Improvisiertes Denkmal: Hier sind John Lennons Gedanken zum Frieden verewigt. Foto: Dirk Kröger - © Dirk Kröger
Improvisiertes Denkmal: Hier sind John Lennons Gedanken zum Frieden verewigt. Foto: Dirk Kröger | © Dirk Kröger

Tschechien „Give Peace a Chance“

Wie aus einer einfachen Mauer ein Denkmal für den Frieden wurde – und eins für John Lennon

Dirk Kröger

Am 8. Dezember 1980 wurde John Lennon ermordet. Der ehemalige Beatle hatte viele Anhänger – auch, weil er nicht nur Musiker, sondern zudem Friedens-Aktivist war. Kurz nach seinem Tod verwandelte ein Unbekannter in der damaligen sozialistischen Tschechoslowakei die Steintafel unter dem Wasserhahn an der Mauer zum Malteser Garten in Prag in ein improvisiertes Denkmal mit der Abbildung des Sängers. Kerzen wurden aufgestellt, Zitate aus den Liedern von John Lennon kamen hinzu. „Give peace a chance" war da zu lesen. Der ehemalige Pilzkopf war ein Held der Jugend im deutschen Nachbarstaat, in dem während des Kommunismus westliche Musik verboten war. Insbesondere die Botschaften Lennons wurden von den Machthabern als Bedrohung angesehen. Die Jugend hörte diese Musik trotz aller Verbote. In Prag wuchs die Zahl der Zitate und Kritzeleien an der Mauer, sie wurden ergänzt um eigene Träume und Parolen, die das totalitäre Regime verurteilten. So ging das immer weiter, auch nachdem die Obrigkeit die Mauer überstreichen ließ. Die John-Lennon-Wand auf der Prager Kleinseite gibt es heute noch. Aus der Altstadt kommend geht es über die Karlsbrücke, dann in die erste Straße (Lazenska) links hinein, an der Malteserkirche vorbei und erneut links auf den Platz Velkoprevorske namesti. Nach 100 Metern ist die gegenüber der französischen Botschaft zu findende Mauer erreicht. 1988 übrigens führte die Wand zu einem Konflikt zwischen jungen Tschechen und der kommunistischen Regierung Gustav Husaks. Jugendliche hatten die Mauer einmal mehr mit Beschwerden über die Regierung beschrieben. Die Bewegung dieser Studenten wurde in der Folge als „Lennonismus" bezeichnet. Die Regierung sprach von Geisteskranken und westlichen Agenten. Die Wand wird immer noch ständig neu bemalt und das originale Porträt John Lennons ist längst unter Schichten neuer Farbe verschwunden. Sie steht nach wie vor für die Ideale der Jugend wie Liebe und Frieden. Die Wand gehört dem Malteserorden, der die Graffiti inzwischen erlaubt hat. Ein Besuch also lohnt sich. Denn die Wand ist nicht nur ein Denkmal für den Ex-Beatle, seine Haltung und seine Friedensbotschaften. Sie ist vielmehr auch heute noch ein Mahnmal der freien Meinungsäußerung. An der Mauer gibt es unbeholfene Kritzeleien und wahre Kunstwerke, die allerdings erst einmal entdeckt werden müssen. Und: Ein Porträt John Lennons ist eigentlich immer an der Mauer zu sehen. Nicht mehr das Original, versteht sich, aber der Namensgeber der Wand hat irgendwie überlebt. Und wenn sein Bildnis übersprüht werden sollte, dann ist ziemlich sicher, dass es zwei Tage später wieder da ist. Und natürlich gehört auch ein junger Mann mit seiner Gitarre dazu, der praktisch immer vor der Wand anzutreffen ist. „Imagine" ist dann zu hören. Oder „Give peace a chance". John Lennon also hat in Prag überlebt.

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