Atemberaubend: Vom Ölberg aus können Touristen einen wunderschönen Ausblick über die Altstadt von Jerusalem und das in der Sonne golden glänzende Dach des Felsendoms genießen. - © Tobias Schreiner
Atemberaubend: Vom Ölberg aus können Touristen einen wunderschönen Ausblick über die Altstadt von Jerusalem und das in der Sonne golden glänzende Dach des Felsendoms genießen. | © Tobias Schreiner

Naher Osten Auf den Spuren Jesu

Eine Reise nach Israel und Palästina lohnt sich immer, aber für christliche Pilger und Bibel-Interessierte hat das Land besonders viel zu bieten

Tobias Schreiner

Wo wurde Jesus eigentlich nochmal geboren? Richtig, in Bethlehem. Und wo lief er übers Wasser? Genau, auf dem See Genezareth. Und wo starb er? Auf dem Hügel Golgatha in Jerusalem. All diese biblischen Orte gibt es noch heute, Tausende christliche Pilgern besuchen die Stätten in Israel und Palästina. Während im modernen und liberalen Tel Aviv gefeiert und am Strand gesurft wird, ist das Land zwischen den Golan-Höhen im Norden und dem Roten Meer im Süden im wahrsten Sinne des Wortes „das gelobte Land" für Gläubige und Touristen, die sich für die biblischen Orte interessieren. Auch wenn derzeit die politische Lage wieder angespannt ist, sollten Sie sich davon nicht abschrecken lassen. Israel und Palästina sind normalerweise sichere Reiseziele. Jerusalem Die Hauptstadt der drei Weltreligionen, der heiligste Ort für Juden und Christen und der drittheiligste Ort für Muslime quillt über vor biblischen und historischen Bauwerken. Eigentlich könnte sich dieser Artikel auch nur Jerusalem widmen. Deshalb wird hier nur in Kürze auf die vielen Sehenswürdigkeiten eingegangen. Besucher sollten sich genug Zeit nehmen, um die Stadt zu erkunden, denn gerade an den Wochenenden ist die Stadt gerammelt voll. Wer nicht den weltberühmten, 65 Kilometer langen Pilgerweg „Jesus Trail" laufen will, sondern die Region lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder einem Mietwagen erkunden will, für den ist Jerusalem ein geeigneter Ort, um eine biblische Reise zu beginnen. Hier, an den heiligen Orten der Muslime und Juden (Al-Aqsa-Moschee und Klagemauer) befinden sich wichtige Schauplätze des Neuen Testaments. Grabeskirche und Via Dolorosa Bei einem Gang über die Via Dolorosa (lateinisch für „Leidensweg") in der Jerusalemer Altstadt können Reisende die letzten Schritte Christi auf der Prozession von den wahrscheinlichen Amtssitzen Pontius Pilatus’ bis zur Grabeskirche verfolgen. Hier befindet sich vermeintlich der Hügel Golgatha, auf dem Jesus gekreuzigt worden sein soll, sowie das Grab Jesu. Die Grabeskirche ist der heiligste Ort für das Christentum. In ihren Mauern haben sich sechs christliche Konfessionen eigene Kirchen gebaut: Die Armenische Apostolische, die Äthiopisch-Orthodoxe, die Griechisch- Orthodoxe, die Koptische, die Römisch-Katholische und die Syrisch-Orthodoxe Kirche. Weil sich die unterschiedlichen Kirchen nicht einigen konnten, wer den Vorsitz über die Grabeskirche hat, wird der Schlüssel zur Kirche seit Jahrhunderten von Muslimen aufbewahrt. Zionsberg Außerhalb der Jerusalemer Altstadtmauern befindet sich zudem der Zionsberg, auf dem Jesus gemeinsam mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl gefeiert haben soll. Hier haben Franziskaner den prächtigen „Abendmahlssaal" gebaut. Abseits der christlichen Tradition gibt es hier das von den Juden vererbte Davidsgrab und den katholischen Friedhof, auf dem Oskar Schindler begraben liegt. Ölberg Nahe dem Zionsberg liegt der Ölberg mit dem Garten Gethsemane. Hierhin soll Jesus sich zum Gebet zurückgezogen haben, bevor er mit einem Kuss von Judas an die römischen Soldaten verraten wurde. Hier befinden sich zahlreiche Kirchen wie die Todesangstbasilika, die Kirche aller Nationen und die Himmelfahrtskirche. Im Garten Gethsemane lassen sich bunte Blumen und jahrhundertealte Olivenbäume bestaunen. Außerdem gibt es hier einen großen jüdischen Friedhof und einen wunderschönen Ausblick über die Altstadt Jerusalems. Bethlehem Von Jerusalem aus ist es nur eine 20-minütige Busfahrt in die West-Bank-Stadt Bethlehem. Die Stadt steht unter Kontrolle der palästinensischen Autonomiebehörde, deshalb kann es sein, dass Besucher je nach Busroute Kontrollpunkte des israelischen Militärs passieren müssen. Keine Sorge, wenn Sie ihren Reisepass dabeihaben und sagen, dass Sie die christlichen Pilgerorte besichtigen wollen, sollten Sie, anders als die palästinensische Bevölkerung, keinerlei Probleme bei der Weiterreise haben. Informieren Sie sich zuvor auf der Webseite der deutschen Botschaft in Tel Aviv über die aktuelle Sicherheitslage. Lassen Sie sich von diesen Tatsachen nicht ablenken. Bethlehem ist ein pulsierendes Städtchen, in dem muslimische und christliche Araber die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Hier, über dem mutmaßlichen Geburtsort Jesu, steht die Geburtskirche – eine der ältesten Kirchen der Welt. In ihrem Inneren können Gläubige gebückt in die Demutsgrotte hinabsteigen, in der ein 14-strahliger Silberstern die Geburtsstelle des Heilands markiert. Am Weihnachtsabend endet hier eine Weihnachtsprozession aus Jerusalem. Außerdem befindet sich in Bethlehem das Grab der Rahel, Ehefrau des Propheten Jakobs. Nazareth Das Highlight Nazareths ist die katholische Verkündigungsbasilika. Hier in der Verkündigungsgrotte soll laut Bibel Maria der Erzengel Gabriel erschienen sein, um ihr mitzuteilen, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen wird. Die Basilika ist die größte Kirche im Nahen Osten und aufgrund seiner ungewöhnlich modernen Beton-Architektur eine Reise wert. Die vielen Mosaike in der Kirche zeigen, wie sich Menschen aus aller Welt Jesus und Maria vorstellen – mal weiß und europäisch, mal asiatisch, mal afrikanisch. Tiberias Die Stadt am See Genezareth ist bei weitem nicht das schönste Reiseziel in Israel. Allerdings gibt es hier viele gute Hotels, von denen sich gut Tagestrips organisieren lassen. Touristen können mit einem historischen Boot über den See Genezareth schippern, wo Jesus laut Bibel mit seinen Worten dem Sturm Einhalt gebot und über das Wasser lief. Am Südende des Sees schwimmen Israelis in den Wassern des heiligen Flusses Jordan, viele amerikanische oder asiatische Christen lassen sich hier erneut taufen. Am Nordufer des Sees befindet sich das Fischerdörfchen Kapernaum (andere Schreibweise: Kafarnaum). Hier wohnte laut Bibel Jesus für einige Zeit, Apostel wie Jakobus, Matthäus und Johannes sollen hier geboren worden sein. Zwischen Kafarnaum und Tiberias liegt Tabgha, laut Bibel fand hier die Brotvermehrung statt, bei der Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen 5.000 Menschen satt machte.

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