Deutschland Traum für Filmfans

Seit mehr als 35 Jahren kann man in der Bavaria Filmstadt in München einen Blick hinter die Kulissen werfen. Ein Spaß nicht nur für kleine Filmfans

Sabine Neumann

Tourguide Tina schaut auf ihre Armbanduhr. Es ist 11.45 Uhr. Die Besucher für die Führung durch die Filmstadt der Bavaria in München – Geiselgasteig sind alle vollzählig versammelt. Sie wollen einmal einen Blick hinter die Kulissen großer Filmproduktionen, wie zum Beispiel „Das Boot" oder aktueller Blockbuster wie „Fack ju Göhte" werfen. Es geht aber noch weiter: Das Wickingerdorf aus „Wicki und die starken Männer" steht unter freiem Himmel; das komplette Filmset aus der Realverfilmung von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" in einer Halle. Gut gelaunt vermittelt Tina ihr fachliches Film-Hintergrundwissen. Zur Einführung erfährt die Besucher-Gruppe, dass am 300.000 Quadratmeter großen Medienstandort Geiselgasteig bereits seit 1919 Filme gedreht werden. Heute entstehen in den 12 großen Studios und Drehvillen die Innenaufnahmen bekannter TV-Formate wie „Die Rosenheim-Cops" oder „Der Alte", Shows wie „1,2 oder 3" mit Elton, „Verstehen Sie Spaß?" mit Guido Cantz oder die Kochshow „The Taste". Und natürlich immer wieder großes Kino. Tina zeigt den begeisterten Zuschauern viele Original-Kulissen, wie zum Beispiel den Glücksdrachen Fuchur aus der „Unendlichen Geschichte". Marilena meldet sich spontan und möchte einmal auf den Drachen Platz nehmen, um in die verwunschene, unbekannte Welt von Phantasien mit der Rennschnecke, dem Steinbeißer und den Winzlingen zu fliegen. Das Ganze wird vor blauem Hintergrund mit einer Kamera aufgenommen und auf einen großen Flachbildschirm übertragen. Für diese Aufnahme wurde damals die größte Blue-Screen-Anlage der Welt errichtet, um später den blauen Hintergrund durch stimmungsvolle Außenaufnahmen zu ersetzen. Und schon geht es weiter zum nächsten „Drehort". Kaum angekommen, werden sofort Handys zum Fotografieren gezückt. Denn es ist das bekannteste Klassenzimmer Deutschlands, hier unterrichtete Zeki Müller die berühmt-berüchtigte 10b in den beiden „Fack ju Göthe"-Kinohits. Teil 3 der Innenaufnahmen ist im Studio 2 der Bavaria Filmstadt entstanden. Die „Fack ju Göhte"-Fans in der Besuchergruppe sind zahlreich und drängen sich darum, in der Originalkulisse vor laufender Kamera eine kurze Szene zu spielen. Die kann man später als Souvenir erwerben. Danach geht es zu der Kulisse eines international bekannten, hochdekorierten Filmklassikers aus dem Jahre 1981. „Das Boot", nach dem Bestseller von Lothar-Günther Buchheim, gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Filmproduktionen. So erfolgreich, dass die Bavaria Fernsehproduktion gerade im Auftrag von Sky eine achtteilige Serie produziert, die die Geschichte der Besatzung weiter erzählt. Nach der Besichtigung mehrerer Boot-Außenmodelle, die alle im Film verwendet wurden, dürfen die Besucher durch ein 55 Meter langes originalgetreues U-Boot-Innenmodell gehen. Neben dem Maschinenraum mit zwei funktionsfähigen Motoren staunen sie über die Unterbringungsmöglichkeiten in diesem U-Boot: Kombüse, Kommandozentrale, Offiziersmesse, Torpedoraum sowie die Mannschaftsunterkünfte sind alle winzig klein. „Hier wurde über Monate auf engstem Raum gedreht," berichtet Tourguide Tina, „es durfte keiner unter Klaustrophobie leiden." Die nächste Kulisse kommt bei allen Teilnehmern der Gruppe sehr gut an. Es ist ein komplettes Filmset aus der Realverfilmung von Michaels Endes Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer". Filmstart April 2017. Dem einen oder anderen aus der Besuchergruppe entfährt ein kleiner Seufzer, es ist tatsächlich beeindruckend, was die Szenografen und Beleuchter geleistet haben, um das von Michael Ende beschriebene zauberhafte Flair zu schaffen. Ein besonderes Highlight in der Bavaria Filmstadt ist die Münchner Straße: „Sie wurde 1986 für einige Millionen Euro für die Serie „Die Löwengrube" gebaut und bietet auf einer Fläche von 3.400 Quadratmetern viele unterschiedlich einsetzbare Kulissen," erklärt Tina, „So wurden hier z.B. viele ARD-Tatorte gedreht, Außenaufnahmen der Serie „Um Himmels willen", Werbeclips oder Szenen für „Rico, Oskar und das Herzgebreche", um nur einige zu nennen. Das Besondere an dieser Straßenkulisse ist ihre Wandelbarkeit. Durch verschiedene Häuseranstriche, Fenster, Türen sowie Putzformen mit unterschiedlichen Verwitterungsstadien bekommt die Münchner Straße immer wieder ein neues Gesicht und wird den aktuellen Produktionen angepasst. „Der große Vorteil besteht darin," erläutert Tina, „ dass man auf einem Studiogelände arbeitet, keine Drehgenehmigungen und Polizeiabsperrungen braucht. Das vereinfacht die Dreharbeiten, spart Zeit und Geld."

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