Bei Urlaubern aus Deutschland beliebt: Henne Strand liegt in Südwest-Jütland. Der Strand des Ortes ist 16 Kilometer lang. - © Roland Jung
Bei Urlaubern aus Deutschland beliebt: Henne Strand liegt in Südwest-Jütland. Der Strand des Ortes ist 16 Kilometer lang. | © Roland Jung

Dänemark Urlaub in den Dünen

Hier, wo Schleswig-Holstein in Südjütland übergeht und wo sich ein Großteil der dänischen Geschichte abgespielt hat, gibt es jede Menge Kultur und Natur

Roland Jung

Idyllisch prägen sich bunte Fachwerkhäuser mit ihren alten Giebeln in historische Örtchen, in denen die Zeit stillzustehen scheint. In der meist flachen Landschaft wechseln sich Heide, Dünen, Wälder und Marschland ab und unter dem knallblauen Himmel präsentiert sich eine Postkartenidylle, wie sie schöner nicht sein könnte. Man gerät in Versuchung, Westjütland auch als einen riesigen Sandkasten zu bezeichnen, der nicht von der Werbeindustrie kreiert wurde, sondern pure Realität ist. Hier finden sich die schönsten Strände Nordeuropas mit feinem Sand und wilder Natur auf der Westseite, während die liebliche Ostküste geradezu ein Badeparadies für Kinder ist. Von den Ferienhäusern in den Dünen hört man schon die Brandung rauschen, während Wind, Wetter und Flugsand immer neue Formen in dieser einzigartigen Landschaft modellieren. Henne Strand ist in der Sommersaison eine Ferienhausmetropole und fest in der Hand deutscher Urlauber. Dänisch ist dann hier Fremdsprache. Hier spürt man das Jod förmlich in der Luft, das kristallklare Wasser lädt zum Baden ein und die feinsandigen und weißen Strände sind sauber. Mit etwas Glück kann man sogar Bernstein im nassen Sand finden. Die Kleinsten bauen Sandburgen und spielen, während die Größeren sich auf den zahlreichen Kinderspielplätzen austoben. Hinter den Dünen liegen einzigartige Heide- und Waldgebiete, die zu herrlichen Wanderungen einladen. Wie zum Beispiel der Blåbjerg, auch „Blauer Berg" genannt. Direkt bei Henne Strand gelegen und mit 64 Metern die höchste Erhebung Dänemarks. Es gibt eine Wanderkarte mit unterschiedlich langen Touren. Die „Rote Route" ist gerade mal 2,5 Kilometer lang, führt durch dichten Wald und über Anhöhen, von denen man einen herrlichen Rundblick hat. Nicht sehr anstrengend und auch für den Nachwuchs geeignet. Allerdings nicht mit Kinderwagen. Organisierte Wanderungen werden von den Touristeninformationen angeboten. Hier erhält man auch kostenlose Broschüren über Wander- und Radurlaub, Sportangeln, Golfurlaub und weitere Aktivitäten. In Henne Strand geht es gemütlich zu. Eine Hauptstraße mit ein paar Läden, einige Restaurants und jede Menge Ferienhäuser. Alle Häuser, die hier vermietet werden, sind im Privatbesitz dänischer Bürger. So unterschiedlich und individuell wie die Menschen, denen sie gehören, so unterschiedlich und individuell sind auch die Einrichtungen. Was gibt es Gemütlicheres, als nach Hause zu kommen, ein Kaminfeuer anzuzünden und den hauseigenen Pool oder die Sauna zu benutzen. Urlaub in Westjütland das heißt Strandleben, Reiten, Angeln oder ausgedehnte Radtouren. Radroutenkarten sind für verschiedene Regionen bei den jeweiligen Touristeninformationen erhältlich. Strandkörbe gibt es in Westjütland nicht, dafür aber kostenlose Parkplätze am Strand. Für sanitäre Einrichtungen braucht man ebenfalls nichts zu bezahlen. Wer windsurfen möchte, findet hier eines der besten Reviere überhaupt. Die Wellen sind oftmals meterhoch, was die Surf-Enthusiasten förmlich nach Westjütland zieht. Von Henne Strand ist es nicht weit zum 35 Kilometer langen Holmsland Klit. Diese maximal drei Kilometer breite Dünen-Nehrung ist einer der Höhepunkte der dänischen Haffküste. Im Westen brandet die Nordsee an einen breiten, sandigen Strand mit bis zu 30 Meter hohen Dünen, während im Osten flache Marschwiesen am Ufer des Ringkøbing Fjordes enden. Dazwischen liegen Heideflächen, die mit unzähligen Ferienhäusern bebaut sind. Ein schönes Fleckchen, um einen ungestörten Urlaub zu verbringen. Allerdings ist Dänemarks größter Strandsee zum Baden viel zu flach und schlammig. dafür aber ein Anglerparadies und ein Surf-Dorado par excellence. Bei dem 3.000-Seelen-Ort Hvide Sande gibt es eine Schleuse, welche die Nordsee mit dem Ringkøbing Fjord verbindet. Mehr als 200 Fischerboote – vom Fjordkutter für den Schollenfang bis zum Hochseetrawler, der mit Schleppnetzen das Meer leer räumt – sind hier beheimatet, ihnen stehen sowohl ein Fjord- als auch ein Nordseehafen zur Verfügung. Frühaufsteher sollten sich unbedingt eine Fischauktion in einer der Hallen am Kanal anschauen. Der Singsang des Auktionators schmettert durch die Halle und das peitschende Geräusch, wenn sein Stock auf die ersteigerte Partie heruntersaust signalisiert: Es geht weiter zu den nächsten Kisten. An Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, kommt man nicht vorbei. Man taucht ein in die Vergangenheit. Ribe ist wohl die schönste Stadt Jütlands und immer erblickt man interessante Details an geschnitzten Türen und geschmückten Fensterrahmen. Die winzigen Häuschen, Höfe und als Gasthöfe bekannte Kros sehen noch genauso aus wie vor Hunderten von Jahren. Der als Gasthof bekannte Kro ist eine typisch dänische Institution mit einer oft jahrhundertealten Tradition. Die aus dem 16. Jahrhundert stammende „Weis Stue" trägt nach außen hin zwar nicht die Bezeichnung Kro, aber die Speisekarte bietet Fisch in allen Varianten. Der Kellner serviert hier eine über den Tellerrand hinausgewachsene, mit Krabben und Krebsen reich garnierte Scholle mit der Bemerkung: „Tja, wir sind ein kleines Land, aber wir haben große Fische!"

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