Viel Beton: Am Waikiki Beach reihen sich riesige Hochhäuser aneinander – spannend ist Honolulu aber nicht nur aufgrund der beeindruckende Skyline. - © picture alliance / All Canada Photos
Viel Beton: Am Waikiki Beach reihen sich riesige Hochhäuser aneinander – spannend ist Honolulu aber nicht nur aufgrund der beeindruckende Skyline. | © picture alliance / All Canada Photos

USA Manhattan der Südsee

Wolkenkratzer prägen das Stadtbild von Hawaiis Hauptstadt Honolulu. Doch Großstadttrubel hin oder her: Über allem schwebt der Zauber eines Tropenparadieses

Brigitte von Imhof

Gleich zwei Ereignisse vermasselten im Januar Hawaiis Bilderbuchstart ins Jahr 2018: Am 13. Januar versetzte ein falscher Raketenalarm aus Richtung Nordkorea die Bewohner des Pazifik-US-Staats 38 Minuten lang in Angst und Schrecken. Eine gute Woche später gab es eine Tsunamiwarnung – nach einem schweren Seebeben vor der Küste Alaskas. Auch hier folgte Entwarnung. Es darf also wieder aufgeatmet werden im Aloha-Paradies. Wer zum ersten Mal in Honolulu landet, spürt eine seltsame Vertrautheit. Dieses Déjà-vu hängt damit zusammen, dass die 380.000-Einwohner-Metropole schon so oft Kulisse in Filmen und TV-Serien war. Wer erinnert sich nicht an den roten Ferrari, mit dem Privatdetektiv Thomas Magnum auf Ganovenjagd 160 Folgen lang über den Highway bretterte. Oder er schnappte sich einen Helikopter und legte den Bad Guys aus der Luft das Handwerk. Bei aller Spannung kamen die Zuschauer angesichts der traumhaften Hawaii-Bilder aus dem Seufzen gar nicht heraus. Magnum alias Tom Selleck war nicht nur ein verdammt gut aussehender Charmebolzen, sondern verabreichte seinem Publikum jedes Mal eine Dosis jener Droge, die hawaiisüchtig macht. Und den Song „Somewhere over the rainbow" in der Ukulele-Version von Hawaiis Künstlerlegende Israel Kamakawiwo’ole bekommt man ohnehin nicht mehr aus dem Ohr „Manhattan in der Südsee" wird die Metropole Honolulu oft ein bisschen despektierlich genannt. Doch trotz himmelstürmender Wolkenkratzer und Highway-Staus springt der Aloha-Motor sofort an. Das liegt an den Palmen, die sich in der Abendbrise wiegen. Am betörenden Blütenduft und natürlich an den herrlichen 24 Grad selbst nach Sonnenuntergang. Wie lange, anstrengend und schlafraubend die weite Anreise auch war – der Jetlag dank elf Stunden Zeitunterschied lässt einen zuverlässig zum Morgengrauen munter werden. Wer am Waikiki-Strand wohnt, hat es nicht weit zum Ala Moana-Park, der wie eine riesige grüne Faust in den Pazifik hineinragt. Jogger und Powerwalker mit und ohne Hund begrüßen den Morgen. Auf den Rasenflächen haben sich Grüppchen zum Tai-Chi oder Yoga versammelt. In einer Lagune ziehen drei Stand-up-Paddler ihre Bahnen und am Ufer macht ein Tauchlehrer mit seinen Schülern Trockenübungen. Ein Stück weiter laufen die Vorbereitungen zu einer Outrigger-Regatta. Am weltberühmten Waikiki Beach haben die coolen Typen mit ihren schnittigen Brettern Position bezogen. Ein Surflehrer gibt einer Familie erste Instruktionen. Immer locker in den Knien bleiben, optimale Position auf dem Brett finden, die Arme zum Balancehalten einsetzen, die Spitze des Boards nicht ins Wasser eintauchen lassen – wenn das nur alles so einfach wäre wie es die drahtigen Burschen mit ihren sonnengebleichten Haaren aussehen lassen. Eine mit einem frischen Blütenkranz, dem Lei, verzierte Bronzestatue erinnert an Duke Kahanamoku, den Erfinder des modernen Wellenreitens. Duke war ein Idol, schwamm bei den Olympischen Spielen 1912 Weltrekord und brachte Queen Mum den Hula bei. Das Strand-Stadtviertel Waikiki, Dukes Wirkungsstätte, war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Sumpfland, das erst durch den Bau des Ala Wai-Kanals trockengelegt werden konnte. Der Tourismus setzte 1901 mit der Eröffnung des Moana Hotels ein, dem heutigen Sheraton Moana Surfrider, und nahm in den 1920er-Jahren raketenartig Fahrt auf, als das rosafarbene Royal Hawaiian Hotel in den Sand von Waikiki gesetzt wurde. Im Pink Palace gaben sich Hollywoodgrößen und Staatspräsidenten die Klinke in die Hand, Rockstars feierten wilde Partys. Elvis Presley wohnte hier während des Drehs zu dem Schmachtfetzen „Blue Hawaii" aus dem Jahr 1961. Eingerahmt von modernen Hotelriesen wirkt das Royal Hawaiian heute wie eine niedliche Sandburg – was seinem Glamour aber keinen Abbruch tut. Noch immer steigen hier die Celebritys ab, schwelgen in Nostalgie und lassen sich die Illusion nicht nehmen, dass Liz Taylor und Richard Burton jeden Moment durch die Drehtür kommen. Viele Strandbars laden zum Snacken (am besten Pupus, wie die unverschämt guten Vorspeisen heißen) und Mai-Tai-Schlürfen ein. Dabei kann man das bunte Treiben wunderbar beobachten. Hinter den Strandhotels, parallel zum Waikiki-Strand, verläuft die Kalakaua Avenue mit ihren vielen Shops und Boutiquen von edel bis trashig, Bars und Restaurants. Da man von diesen Aloha-Shirts und -Kleidern nie genug haben kann, ebbt der Reiz des Shoppens so schnell nicht ab – und flutet in den Edel-Shoppingzentren wie der Ala Moana Mall, einst die größte ihrer Art in den USA, vollends über. Was für Rio der Zuckerhut ist, ist für Honolulu sein Diamond Head: ein erloschener Vulkan, der am östlichen Ende Waikikis in den Himmel ragt und durchaus das Zeug zu einem Wahrzeichen hat. Man kann zu Fuß vom Strand zum Eingang des Parks wandern. Die Landschaft um den erloschenen Krater erinnert ein wenig an die Savanne Afrikas. Auf einem schmalen Pfad, teilweise auf steilen Treppen, geht es hinauf zum 232 Meter hohen Gipfel. Festes Schuhwerk ist dringend zu empfehlen, wenngleich man sonst mit Flipflops unterwegs ist. Lohn der Mühe ist ein fantastischer Blick auf Waikiki, auf Honolulu und seine noblen Randbezirke, die an den grünen Berghängen hochkriechen. Der echte Magnum-Kenner hat spätestens dort oben sein Déjà-vu, erinnert sich an wilde Helikopter-Verfolgungsjagden. Auf den Stadtavenues käme jedoch selbst der verwegenste Ferrarifahrer nicht auf die Idee, sein Geschoss über die erlaubte Höchstgeschwindigkeit hinaus zu beschleunigen. Dieses Privileg hatte nur einer: Privatdetektiv Thomas Magnum.

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