Nordzypern Der unbekannte Norden

Blauer Himmel, wunderschöne Landschaften, angenehme Temperaturen: Auch im Winter ist Zypern eine Reise wert. Und zwar nicht nur der Süden der Mittelmeerinsel

Dirk Kröger

Wer an die Insel im Mittelmeer denkt, der meint deren Südteil, denn im Norden der Insel ist alles ein wenig anders. Das Land ist geteilt – und das in nahezu jeder Hinsicht. Trotzdem oder gerade deswegen ist ein Besuch in der türkischen Republik Nordzypern lohnenswert. Die Republik Zypern ist international anerkannt und Mitglied der EU. Mit dem nördlichen Drittel der Insel allerdings hat sie nichts am Hut, hier gibt es eine eigene Regierung. Nordzypern, das nur von der Türkei als eigenständiger Staat anerkannt ist, bekommt entsprechend kaum EU-Zuschüsse, direkte Flüge von Deutschland aus gibt es nicht – lediglich Anreisen mit Zwischenstopp auf einem türkischen Flughafen sind möglich – oder eben der Landweg vom Süden der Insel aus, wobei es an der Demarkationslinie ohne Ausweispapiere kein Weiterkommen gibt. Die Nord-Zyprioten suchen ein wenig nach ihrer eigenen Identität. Das Handy heißt den Besucher in der Türkei willkommen, gängige Währung ist die türkische Lira. Aber auch der Euro ist willkommen. Und das britische Pfund, das ebenso ein Überbleibsel der einstigen britischen Kolonialherrschaft ist wie der Linksverkehr oder die dreipolige Steckdose, die dem mitteleuropäischen Besucher das Mitbringen von Adaptern abverlangt. Der Tourismus in Nordzypern ist noch ein zartes Pflänzchen. Aber das wächst. Eine der Maßnahmen, um ausländische Besucher anzulocken: In vielen Hotels gibt es Casinos. Einheimischen ist der Eintritt verwehrt, aber viele türkische Touristen, die mit der Fähre von Mersin aus die Insel der Aphrodite erreichen können, lieben das Glücksspiel und kommen nicht nur des guten Wetters wegen auf die Mittelmeerinsel respektive deren nördlichen Teil. Nordzypern aber hat noch viel mehr zu bieten. Viele Touristen lernen nur die Hauptstadt Nikosia kennen, denn hier geht es vergleichsweise schnell und unproblematisch von der Flaniermeile im griechischen in den türkischen Teil der Stadt. Der Kontrast könnte nicht größer sein. In engen Gassen gibt es Basar-ähnliche Verkaufsstände, Moscheen lösen die Kirchen aus dem Süden ab, eine Karawanserei sorgt für orientalisches Flair. Und die Preise sind niedriger, die Tasse Kaffee gibt es schon für einen Euro, Tabakwaren und Alkoholika sind beliebte Güter. Aber dazwischen gibt es immer wieder die mit Stacheldraht gesicherte Mauer zu sehen, die eindringlich deutlich macht, dass es auch in Europa noch eine geteilte Hauptstadt gibt. Natürlich ist Nordzypern vom Islam geprägt. Aber auch christliche Stätten sind hier erhalten geblieben – wie zum Beispiel das St. Andreas Kloster, einer der berühmtesten Wallfahrtsorte der gesamten Insel. Auch wer es nicht so mit religiösen Bauten hat, sollte dennoch das Kloster auf der Halbinsel Kapras besuchen, denn in dessen unmittelbarer Nachbarschaft leben angeblich 500 bis 800 Esel in der freien Natur. Und die warten nur darauf, von Touristen mit Möhren gefüttert zu werden – als Dank stellten sie sich gern für ein Erinnerungsfoto zur Verfügung. Auch die Sakralbauten im muslimischen Teil der Insel sind sehenswert. Die Selimiye-Moschee in Nikosia, ein Meisterwerk der Gotik, ist ebenso einen Besuch wert wie die beeindruckende Kirche Agios Afksentios in Büyükkonok, das Kloster St. Barnabas nahe der antiken und erstaunlich gut erhaltenen Stadt Salamis mit den Ruinen des Gymnasiums, des Forums und einer Therme oder die prunkvolle Kathedrale St. Nikolaus, die von den Osmanen in die heutige Lala Mustafa Pascha-Moschee umbenannt wurde. Schließlich sollte im Besuchsprogramm auch das Kloster Bellapais im gleichnamigen wunderschönen Dörfchen nicht fehlen – auf dem Weg nach Kyerenia ist ein Abstecher in das Bergdorf eigentlich ein „Muss". Und Kyrenia: Das ist ein Traum von Mittelmeer. Weiße Boote schaukeln in türkisfarbigem Wasser, in den Cafés gibt es türkischen Kaffee und Baklava, in den Restaurant türkisches Bier und Döner- wie Köfte-Spezialitäten. Ein kurzer Spaziergang entlang der Hafenpromenade endet an der mächtigen Festungsanlage mit ihren 21 Meter hohen Mauern. Natürlich hat Nordzypern nicht nur Kultur, sondern auch Strände mit dazu gehörenden Hotels anzubieten. Und selbst im Sand der Insel gibt es Sehenswertes: An der „Golden Beach" nämlich legen regelmäßig im Mai die Meeresschildkröten ihre Eier ab. Die scheinen sich für die Teilung der Insel nur wenig zu interessieren. Aber im Meer müssen sie ja auch keine Demarkationslinie überschreiten. Pauschal-Rundreisen nach und durch Nordzypern bietet unter anderem der Veranstalter Reise-Service Deutschland an. Infos unter rsd-reisen.de

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