Blick auf Zauchensee: Das kleine Weltcup-Örtchen ist umgeben von einer optimalen Skipistenlandschaft. Eine einzige Straße führt in den Ort. - © Altenmarkt-Zauchensee Tourismus/Hans Huber Photo
Blick auf Zauchensee: Das kleine Weltcup-Örtchen ist umgeben von einer optimalen Skipistenlandschaft. Eine einzige Straße führt in den Ort. | © Altenmarkt-Zauchensee Tourismus/Hans Huber Photo

Österreich Doppelter Hochgenuss

Pistenglück mit kulinarischen Aussichten – mit Weltmeister Michael Walchhofer geht es in Zauchensee auf den höchsten Bauernmarkt der Alpen

Wir lassen den Ortskern der Gemeinde Altenmarkt im Pongau hinter uns und folgen einer sich um Berge schlängelnden Straße. „Ich hatte mal ein paar junge Franzosen an Bord, die dachten, ich würde sie entführen", erzählt uns unsere Taxifahrerin Monika Schober lachend. Schließlich sind es noch etwa zehn Kilometer, bis wir unser Reiseziel Zauchensee, das zur Gemeinde gehört, erreichen werden. Und solange umgibt uns nichts als Wald und Berge. Tatsächlich fahren wir tiefer und tiefer in die Bergwelt, bis sich ein Talkessel öffnet, in dem uns das kleine Weltcup-Örtchen Zauchensee auf 1.350 Meter Höhe begrüßt. Es ist dunkel geworden, aber anhand der kriechenden Pistenraupen, die sich langsam die Abhänge auf- und abarbeiten, ist zu erahnen, dass in Zauchensee Wohnen, Genießen und Wintersport unmittelbar beieinander liegen. Und tatsächlich, am Morgen verrät der Blick aus dem Hotelzimmer: Das Pistenglück ist zum Greifen nah. Es ist nur ein Katzensprung bis auf die strahlend weißen, frisch aufbereiteten Abhänge. Aus dem Bett geht es kurz am Frühstücksbuffet vorbei und direkt mit der Gamskogelbahn hinauf auf den Berg. Von hier oben lässt sich Zauchensee hervorragend überblicken. Die Geschichte des einstigen Almdorfs begann offiziell im März 1964, als die Liftgesellschaft Zauchensee gegründet wurde. Peter Walchhofer, einer von sechs Almbauern und Großvater von Ski-Weltmeister Michael Walchhofer, erkannte als einer der Zauchensee-Skipioniere im Tourismus eine Chance für den Ort – und wollte nicht nur Kühe und Milch, sondern eben auch Skigäste auf den Berg hinaufbringen. Gesagt, getan. Der Tourismus ist gewachsen, und dennoch hat sich nicht viel an der umliegenden Landschaft verändert. Der einstige Almdorf-Charme ist noch spürbar. Schließlich ist Zauchensee kein Ort, der wächst und wächst. Ein paar Hotels mit insgesamt 1.000 Betten wurden errichtet, Skischulen und Gastronomie kamen dazu. Eine weitere Ausweitung lässt die kesselartige Topographie des Ortes aber sonst nicht zu. Und so bleibt Zauchensee ein gemütliches, exklusives Skiörtchen ohne Rummel. Und ein echter Geheimtipp für Wintersportfans, die auf anspruchsvolle Pisten direkt vor der Haustür setzen. Das Skigebiet Zauchensee-Flachauwinkel liegt mitten in der Salzburger Sportwelt und gehört damit zum Ski Amadé-Verbund. „G’scheit Skifahren" wird hier ganz groß geschrieben. Auf 65 Pistenkilometern mit 25 modernen Liftanlagen und bis zu 2.188 Höhenmetern kommen klassische Pistengenießer und Familien genauso auf ihre Kosten wie Funsportler und Freerider. Tiefschneeneulingen bieten sich beste Voraussetzung, hier und da kurz mal von der Piste auszuscheren und ein paar erste gefahrlose Pulverschwünge zu wagen. Der „Absolut Park" in Flachauwinkl gehört zu den größten Snowparks in Europa. Und im Trainingszentrum Kogelalm treffen sich Hobbyrennläufer und Nachwuchssportler auf abgesicherten Trainingsstrecken. „Zauchensee ist der Ort mit der höchsten Weltmeisterquote", erzählt Abfahrts-Weltmeister Michael Walchhofer beim gemeinsamen Abendessen in seinem Hotel Zauchensee Zentral grinsend, „bei knapp 50 Einwohnern ist das aber auch nicht schwer." Der Olympia-Medaillen-Gewinner und mehrfache Weltcup-Sieger ist in Zauchensee zu Hause. 2011 zog er sich aus dem aktiven Renngeschehen zurück. Mit seinem Bruder Rupert führt er nun drei Hotels. Und natürlich macht er noch immer „aus Spaß an der Freud" die Pisten unsicher. Manchmal auch mit seinen Hotelgästen. Beim „Skifahren mit dem Weltmeister" geht es gemeinsam mit Zauchensees bekanntestem Einwohner auf seine Lieblingspisten. Wer es schafft, sich an seine Fersen zu heften, darf sich auf eine rasante Fahrt quer durch das Skigebiet Zauchensee-Flachauwinkel freuen. Es gilt als das schneesicherste in der ganzen Salzburger Skiwelt. Und so lässt es sich bis Ostern entspannt oder rasant über die Pisten wedeln. Bevor die weiße Winterlandschaft aber blühenden Almwiesen weicht und Zauchensee zum Wanderparadies wird, lädt der Ort noch einmal zum ausgiebigen Hochgenuss im doppelten Sinne ein. Denn kurz vor Wintersaisonende wird zum großen Finale die Ski- und Weingenusswoche eingeläutet. Dann treffen Skivergnügen und regionale Schmankerl aufeinander. Und so lassen wir die Skicracks mit dem Weltmeister weiter ihre Spuren ziehen und widmen uns dem zweiten Hochgenuss. Der höchste Bauernmarkt der Alpen wartet entlang der Pisten auf uns. Nach dem Bauernmarkt-Drive-In-Prinzip legen wir also kulinarische Skistopps ein: Bretter abschnallen, die Panoramaausblicke genießen und traditionelle Spezialitäten aus Eigenproduktion probieren. Besonders schön: die heimischen Bauern und Produzenten sind selbst vor Ort und geben Auskunft zu ihren Produkten. Ziegenfrischkäsebällchen und andere Käsesorten dürfen wir zum Beispiel bei Selbsterzeugerin Rosi Unteregger probieren, die sich als einzige in Altenmarkt-Zauchensee auf Ziegenmilcherzeugnisse spezialisiert hat. Zur Verdauung gibt’s dann noch einen Brand von ihrem Vater Hans Rettenwender. Der Zirbenschnaps ist ein Schlager im Pongau. Auf der Burgstallhütte geht das Schlemmen mit Bauernspeck, Tafelspitzsulz, Schmalz und einem Topfen-Marillen-Dessert weiter. Ein paar kalorienverbrennende Pistenkilometer carven wir dann noch, um zur Krönung der Schlemmerrundfahrt Fladenkrapfen mit Süßkraut und Speck in der Rosskopfhütte zu kosten. Und weil wir von all den regionalen Spezialitäten nicht genug bekommen können, begeben wir uns am Abend auch noch auf einen kulinarischen Spaziergang. Diesmal aber im Altenmarkter Ortskern. Fünf Stationen stehen auf dem Plan. Angefangen beim ältesten Gasthof des Ortes, dem Markterwirt, in dessen 450 Jahre alter Gaststube wir Pongauer Wild-Spezialitäten mit biologischem Spezialbier von Stiegl kosten, geht es mit Schlutz- und Fleischkrapfen sowie Speckknödeln in der Dorfalm Krallinger weiter. Im Altenmarkter Heimatmuseum wird sich dann mit Kustodin Helga Sobota auf kulinarische Zeitreise durch die historische Rauchkuchl begeben und an außergewöhnlichen Kräuterweinen nach Hildegard von Bingen genippt. Mit Tafelspitz vom Hochlandrind im Genuss-Atelier von Benedikt Scheffers und „Himmelstochter" mit Himbeeren in der gemütlichen Holzhütte vom Hotel Schartner beschließen wir den Spaziergang. Der charismatische Hotelier und Musiker Bernd Schartner sorgt auf dem Akkordeon noch einmal für echte Hüttengaudi, bis wir satt und zufrieden ins Bett fallen. In Zauchensee gibt es nicht die Qual der Wahl: Herrliches Skifahren auf traumhaften und niemals überfüllten Pisten treffen hier auf regional-kulinarische Geschmackserlebnisse. G’scheit Skifahren und g’scheit essen – hier geht beides gleichermaßen hervorragend.

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