Voll des Lobs sind die drei für den Auftritt der Philharmoniker auf dem Kesselbrink. „Die Kunst auf die Plätze zu bringen, ist ein toller Weg, mehr Menschen für die Kultur zu begeistern", so Strunk und Strehlau. Trotz ihres Lobs für Bielefeld als „lebenswerte Stadt mit viel Grün und kurzen Wegen" gibt’s auch Kritik. Die Altstadt sei zwar schön, aber die „schicke und pseudoschicke Gastronomie" (Strehlau) könnten sich Studenten doch gar nicht leisten. „Die Preise sind in Bielefeld echt zu hoch und im Zentrum sind sich die Kneipen alle zu ähnlich", sagen die drei. Kritik gibt es auch am Nachtleben. „Unter der Woche ist nachts kaum was los, die Läden schließen viel zu früh", so Körber. Und in den Clubs laufe zu viel Techno. „Das Forum ist da zum Glück eine Ausnahme, aber leider auch die einzige", sagen sie. Die Nahverkehrsverbindungen ließen unter Woche gerade abends zu wünschen übrig, vor allem wenn man in die Außenbezirke zurück wolle. Wünschen würden sie sich in Bielefeld, wie schon mehrere Gesprächspartner vor ihnen, mehr öffentliche Sportmöglichkeiten für alle. „Davon gibt es hier einfach zu wenig." Die Kommunalpolitik wird auch von den drei Satirikern als zu entrückt und zu distanziert erlebt. Eine Position, die in den Mittagsgesprächen bereits mehrfach geäußert wurde. Positiv sei hingegen ein Workshop an der Uni gewesen, bei dem Studenten mit Kommunalpolitikern über den Wissenschaftsstandort Bielefeld ins Gespräch gekommen seien. „Solche dialogorientierten Angebote sind ein gutes Mittel, um Studenten für Politik zu interessieren", findet Strunk und Strehlau sagt: „So wird die Kommunalpolitik nahbarer und erfahrbarer." Nach Adam Ach und Mert Salur, Lara Venghaus, Lino Vinke, Daniel Nötzold und Philip Strunk, Conor Körber und Simon Strehlau sind am 4. August Rojat Akay und Patrick Mayregger im Holzhaus zu Gast.

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