Cottbus an der Spree ist die größte Stadt der Niederlausitz und blickt auf eine Geschichte von mehr als 800 Jahren zurück. - © Joern Spreen-Ledebur
Cottbus an der Spree ist die größte Stadt der Niederlausitz und blickt auf eine Geschichte von mehr als 800 Jahren zurück. | © Joern Spreen-Ledebur

Deutschland Auf Fürst Pücklers Spuren

Cottbus gilt als Metropole der Niederlausitz. Der FC Energie ist bekannt, der Postkutscher auch. Die quirlige Stadt überrascht mit viel Wasser und Grün.

Joern Spreen-Ledebur

An was denken Menschen, wenn sie den Namen Cottbus hören? Wahrscheinlich an Energie, den örtlichen Fußballverein. Manchen mag vielleicht noch der Zungenbrecher einfallen vom Cottbuser Postkuscher, der den Cottbuser Postkutschkasten putzt. Ansonsten aber ist die nach Potsdam zweitgrößte Stadt des Bundeslandes Brandenburg mit ihren knapp 100.000 Einwohnern weithin eher unbekannt. Zu unrecht. Cottbus hat, obwohl im Krieg schwer zerstört, viel zu bieten – Historisches und Modernes. Eine lebendige Stadt, in der das Grün schnell erreicht ist und die Spree behäbig gen Norden fließt. Und der Cottbuser Postkutscher, der hat es längst zum Stadt-Original geschafft. Cottbus ist eine besondere Stadt. Am Altmarkt etwa mit seinen schönen historischen Fassaden lädt das Brandenburgische Apothekermuseum zum Besuch ein. Untergebracht ist es in der rund 400 Jahre alten Löwenapotheke. Nahe des Museums erzählen die Platten des Brunnens von der Stadtgeschichte. Die beginnt spätestens irgendwann im 8. Jahrhundert, als der slawische Stamm der Lusitzi nahe der Spree einen Burgwall anlegte. In deren Schutz errichteten die Wenden eine kleine Siedlung, aus der sich die Stadt entwickelte. Im November 1156 wurde Cottbus dann erstmals urkundlich erwähnt. Westlich des Schlossbergs, der Keimzelle der Stadt an der Spree, ist Architektur verschiedener Jahrhunderte zu entdecken. Am Spreeufer sorgte der vom Fluss abzweigende Mühlengraben dafür, dass das Elektrizitätswerk aus Kaisers Zeiten Strom liefern konnte. Das alte E-Werk ist heute saniert, so wie auch viele andere Gebäude. Nur wenige Schritte von hier und man fühlt sich an eine Gracht versetzt oder in eine kleine Siedlung im Spreewald. Eng schmiegen sich die kleinen Häuer an den Wasserlauf, große Bäume spenden Schatten. Eine Natur-Idylle inmitten der Stadt. Deren geistliches Zentrum ist die Oberkirche St. Nikolai, ein schönes Gotteshaus im Stil der Backsteingotik mit Sternengewölbe. Der Bau aus dem 14. Jahrhundert zählt zu den größten Gotteshäusern der Niederlausitz und ist einen Besuch wert. Vom rund 55 Meter hohen Turm von St. Nikolai hat man einen schönen Blick über Stadt und Land. Geschützt wurde die Siedlung um St. Nikolai durch eine Stadtmauer, von der Teile bis heute erhalten sind – inklusive des Spremberger Turms, einem Wahrzeichen der Stadt Cottbus. Am Altmarkt lässt es sich prima verweilen, überall kann man einkehren und das bunte Treiben in der Stadt an der Spree beobachten. An der Spremberger Straße, einer Haupteinkaufsstraße von Cottbus, steht die einstige Schlosskirche. Das 1419 als Katharinenkirche errichtete Gotteshaus wurde Anfang des 18. Jahrhunderts nach der Zerstörung in schlichterer Form für die neu nach Cottbus gekommenen Hugenotten neu errichtet und wurde vor einigen Jahren an die Ende der 1990er Jahre wiedergegründete jüdische Gemeinde übergeben. Sie richtete hier eine Synagoge ein. Eine solche Übergabe gab es vor Jahren auch in Bielefeld. Cottbus ist wegen des Staatstheaters bekannt, das mit interessanten Inszenierungen für Aufmerksamkeit sorgt. Das Staatstheater an der Karl-Liebknecht-Straße gilt als einziges komplett im Jugendstil erhaltenes Theater Deutschlands. Die Stadt ist zweisprachig – auch eine Besonderheit der kleinen Großstadt an der Spree. Die Ortstafeln der Uni-Stadt sind zweisprachig, neben Cottbus wird auch der niedersorbische Name Chósebuz genannt. Cottbus gilt als das Zentrum der Sorben in der Niederlausitz. Die Stadt Cottbus ist ein Zentrum von Verwaltung und Wissenschaft, herausragendes architektonisches Highlight der Moderne ist die Uni-Bibliothek an der Karl-Marx-Straße/Nordstraße. Die Stadt ist ein Olypmia-Stützpunkt für verschiedene Sportarten, darunter das Radfahren. Cottbus ist aber auch eine gute Adresse für alle Fans von Gartenanlagen. Die erreichen aus dem Stadtzentrum bequem mit einer als „Pückler-Linie" gekennzeichneten Buslinie Schloss und Park im Stadttteil Branitz. Es gibt auch gebührenpflichtige Parkplätze. Der Eintritt im Park ist frei. Branitz war seit Ende des 17. Jahrhunderts im Besitz der Fürsten Pückler. Mittelpunkt des Parks ist das um 1770 gebaute Schloss, in der Seepyramide sind Fürst Hermann von Pückler-Muskau und seine Lebensgefährtin Lucie beigesetzt. Die künstlich geschaffene Landschaft weist Gewässer auf, die unter anderem durch die Spree gespeist werden. Und wer im rund 600 Hektar großen Park genau hinschaut, der wird Gedenkplatten mit sehr liebevollen Aussagen des Fürsten für Mitgeschöpfe finden. Eine schönere Liebeserklärung kann man kaum formulieren. Sie gelten seinem Hund und seiner Araberstute. Was Pücklers Lebensgefährtin wohl dazu gesagt hat?

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