FLUSSKREUZFAHRT Las Vegas auf dem Rhein

Bei dieser erlebnisreichen Flussreise lernen Kurzurlauber, dass das amerikanische Spielerparadies näher liegt, als man denkt.

Dirk Kröger

Ob das etwas für Menschen sein wird, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kreuzfahrt unternehmen? Oder ist das gar keine? Doch, das Unternehmen Phoenix Reisen bezeichnet diese kleine Schiffsreise zumindest als Kreuzfahrt. Die aber dauert gerade einmal 18 Stunden und führt von Köln aus 35 Kilometer Rhein abwärts bis nach Bonn und wieder zurück. „Wir bieten diese Ein-Tages-Kreuzfahrten seit 2017 an und sehen sie vor allem als Werbung, um potenzielle neue Kunde zu gewinnen", erklärt Kreuzfahrtleiter Sammy El-Gindi an Bord der Anesha. Die Reise mit Dinner-Show unter dem Motto „Viva Las Vegas" ist zum Hineinschnuppern gedacht. Die Anreise nach Köln gestaltet sich unproblematisch, der Weg vom Bahnhof zur Anlegestelle nahe der Bastei wird fußläufig zurück gelegt – angesichts der einzigen Übernachtung an Bord, ist das Gepäck nicht zu umfangreich. Und dann werden die Passagiere auch schon aufs Freundlichste von Sammy El-Gindi begrüßt und von einem weiblichen Besatzungsmitglied zur überraschend schönen Kabine geleitet, wo unter anderem eine Flasche Sekt und Pralinen bereitstehen. Das fängt ja gut an! Und auch das Einschiffungs-Büffet mit köstlichen Kuchen- und Torten-Spezialitäten sowie Schnittchen findet allergrößten Anklang. Natürlich müssen die Reisenden auch bei dieser kurzen Kreuzfahrt die Sicherheitshinweise verinnerlichen, wie eine Schwimmweste angelegt wird. Dann aber gibt es einen Vorgeschmack auf das Abendprogramm, als der Belgier Steven Timmermann mit seinem Partner als Dean Martin und Frank Sinatra auftritt. Das Publikum aber will mehr als nur Brot und Spiele. Und bekommt das auch. Ein Sechs-Gänge-Menü mit allerlei Köstlichkeiten sorgt schon früh für Zufriedenheit. Und dann ist der smarte Steven Timmermann, Geschäftsführer und Creative Director von SevenSeas Productions, gemeinsam mit seinen Mitstreitern wieder am Zug. Als Elvis begeistert er das Publikum, nimmt es richtiggehend mit auf die Reise nach Nevada. Und auch Abba, das schwedische Erfolgs-Quartett, erlebt auf jeden Fall an Bord der Anesha seine Wiederauferstehung. Und die Blues Brothers bilden den krönenden Abschluss, wobei die Einlagen eines Las-Vegas-Magiers ebenso für gute Stimmung sorgen wie der Einsatz von 100 Dollar Spielgeld am Roulette-Tisch. Wer noch nicht müde ist, kann sich anschließend von einem Discjockey auf die Tanzfläche locken lassen – und natürlich den Mitternachts-Snack genießen. Ein wunderschöner Abend war das, an dem die Silhouette der Stadt Köln mit dem beleuchteten Dom fast nur eine Nebenrolle spielte. Irgendwann aber geht es dann doch in die bereits aufgeschlagenen Betten, der große Flachbild-Fernseher wird kaum eines Blickes gewürdigt. Und für das umfangreiche Frühstücks-Büffet gilt das erst recht. Und dann heißt es auch schon wieder Abschied nehmen, denn nach gerade einmal 18 Stunden ist diese Kreuzfahrt beendet. Kann das Unternehmen damit denn überhaupt Gewinn machen? „Eine schwarze Null reicht uns", erklärt Sammy El-Ginde, „wenn wir gar nichts machen würden, müssten die Liegegebühren ja auch bezahlt werden." Ein spezielles Publikum hat der Deutsch-Ägypter bei den Schnupper-Fahrten auf dem Rhein nicht ausgemacht. „Da ist alles dabei, Herrenclubs, Damenclubs, Betriebsfeiern", sagt er. Dieses Mal aber hat El-Gindi selbst Neues erfahren, denn eine ganze Hochzeitsgesellschaft verkürzte sich den Weg nach Las Vegas und feierte auf dem Rhein. Im März und Dezember diesen Jahres gibt es noch insgesamt zwölf eintägige Eventreisen mit der Anesha. Zu zahlen sind für die Schiffsreise mit Willkommenscocktail, Nachmittags-Kaffee mit Gebäck, Galadinner, dem Show-Programm, Mitternachtssnack, Frühstücks-Buffet und Phoenix-Rucksack ab 129 Euro pro Person in einer Zwei-Bett-Außenkabine. www.phoenixreisen.com

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