Geben ein akustisches Konzert: Kai Sichtermann (Bass, v. l.), Gymmick (Gesang, Akustik-Gitarre), Funky K. Götzner (Cajón, Chor) sind am Sonntag in Herford zu erleben. - © Kai Gaedtke
Geben ein akustisches Konzert: Kai Sichtermann (Bass, v. l.), Gymmick (Gesang, Akustik-Gitarre), Funky K. Götzner (Cajón, Chor) sind am Sonntag in Herford zu erleben. | © Kai Gaedtke

Herford "Ton Steine Scherben" spielen im Herforder Logensaal der Freimaurer

Eine der einflussreichsten deutschen Rockgruppen tritt am Sonntag in im Logensaal auf und präsentiert Akustikversionen der legendären Klassiker

Peter Steinert

Herford. Eine Legende wird zum Leben erweckt: An diesem Sonntag, 26. November, erinnern "Ton Steine Scherben" bei ihrem Akustik-Auftritt im Herforder Logensaal über dem "Adria-Grill" an den Songschreiber, Poeten und früheren Frontman ihrer Band Rio Reiser. Beginn des Konzerts ist um 19 Uhr. Nach dem Krieg war der 1906/07 erbaute Logensaal der Herforder Freimaurer "Zur Roten Erde" eine zentrale Kulturstätte. Inzwischen ist es ruhiger geworden. Gelegentlich treffen sich heute die 30 Mitglieder der Loge zu einem sogenannten Arbeitsclan. Häufiger tritt der Chor "Vox Jubalis" auf. Zuletzt im September gastierte die Jazzrock- und Weltmusik-Band "Embryo" in dem Gebäude am Logenplatz. Eingeladen hatte der Herforder Verein "Kulturbeutel". Dem ist jetzt der nächste Veranstaltungs-Coup gelungen ist. Denn "Ton Steine Scherben" gelten als eine der einflussreichsten deutschen Rockgruppen. Gar so laut und rockig wird es im Logensaal nicht werden. Aber auch in der akustischen Version kommt "Macht kaputt, was Euch kaputt macht" kraftvoll und wieder hochaktuell daher. "Heutzutage muss man aufpassen, dass man nicht in eine Negativspirale gerät. Zu der einen oder anderen Entwicklung passen vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen die Songs der Scherben ganz genau", sagt Drummer Klaus Götzner, der innige Erinnerungen an Herford pflegt. Erinnerungen an die Scala "Damals gab es die Scala an der Mindener Straße. Das war ein Club, in der die angesagtesten Bands der Zeit gespielt haben. Ich habe etwa "Cream" gesehen", sagt Götzner, der sich in jenen Tagen zumeist mittellos durchschlagen musste. Später machte er sich einen Namen als Schlagzeuger der Gruppe Missus Beastly. Noch immer hält Klaus Götzner den Kontakt nach Herford. So etwa zu Günter Scheding, der einst die erste Schallplatte von Missus Beastly produzierte und der den Kontakt zum "Kulturbeutel" herstellte. Funky Götzner (Schlagzeuger seit 1974, jetzt Cajón) wird einer der beiden Ur-Scherben sein, die in Herford auf der Bühne stehen. Kai Sichtermann (Bassist seit 1970) ist der andere Teil, der den Zauber der Lieder Rio Reisers wieder verbreiten will. "Die Idee einer Tournee ist entstanden, als wir uns mal wieder zum Todestag von Rio Reiser zu einer Bootstour in Berlin getroffen haben. Das ist eine geschichtliche Gedenktour, die uns zu verschiedenen Punkten führt, die mit Reiser in Verbindung gebracht werden können", sagt Götzner im Gespräch mit der NW. Verstärkung durch Tobias Hacker Immer mehr Fans hätten sich dieser mit Liedern von Rio Reiser untermalten Tour angeschlossen, so dass die Band nun mit Verstärkung durch Tobias Hacker, Gymmick genannt, auf Tour gehen konnte. Gymmick, ein charismatischer Songpoet aus Nürnberg, schlüpft dabei in die Rolle des neuen Frontmanns. Mit seiner Aura und seiner Stimme kommt er dem Vorbild Reisers dabei so nah wie wohl keiner zuvor. Dennoch schafft er es, eine faszinierende ganz eigene Persönlichkeit zu bleiben. Gemeinsam beweist das Trio, dass "Der Traum noch lange nicht aus" ist. Respektvoll und doch voller durchgeknallter Lebensfreude zelebriert das Trio ein Stück Musikgeschichte, das heute so aktuell ist, wie in den rebellischsten Anarchozeiten der 70er. Das Konzert an diesem Sonntag beginnt um 19 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) im Festsaal am Logenplatz 6. Karten im Vorverkauf gibt es im Café Bitter, Adria Grill, der Buchhandlung Auslese im Elsbach Haus und per E-Mail an kulturbeutel-herford@web.de

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