Am Ende des Sommers: Einer der beeindruckendsten Alpabtriebe (Viehscheide) in der Alpenregion findet Mitte September in Riezlern im Kleinwalsertal statt. - © Kleinwalsertal Tourismus
Am Ende des Sommers: Einer der beeindruckendsten Alpabtriebe (Viehscheide) in der Alpenregion findet Mitte September in Riezlern im Kleinwalsertal statt. | © Kleinwalsertal Tourismus

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Wer einmal im Kleinwalsertal Urlaub gemacht hat, kehrt gerne wieder zurück. Die Gründe sind vielfältig. Das Hochtal bietet großes Naturkino und viele charmante Eigenheiten

Doris Schober

Das rund 12 Kilometer lange Tal gehört zum österreichischen Vorarlberg. Auf der Landkarte ist das eindeutig zu sehen. Würde man hinter Baad, dem letzten Weiler des Kleinwalsertals, einfach geradeaus weitergehen, an der Bärgunthütte vorbei über den Widderstein, man käme nach ein paar Stunden in Warth-Schröcken in Vorarlberg an. Mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Tal nur von Deutschland aus zu erreichen. Das vorher unbewohnte Hochtal wurde vor mehr als 700 Jahren von armen Bauern aus dem Schweizer Kanton Wallis besiedelt. Sie kamen von Talschluss von der österreichischen Seite über den Hochalppass auf der Suche nach neuem Weideland. Die heutigen Kulturlandschaften sind das Ergebnis harter Arbeit dieser Walser Bauernfamilien. Sie haben den Grundstein für das Natur- und Kulturerbe der Walser gelegt: Architektur, Sprache und Tracht zeugen bis heute von der speziellen Geschichte des Kleinwalsertals. Ein schönes Beispiel für die Walser Baukunst steht in Bödmen. Fast 500 Jahre zählen die Blockhäuser mit den typisch holzverkleideten Wänden, die mit den Jahrhunderten immer dunkler wurden und fast wie verkohlt aussehen. Auch die Tracht ist etwas Besonderes und wird meist in der Familie weitervererbt. Die Kleider der Frauen sind hochgeschlossen und reich bestickt. Die „Juppa", eine Art schwarzer Trägerrock, reicht bis zu den Knöcheln und ist unterhalb der breiten Samtträger in mühsamer Handarbeit in etwa 1.000 ein bis zwei Millimeter breite Falten gelegt. Darüber wird eine bunte Seidenschürze getragen. Typisch ist auch die Korallenkette und der „Chrans" bzw. das „Krönele" als Kopfbedeckung der jungen Mädchen. Die Tracht der Männer ist schlichter und besteht nur aus einem weißen Hemd, schwarzen Kniebundhosen mit bestickten Hosenträgern, die typische Kopfbedeckung ist ein Dreispitz, bei jungen Männern eine weiße Zipfelmütze. Was die Sprache der Kleinwalsertaler betrifft, ist die Herkunft aus dem Wallis eindeutig zu erkennen: Neues heiß Nüüs, können wird zu chönna, loslassen heißt loosloo und Iisch ist das Eis. Vielleicht hat es mit ihrer Geschichte zu tun, dass die Bewohner des Kleinwalsertals gerne andere Wege gehen und sich dabei oft auf die Ressourcen der Natur zurückbesinnen. So trifft man im Kleinwalsertal immer wieder auf besondere Menschen, zum Beispiel auf Andi Haller. Vor vier Jahren hat er noch Kicker im Snowpark gebaut, heute legt er Mischkulturen an, entwickelt permakulturelle Gärten und gräbt die gängigen Vorstellungen um, wie ein nachhaltiges Leben auszusehen hat. Mit dem Ziel, bei der Ernährung nicht länger von großen Konzernen abhängig zu sein, hat er das Experiment Selbstversorgung gestartet. In seinem ständig wachsenden Permakultur-Waldgarten in Mittelberg kann man ihn für eine Führung oder einen Workshop treffen. Auf Kräuter spezialisiert hat sich Lydia Fritz. Die gelernte Bankkauffrau bringt altes Wissen aus der Natur zurück und vermittelt heute Gäste auf einem Kräuterspaziergang, welche Schätze die Natur zu bieten hat und wie wertvoll sie für die Küche, Körperpflege und Hausapotheke sein können. Auf einer Kräuterwanderung mit der Expertin erfährt man zum Beispiel, dass der Blutwurz ein Alleskönner ist: Er hilft bei Infektionen im Magen-Darmbereich, bei Durchfall und Sommergrippe. Äußerlich wirkt er desinfizierend und blutstillend. Wunder bewirkte früher auch der Wurmfarn, eine altbewährte Pflanze bei Rheuma und Gicht, die ausschließlich äußerlich angewendet wird. Viele Stallknechte hatten sich nach schwerer Arbeit den Farn unter die Matratze gelegt, um den Gelenk- und Rheumaschmerzen Paroli zu bieten. Der Schutz der Natur und eine artgerechte Weidehaltung für das Vieh sind für die Bewohner des Tals selbstverständlich. Durch die Artenvielfalt der Kräuter und Gräser genießen Tiere ein besonderes Futterangebot, der nachweislich zu einem höheren Anteil an Omega-3-Fettsäuren führt. Artgerechte Weidehaltung sorgen beim Walser Rind für höchste Fleischqualität, das der Region den Titel „Genussregion für Rind" verdankt. Auch Bauern aus dem Allgäu wissen die gute Qualität der Wiesen und Kräuter zu schätzen. Sie schicken alljährlich ihre Kühe ins Kleinwalsertal zur „Sommerfrische" auf die Alp. Am 19. September ist dann auch der „Urlaub" im Kleinwalsertal für sie zu Ende: Zusammen mit den heimischen Kühen werden die mit Blumen, Glocken und Schellen geschmückten Tiere – insgesamt rund 2.000 Stück Jungvieh, Kühe, Ziegen und Pferde – von den Alpen ins Tal getrieben, um dort ihren Eigentümern übergeben zu werden. Der Viehscheid wird mit einem Bauernmarkt, zünftiger Musik und einem geselligen Rahmenprogramm gefeiert. Weitere Informationen zur Region erhalten Sie im Internet unter www.kleinwalsertal.com

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