Der Liebling auf der Piste: Erwachsene müssen zweimal hinschauen. Kinder kennen ihn bereits. „Il Cavaliere" schafft es, jedem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. - © Manuel Kottersteger
Der Liebling auf der Piste: Erwachsene müssen zweimal hinschauen. Kinder kennen ihn bereits. „Il Cavaliere" schafft es, jedem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. | © Manuel Kottersteger

Italien Mit Ski, Charme und Zylinder

In der Ski- und Almenregion Gitschberg Jochtal erwartet Schneebegeisterte ein wahres Winterglück. Einzigartiger Flair, Vielseitigkeit und Sonnenschein – dafür ist die Bergregion bekannt

Roland Jung

Es mutet schon ein wenig kurios an, wenn man das erst Mal „Il Cavaliere" auf der Skipiste trifft, den Mann im Frack und Zylinder. Er steht jedem Ratsuchenden mit seinem Charme zur Verfügung. Sei es, dass man sich nach dem nächsten Einkehrschwung erkundigen möchte, oder die Orientierung verloren hat. Er kennt die Berge wie seine eigene Fracktasche und ist im Skigebiet Gitschberg Jochtal unterwegs. Obwohl, die Orientierung in diesem familienfreundlichen Skigebiet zu verlieren, ist so gut wie unmöglich. Der Cavaliere selbst genießt vor allem die Zeit mit den kleinen Gästen. Ein schüchternes Kinderlächeln ist am Ende Lohn genug. Das zeigt er immer und überall und ist besonders bei den kleinen Skifans der große Star. „Es ist schön, wenn man den Kindern eine Freude machen kann und dann in ein strahlendes Gesicht blicken darf", so seine Worte. Hier im Skigebiet gibt es weder Massentrubel noch Partytourismus, dafür ehrliche Gastfreundschaft und ganz viel Lebensfreude. Klasse statt Masse, heißt die Devise. Ein oft zitierter Leitsatz, den viele Skigebiete für sich beanspruchen, aber nur wenige so konsequent verfolgen wie die Ski- & Almenregion Gitschberg Jochtal. Das Skigebiet liegt 35 Kilometer südlich des Brenners nahe Brixen, am Schnittpunkt von Eissack- und Pustertal. Der Name geht auf gut 30 Almen rund um den 2.510 Meter hohen Gitschberg zurück, von denen auch im Winter viele bewirtschaftet sind. Die ganze Familie tummelt sich auf 51 Kilometern bestens präparierten Pisten in allen Schwierigkeitsgraden. Viel Abwechslung ist garantiert und immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Die breiten, sonnigen Abfahrtsstrecken begeistern neben Skineulingen auch Widereinsteiger und Genussfahrer. Natürlich lockt die Almenregion neben sportlichen Erlebnissen mit einer Vielzahl uriger Hütten zur entspannten Einkehr mit herrlichem Bergblick. Unkompliziert und herzlich geht es dabei zu. Von Hektik keine Spur. Ein Skipass Tagesticket „Kombiskipass Eisacktal – Superski" kostet in der Saison nur 41 Euro und gilt für die drei Skigebiete in der Umgebung. (Jochtal, Gitschberg und Plose). Auch abseits der Pisten bietet Gitschberg Jochtal vielfältige Möglichkeiten für Aktivitäten jeglicher Art. Sei es auf der 15 Kilometer langen Loipe auf der Rodenecker-Lüsner Alm oder einer Schneeschuhtour durch die verschneite Landschaft. An Schnee mangelt es der Region sowieso nicht. Als „Schneeloch" bekannt, gab es allein in dieser Saison bereits an die zwei Meter der weißen Pracht. Das sollte schon ein Weilchen reichen. Nicht zu vergessen sind natürlich die kulinarischen Köstlichkeiten, die in den Almen und Hütten kredenzt werden. Ob Knödelspezialitäten, Kaiserschmarrn oder andere Schmankerln, Südtirol vereint das Beste aus verschiedenen Welten an einem Fleck und auf einem Teller. Genießen strengstens erwünscht. Besonderer Tipp: Wie wäre es mit einer romantischen Kutschfahrt durch das Altfasstal zur Grossberghütte? Beim knisternden Feuer im Kaminofen wird hier ein überaus schmackhaftes Fondue angeboten. Wie bereits erwähnt, ermöglicht der Skipass Eisacktal doppelten Skispaß. Also, auf geht es zur Plose. Oberhalb von Brixen, der mittelalterliche Kultur- und Kongress-Stadt, liegt das gleichnamige Skigebiet. Von St. Andrä aus gelangen die Skienthusiasten mit der Plose-Gondel ins Skigebiet. Rund 4o Pistenkilometer warten auf Familien und Genuss-Skifahrer. Auf 2.500 Meter Höhe genießt man einen Rundumblick der besonderen Art. Geislerspitzen und Peitlerkofel im Naturpark Puez-Gletscher springen einen förmlich an, eine erholsame Erfahrung für Körper und Geist. Die breiten Pisten des Skigebiets sind besonders bei Carvern beliebt. Unterschiedliche Schwierigkeitsgrade machen das Skifahren sowohl für Anfänger als auch für Profis zum Highlight. Die legendäre Abfahrt Trametsch gilt dabei als absolutes Muss für jeden Liebhaber des Skifahrens. Mit dem Start bei der Plosehütte auf 2.446 Meter führt diese einzigartige Abfahrt auf wunderschönen Pisten bis zur Talstation der Kabinenbahn auf 1.067 Höhenmetern. Insgesamt 1.400 Meter Höhenunterschied und neun Kilometer pure Abfahrt kennzeichnen diesen besonderen Skigenuss. Übrigens eine der längsten Skipisten Südtirols. Aber nicht genug der Rekorde. Glitzernder Schnee und zahlreiche Liftanlagen bedeuten allerdings nicht zwingend, dass man sich nur aufs Skifahren beschränken muss. Gerade hier auf der Plose kommen auch diejenigen zum Zug, die einen klassischen Rodel den zwei gewachsten Brettern vorziehen. „Rudi Run" heißt die Rodelbahn, die es auf sage und schreibe 10,5 Kilometer Länge in sich hat. Da ist Durchhaltevermögen angesagt. Los geht es an der Bergstation der Kabinenbahn. Die Strecke ist zwar als „technisch einfach" ausgeschrieben, jedoch sollte man schon über eine gewisse Portion Kondition sowie Erfahrung in Sachen Rodeln verfügen. Dann kann man den Rausch in vollen Zügen genießen, und nachdem man zwei knifflige Passagen am Ende der Bahn überwunden hat, wartet der verdiente Einkehrschwung auf die Rodler. Am Freitag gibt es dann das beliebte Nachtrodeln für Groß und Klein – mit Stirnlampen, da die Strecke nicht beleuchtet ist. Ein Wintermärchen wird wahr in der Skiregion Gitschberg Jochtal, wo man Après-Ski-Partys vergeblich sucht. Hier gehen früh die Lichter aus und man freut sich auf einen neuen unvergesslichen Tag in atemberaubender Natur.

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