Der gehandikapte Taner hat die Schere angesetzt, um die Fahrt mit dem Rollstuhl auf die Ems-Quellen-Plattform für sich und seine Schulkameraden zu ermöglichen. Frank Ahnfeldt (l.) von der Biologischen Station im Kreis Paderborn (Ostenland) hat den Liboriusschülern die Natur in der Moosheider nahe gebracht. - © FOTO: KARL FINKE
Der gehandikapte Taner hat die Schere angesetzt, um die Fahrt mit dem Rollstuhl auf die Ems-Quellen-Plattform für sich und seine Schulkameraden zu ermöglichen. Frank Ahnfeldt (l.) von der Biologischen Station im Kreis Paderborn (Ostenland) hat den Liboriusschülern die Natur in der Moosheider nahe gebracht. | © FOTO: KARL FINKE

Hövelhof Mit dem Rolli ran an die Quellen

Der Emsradweg wird weiter verbessert: Wege zur Plattform geebnet

Schloß Holte-Stukenbrock. Grober Schotter lag Rollstuhlfahrern bislang im Weg, wenn sie zu den Senner Pferden und zu den Emsquellen wollten. Weil das Wasser zudem tief in der Moosheide liegt, nur über Treppen erreichbar ist, ermöglicht nun ein hölzerne Steg mit Plattform zumindest den Blick von oben auf die Rinnsale. Am Radweg sind weitere Investitionen unter dem Namen "Ein grüner Stern" im Gange. Gestern nahmen zur Einweihung der beiden Neuigkeiten am Ems-Informationszentrum Schülerinnen und Schüler der Paderborner Liboriusschule, Förderschule für körperliche und geistige Entwicklung, den neuen Weg unter ihre Räder. "Wir haben das im Unterricht vorbereitet", so Lehrer Bernd Meier-Grano, "und wollen den Weg natürlich auch testen." Frank Ahnfeldt von der Biologischen Station ließ die Gruppe ein Band durchschneiden und erklärte den Premieregästen die Natur am Wegesrand. Die zehn Senner Pferde mochten seinem Lockruf zum Gatter allerdings nicht folgen. Pflanzen wie der Bauernsenf dienten ihm gern für Erläuterungen der kargen Senne-Vegetation. Auch für Radfahrer Richtung Emden soll die Natur in den nächsten Jahren intensiver erlebbar werden. Nahe der Quellen ist ein Kleinbiotop für Frösche, Molche und Libellen angelegt worden. Am nachfolgenden Höhepunkt der Radroute, dem Steinhorster Becken, wird eine Graben-Überquerung sicherer gemacht. Ein Rundwanderweg um das Becken bekommt einen anschaulichen Flyer. Medien sollen das Verständnis der Natur vertiefen helfen. Das gesamte Emsradweg-Projekt "Ein grüner Stern" wird mit rund 800.000 Euro komplett vom Land finanziert. NRW wiederum erhält die Mittel über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Kooperationspartner sind die Biologischen Stationen im Kreis Steinfurt sowie Gütersloh/Bielefeld und die Naturschutzstation Münsterland des Naturschutzbundes Deutschland, dazu die Fachhochschule Münster. Entstehen sollen auch eine neue Informationsbroschüre und ein Buch, das die faszinierende Natur entlang der Ems in Bild und Wort veranschaulichen. Alle Informationen werden zudem multimedial aufbereitet – für GPS-Geräte und Smartphones. Abgerufen werden können sie an 23 so genannten "Points of Interest". In Münster sind auch Seminare für Gästeführer geplant. Den erleichterten Weg sieht Bio-Stations-Mitarbeiter Ahnfeldt nicht nur als Vorteil für Rollstuhlfahrer, sondern für alle, die zu Fuß mehr oder weniger gehandikapt sind: "Wir werden ja alle älter und brauchen Erleichterungen."

realisiert durch evolver group