Schnuppertour

Auf den Hund gekommen: Tierische Begegnungen in Heidelberg stressfrei erleben

Städtetrips sind beliebt. Kurz mal raus aus dem Alltagstrott, ein bisschen Kultur genießen, eine hübsche Altstadt anschauen oder shoppen – das macht Spaß und erweitert den Horizont. So denken viele Menschen. Hunde hingegen sehen das anders. Vierbeiner lassen sich kaum für Städtereisen begeistern, denn (welcher Hund kennt das nicht?) in Schlössern, Museen und beim Shoppen heißt es: "Wir müssen draußen bleiben!" Und so hocken Lucky oder Bruno gelangweilt im Auto oder im Hotelzimmer, während Herrchen und Frauchen sich in der Stadt amüsieren. Dass es auch anders geht, zeigt "Heidelberg auf vier Pfoten". So heißt eine Sightseeingtour, bei der tierische Begleitung ausdrücklich erwünscht ist. Auf die Idee der Tour kamen die beiden Gästeführerinnen Jutta Ringk und Gisela Stettmeier. Häufiger schon hatten sie erlebt, dass Heidelberg-Gäste ihre Vierbeiner mitbrachten, und das sah dann so aus: Der Hund wurde durch die historischen, trubeligen Altstadtgassen gezerrt, und vor dem imposanten Schloss musste er sitzen bleiben. Wenig spaßig. Und so überlegten die Gästeführerinnen sich eine Route, bei der Mensch und Tier Heidelberg gemeinsam erleben können. Es beginnt mit reichlich "Wau" und "Wuff" Der beste Treffpunkt dafür ist freilich ein Park. Direkt neben dem zentral gelegenen Bismarckplatz treffen sich an einem Samstagvormittag vierzehn Hunde und Menschen zum kollektiven Stadtspaziergang. Es beginnt mit reichlich "Wau!" und "Wuff!", die Frauchen (nur ein einzelnes Herrchen findet sich ein) antworten mit "Sitz!" und "Platz!". Aber die Vierbeiner sind aufgeregt, so viele Artgenossen wollen beschnuppert, angebellt und auf Spieltauglichkeit getestet werden. Mit von der Partie sind Labradore, Golden Retriever, dann kommt etwas Wuscheliges ganz in Schwarz angetrabt, eine Huskymischung, Jagdhund Candy sowie das kleine Terriermädchen Elli. Den Zweibeinern drücken die Gästeführerinnen gleich Hundetüten in die Hand zur Beseitigung eventueller Hinterlassenschaften. Und dann geht es los. Wer wo und hinter wem auf dem engen Bürgersteig läuft, das ergibt sich erst nach einer Weile, wenn sich alle sortiert haben. Terrier Elli tippelt anfangs ängstlich neben Frauchen her, weicht nicht von dessen Seite, dreht das Köpfchen und scheint sich zu fragen: Wer ist hinter mir? Freund oder Feind? Aber die Hundeschar benimmt sich vorbildlich, kein Beißer ist dabei. Jutta Ringk zeigt sich erleichtert: "Wir haben mit Absicht keine Vorgaben zu Rasse oder Größe gemacht und uns ganz auf verantwortungsvolle Hundebesitzer verlassen." Spaziergänger gucken verwundert Der zweistündige Spaziergang führt auf dem Philosophenweg oberhalb des Neckars am Hang entlang, vorbei an Gärten. Überall grünt und sprießt es an diesem sonnigen Frühlingstag. Dazu noch der herrliche Blick über den Neckar auf die Altstadt und das Heidelberger Schloss. Ein paar Mal hält die Gruppe inne, etwa an der Büste des Romantikers Joseph von Eichendorff, der früher auf dem Philosophenweg lange Spaziergänge zu unternehmen pflegte. Jutta Ringk liest aus seinem Gedicht "Einzug in Heidelberg" vor. Die gebildeten Hunde lauschen ihrer Stimme, während ein paar Kulturbanausen an unpassenden Stellen dazwischenbellen. "Psst!", zischeln die Frauchen. Die Ansammlung von Zwei- und Vierbeinern fällt auf, Spaziergänger gucken verwundert, einer fragt: "Ist das hier eine Hundedemo? Oder ein Tierschutzverein beim Ausflug?" Kurz hinter dem Hölderlin-Gedenkstein geht’s ein Stück durch den Wald des Heiligenbergs, und jetzt sind die Hunde nicht mehr zu bremsen – Kultur hin, Kultur her. Während die einen (Labradore und Retriever) sich sogleich in einen kleinen Tümpel stürzen, tragen andere Stöckchen spazieren oder fegen durchs Unterholz. Auch Terrier Elli saust umher, jetzt ganz locker, denn sie hat einen Spielgefährten auf Augenhöhe gefunden. Grüppchenbildung unter Zweibeinern Auch unter den Zweibeinern bilden sich kleine Plaudergrüppchen, bevor der Weg über die Hirschgasse, vorbei an schönen Villen, hinunter ans Neckarufer führt. Durstige Zungen tauchen ein ins Flusswasser und schlabbern mal kurz, dann geht’s weiter am Ufer entlang, bis zur Alten Brücke. Sie führt hinüber auf die Altstadtseite. Vis-à-vis der bronzenen Figur des Brückenaffen steuern die Sightseeingteilnehmer das Gasthaus "Nepomuk" an. Den Wirt haben die Gästeführerinnen mental per Telefon auf den Hundeansturm vorbereitet. Durstig sind jetzt die Frauchen. Der Kellner balanciert Getränke um und über die Vierbeiner an die einzelnen Tische, und er nimmt’s mit einem Lächeln. Fast alle Hunde liegen platt ausgestreckt auf dem Boden. Sie hatten tierisch viel Spaß, nun sind sie müde. Und die Zweibeiner? "Es war ein schöner langer Spaziergang", lobt eine Frau aus Bremen, eine andere meint: "Jetzt kann ich in Ruhe das Heidelberger Schloss besichtigen." Denn der Hund, der bleibt ausgepowert und ohne Murren oder Bellen im Hotelzimmer zurück.

realisiert durch evolver group