Immer an der See lang: So geht es zu beim Baltic Lights-Schlittenhunderennen zwischen den Seebrücken von Heringsdorf und Ahlbeck. - © Ekkehart Eichler
Immer an der See lang: So geht es zu beim Baltic Lights-Schlittenhunderennen zwischen den Seebrücken von Heringsdorf und Ahlbeck. | © Ekkehart Eichler

Deutschland Auf den Hund gekommen

Schlittenhunderennen sind die neueste Attraktion auf Usedom. Aber auch als Gesundheitsziel punktet die Ostseeinsel mit frischer Rezeptur gegen den Winterblues

Ekkehart Eichler

Es geht ab wie Schmidts Katze. Die geballte tierische Kraft, vor dem Start mühsam gebändigt vom Team, darf sich auf Kommando schlagartig frei entfalten. Sechs Huskys legen los wie die Feuerwehr, denn endlich können sie das tun, was sie am allerliebsten haben: Laufen. Schnell laufen. Lange schnell laufen. Mit durchschnittlich 25 Stundenkilometern vorzugsweise über Schnee, wenn es sein muss aber auch auf Ostseestrandsand wie heute – Schlittenhunde sind nicht wählerisch. Fast sechs Kilometer haben sie vor sich. Von der Seebrücke Heringsdorf bis zur Kaiserbadschwester in Ahlbeck. Und nach einer engen Wende wieder retour. Immer entlang der Ostsee, dicht am Wasser und durch schweren Sand. Geleitet und gelenkt vom Gespannführer, der im Fachjargon „Musher" heißt und mit knappen Kommandos die Leithunde dirigiert. Die Point dogs, das Mittelpaar, und die Wheel dogs, die direkt vor dem vierrädrigen Wagen laufen, haben keine Wahl – die Truppe geht ab durch die Mitte des Zuschauerspaliers und wird in einer knappen Viertelstunde zurück im Ziel sein. Auch Gerhard „Gonni" Gontow aus Niedersachsen gehört zu jenen harten Typen, die es lieben, bei fast jedem Wind und Wetter mit ihren Hunden draußen in Aktion zu sein. Und weil vor dem zweiten Rennen am Sonntag noch etwas Zeit ist, stellt er seine Hunde vor und plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen. „Die Einheit von Natur, Mensch und Tier – das gibt mir immer wieder den Kick. Auf sich allein gestellt, wie in Kanada oder Alaska, stundenlang unterwegs zu sein. Kraft zu tanken, die Verbundenheit mit den Hunden zu spüren." Der Startplan holt uns zurück aus Schlittenhund-Elogen und Musher-Romantik – die Hunde müssen angeschirrt werden. Jedes Tier bekommt eine Riemenkonstruktion übergestülpt, mit der die Zugkraft auf Brust und Schultern verteilt wird. Mittels mehrerer Leinen werden die hypermobilen Huskys dann eingespannt. Was sich leichter anhört, als es ist, denn schon jetzt sind die sechs Hunde kaum zu bändigen. Doch all die Spannung entlädt sich dann auf einen Schlag, wenn der Rennleiter die Fuhre mit einem lauten „Go" auf die Reise schickt – angefeuert von Tausenden Zuschauern. 13 Minuten später sehen wir Gonni wieder. Sandbespritzt und ausgepumpt. Aber auch rundherum glücklich. Dass die Premiere von Deutschlands nördlichstem Schlittenhunderennen im Februar 2016 zum Mega-Event mit Maxi-Erfolg wurde und 30.000 begeisterte Zuschauer an die Rennstrecke zog, lag aber nicht nur an den spannenden Rennen der Profis. Auch etliche TV- und Showstars hatten sich gewissermaßen „einspannen" lassen für ein Charity-Rennen zugunsten der Welthungerhilfe. Im Gespann und mit Gespann gingen so zum Beispiel Anja und Gerit Kling, Kim Fisher, Michael Mendl, Florian Martens, Gedeon Burkhard, Bernhard Bettermann und Maxi Arland als Musher auf die Piste und lieferten ein unterhaltsames Spektakel ab – auch das wird es im März 2018 bei der Neuauflage wieder geben. Inklusive Leuchtfeuern und vielen anderen Überraschungen. Am Morgen danach. In aller eisigen Winter-Herrgottsfrühe versammelt sich ein kleines Grüppchen am Ostseestrand. Sie hüpfen und laufen zunächst auf der Stelle, ziehen dann die Schuhe aus, krempeln die Hosenbeine hoch und staksen anschließend derart begeistert nackten Fußes im Storchengang durch die vier Grad kalte Ostsee, dass Pfarrer und Wasserdoktor Sebastian Kneipp seine helle Freude gehabt hätte. Und nicht nur er. Als Wellness- und Gesundheitsziel hat sich Deutschlands zweitgrößte Insel seit Jahren erfolgreich auf der touristischen Landkarte etabliert, die Dichte an qualifizierten Wohlfühloasen etwa ist nirgendwo höher als hier. Schon die natürlichen Voraussetzungen sind exzellent. Mit 42 Kilometern puderfeinem Sandstrand. Mit jährlich 2.000 Sonnenstunden, was bundesweit Spitze ist. Mit mildem Reizklima, das die Abwehrkräfte auf Vordermann bringt. Mit reinster Seeluft, deren Salz und Aerosole den Lungen gut tun. Mit Heilmitteln nicht zuletzt wie der Heringsdorfer Jod-Sole, die geschätzt wird als Jungbrunnen und Waffe gegen Rheuma sowie Atemwegs-, Herz-Kreislauf- und Hautkrankheiten. Ausgedehnte Spaziergänge am Strand, Nordic Walking, Jogging, Yoga, Qi Gong oder Klimawanderungen mit Kneippschen Elementen – schon die Möglichkeiten für ein belebendes Outdoor-Programm sind quasi unerschöpflich. Dazu kommen die Wellness-Tempel, die gut über die Insel verteilt sind. Ob Sanddornbäder oder Algenmousse-Packung, ob Aqua-Dreaming oder Farblichtsprudelwanne – fast eintausend unterschiedliche Angebote rund um Wohlfühlen, Entspannen, Schönheit- und Körperpflege stehen in 15 zertifizierten Wellness-Hotels zur Wahl; zwei große Thermen sowie großzügige Sauna- und Badelandschaften komplettieren das Arsenal gegen Winterblues und Abnutzungserscheinungen. Neuester Clou: Europas erster zertifizierter Kur- und Heilwald in Heringsdorf. Eine „Grüne Apotheke am Meer", in der die heilenden Kräfte des Küstenwaldes bewusst genutzt werden. Ein einziger Tag im Wald nämlich stärkt das Immunsystem bereits kräftig, senkt den Blutdruck, reguliert den Puls und baut Stresshormone ab. An verschiedenen Stationen im Wald können Muskeln aufgebaut sowie Konzentration und Gleichgewicht trainiert werden – ein einzigartiges Projekt. Ein Newcomer ist auch das Netzwerk „Usedom Ganz Gesund", das sich in Seminaren, Vorträgen und Workshops der ganzheitlichen Gesundheit widmet. So vermittelt etwa Initiatorin und Ärztin Karin Haschenburger Wissen zur Homöopathie. So ist Pferdeexpertin Ute Detempte zugleich Fachfrau für therapeutisches Reiten auf Island-Pferden. Coaching mit Pferden ist Thema von Sabine Schlechter, die sich außerdem auskennt mit Burnout-Prävention. Und bei Michael Porath kann man in Tagesseminaren etwas lernen über die 5-Elemente-Ernährung. Wer also zum Beispiel schon immer mal wissen wollte, welche Bedeutung das Selbstwertgefühl für seine Gesundheit hat, ist hier goldrichtig. Und natürlich auch nicht nur im Winter.

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