Unterwegs auf dem Rhein: Der Flusskreuzer MS Amelia. Foto: Kröger - © Copyright 2009
Unterwegs auf dem Rhein: Der Flusskreuzer MS Amelia. Foto: Kröger | © Copyright 2009

FLUSSKREUZFAHRT Alles im Fluss

Dirk Kröger

"Warum heißt das eigentlich Kreuzfahrt?", wollte ein Bekannter wissen. Er hatte Erfahrungen mit großen Schiffen auf unterschiedlichen Meeren gesammelt – aber nun sollte es erstmals auf einen Fluss gehen. Kann so eine Reise mit einer Hochseekreuzfahrt überhaupt mithalten? Eine fünfköpfige Gruppe hatte sich zusammengefunden, um genau das zu testen. Flusskreuzfahrten bieten sich das ganze Jahr über an – zum Beispiel in der Adventszeit. So konnte die Gruppe nicht nur die Reiseformen testen, sondern auch gleichzeitig mehrere Weihnachtsmärkte am Rhein kennenlernen. Köln, Bonn, Rüdesheim und Koblenz hießen die Stationen der ebenso kurzen wie preisgünstigen Reise (drei Tage ab 199 Euro in der Doppelkabine, www.phoenix-reisen.de). An Bord der Amelia, einem zwischen 2011 und 2012 gebautem Schiff, das für den Bonner Reiseveranstalter Phoenix Reisen auf Donau, Rhein, Main und Mosel unterwegs ist, wurden die Gäste gleich mit einem Snack und einem Glas Sekt begrüßt, was für entsprechend gute Laune sorgte. Die Amelia ist ein Vierdeck-Kabinenschiff der Vier-Sterne-Kategorie mit 104 Doppelkabinen und vier Dreibettkabinen. Die überraschend großen Kabinen sind klimatisiert und jeweils mit Dusche, Toilette, Fernsehgerät, Telefon und Safe ausgestattet. Die Kabinen auf dem Mittel- und auf dem Oberdeck verfügen außerdem über einen französischen Balkon. Im vorderen mittleren Bereich des Unter- und des Mitteldecks wurden zwei Restaurants eingerichtet. Im Oberdeck liegt der rundum verglaste Panoramasalon mit Barbereich. Zusätzlich gibt es im Oberdeck die Lido-Bar mit einem überdachten Freideck. Auf dem Sonnendeck stehen den Fahrgästen neben Liegestühlen und Sitzgelegenheiten ein Whirlpool, ein Putting Green und ein Shuffleboard zur Verfügung. In den Kabinen lag jeweils das Tagesprogramm bereit. Doch beim Willkommens-Cocktail gab es für die Reisenden erst einmal eine unangenehme Überraschung. Wegen des Niedrigwassers konnte das Schiff Bonn nicht anlaufen – nicht nur auf den Meeren und Ozeanen also kann das Wetter für Überraschungen sorgen. Die weiteren Stationen Rüdesheim und Koblenz am nächsten Tag wurden jeweils sehr pünktlich erreicht, die Verpflegung an Bord war gut, die Preise für Getränke akzeptabel. Die Weinkarte erwies sich zudem als überraschend umfang- und abwechslungsreich. Übrigens war schon in den Vorab-Informationen darauf hingewiesen worden, dass ein Trinkgeld an Bord nicht obligatorisch sei, aber natürlich gern angenommen werde – empfohlen wurden vier bis fünf Euro pro Gast und Reisetag. Grundsätzlich gefiel diese Reise im Advent, zumal das Preis-/Leistungsverhältnis wirklich stimmte. Die Vorab-Informationen waren mehr als ausreichend, die Ausstattung des Schiffs übertraf sogar die Erwartungen, das Personal an Bord erwies sich als besonders hilfsbereit, die Verpflegungsleistung war in Ordnung. Ärgerlich war dagegen die Änderung der Anlegestelle des Schiffes in Köln, die vorab nicht kommuniziert wurde. Die Schifffahrt selbst verlief angenehm ruhig, seekrank wird hier wohl niemand werden. Und während der Reise gab es Informationen über die Bord-Lautsprecher. Wahrscheinlich schon ein alter Hut, aber dennoch positiv aufgenommen wurde zudem eine Kleinigkeit: Als wir auf dem Rhein die Loreley passierten, ertönte das einstmals von Heinrich Heine geschriebene gleichnamige Lied an Bord. Dem lauschten die Flussreisenden auf dem Sonnendeck, weil von dort aus die beste Sicht gegeben war.

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