Sand, soweit das Auge reicht: Die Wanderdünen im Slowinzischen Nationalpark tragen den Beinamen „Polnische Sahara". - © Heidrun Lange
Sand, soweit das Auge reicht: Die Wanderdünen im Slowinzischen Nationalpark tragen den Beinamen „Polnische Sahara". | © Heidrun Lange

Polen Im Land der Kaschuben

Meterhohe Sanddünen, restaurierte Villen und moderne Kurhotels: An der mittelpommerschen Ostseeküste, der ehemaligen Heimat der Kaschuben, ist die alte Zeit an manchen Tagen wieder lebendig

Heidrun Lange

Eine Großmutter hat sich für ein Picknick in den Sand gesetzt. Der lose Sand lässt sich zu Fuß schwer bezwingen. Ihre Enkel sind schon ein Stück voraus und bewerfen einander mit Sand. Davon gibt es hier sehr viel. Am Horizont wehen Sandschleier im Wind und bilden bizarre Steilhänge und Abbrüche, sanfte Kuppen und Mulden. Es sind Wanderdünen im Slowinzischen Nationalpark, die bis zu 42 Meter hoch wachsen und jedes Jahr einige Meter landeinwärts „wandern". Polnische Sahara wird das Naturphänomen genannt, das sich zwischen Rowy im Westen und Leba im Osten erstreckt und 1977 von der UNESCO zum Welt-Biosphärenreservat ernannt wurde. Wanderwege entlang der Küste führen durch Wälder, wo sich die alten Bäume tief verneigen. Durch die Kiefern schimmern das Meer und der rote Leuchtturm der quirligen Hafenstadt Ustka. Am Waldrand hat sich ein Kurhotel etabliert, in dem mit einer eigenen Sole Atemwegserkrankungen und rheumatische Beschwerden behandelt werden. In der Altstadt rund um den Kapitänswinkel stehen stattliche Villen, historische Fachwerkhäuser und alte Fischerhütten. Im Hinterland geht es tiefer in die Geschichte hinein. Swołowo ist die Hauptstadt des karierten Landes. Stattliche Vierseitenhöfe erheben sich hinter der Pflasterstraße und gruppieren sich um die Dorfkirche. Entlang der Straße stehen Fachwerkhäuser, die mit schwarz geteerten Balken und weiß getünchter Gefachung kariert gemustert sind. Viele wurden bereits mit Fördergeldern der Europäischen Union und der Wojewodschaft Pommern restauriert. Es ist ein lebendiges Dorf geblieben. Die ehemaligen Eigentümer gaben ihre unrentablen Höfe auf, blieben im Heimatdorf, restaurieren die alten Gemäuer und führen die Besucher durch den Ort. Über das bäuerliche Leben der vertriebenen Leba-Kaschuben, gibt das Freilichtmuseum Kluki Auskunft. Auf einer Fläche von fünf Hektar stehen mit Stroh gedeckte Katen und der Gutshof des reichen Großbauern. In einem Heuschober sind Fischerboote aufgebockt, in einem anderen trocknet Getreide. Man wird in das Geheimnis eingeweiht, wie aus Torf Briketts und aus Flachs Leinenstoff entsteht. Immer wieder gibt es Feste. Wenn im Dorf die Schwarze Hochzeit alte Traditionen aufleben lässt, dann hat der Mai begonnen. Das Gänsefleisch-Festival im November dauert drei Tage. Über das Leben der Pommerschen Herzöge gibt die Stadt Słupsk in zahlreichen touristische Sehenswürdigkeiten Auskunft.

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