Kultur Blues ist ein Gefühl

Bad Temper Joe: Der Bielefelder Musiker legt mit „Bad Temper Joe and his Band“ seit zweites Album des Jahres vor. Es ist sein erstes mit Band

Ralf Bittner

„Die Band ist eine weitere Möglichkeit meine Songs dem Publikum zu präsentieren", sagt Bad Temper Joe, der seine Musik irgendwo zwischen Blues und Americana meist solo präsentierte. Sechs Alben und EPs seit 2014, darunter eine Live-CD, zeugen von der Produktivität des 25-Jährigen. „Das Band-Album musste her, weil ich seit 2015 auch mit Band spiele und die Leute danach gefragt haben", sagt er.Bad Temper Joe (BTJ) ist für seine Soloauftritte mit Lap-Gitarre und rau-schmeichelnder Stimme bekannt, spielte und spielt aber immer wieder auch mit anderen Musikern zusammen, so auch mit den drei Musikern seiner Band. In den USA würde er gerne mal spielen Mit Marcel Rahe an der Mundharmonika spielte er schon im Duo, mit Marcel Dettling (Bass) und Schlagzeuger Paul Moser musizierte er bei der Paderborner Folk-Pop-Band „Hooray Sun". „Die Arrangements für die Band sind etwas rockiger als meine Solostücke", sagt BTJ, entwickeln sich aber weiter: „Manche Songs klingen jetzt auf der Bühne schon wieder ganz anders als zum Zeitpunkt der Aufnahme, Publikum oder Stimmung im Saal spielen bei der Interpretation auch einen Rolle." Das Band-Album wurde im Gegensatz zu den Soloalben nicht im Studio, sondern im Proberaum in Paderborn aufgenommen. „Der Raum klingt recht gut", sagt BTJ. Musikalisch ist ein Album entstanden, das BTJ zwar als Blues-Album sieht, aber eines, das sich den strikten Regeln des Blues wie dem Bluesschema mit zwölf Takten und drei Akkorden verweigert. „Blues ist ein Gefühl", sagt er, und das lasse sich eben nicht in solche Schemata pressen. Neben eigenen Songs finden sich auf der CD Titel von Bob Dylan, ein Orientierungspunkt für BTJ, der schon als 12-Jähriger die Musik für sich entdeckte und mit 15 Jahren begann, sich das Gitarrespielen beizubringen. „Johnny Cash finde ich immer noch großartig – allerdings seine frühen Platten." Inspiration findet er aber auch in der Musik der 50er, 60er oder 80er Jahre. „Über das Internet wird vieles zugänglich, dass auf Platte oder CD nie den Weg nach Deutschland gefunden hat", sagt er. „Drei Alben in zwei Jahren sind sicher viel", sagt BTJ, aber in diesen zwei Jahren sei viel passiert, was sich in den Songs wiederfinde, und längst nicht alle Stücke, die er in dieser Zeit geschrieben habe, hätten auch den Weg auf ein Album gefunden. Eine Entscheidung war die, sich ganz auf das Musikmachen zu konzentrieren. „Und das ist ein Fulltime-Job, der nicht nur auf der Bühne oder im Studio, sondern auch am Schreibtisch stattfindet", sagt er. „Ich will mit meiner Musik raus aus Ostwestfalen", merkt er an und bemüht sich regelmäßig kleinere Touren zusammenzustellen, die mal durch Süd- mal durch Norddeutschland, mal durch die Beneluxländer führen. Das sei viel Papierkram, aber an einigen Orten spiele er regelmäßig und mancherorts gäbe es sogar inzwischen eine kleine Fanszene. Im Raum Bielefeld wolle er dagegen nicht öfter als zwei, drei Konzerte im Jahr geben. Die müssten aber auch immer anders sein. „Am 4. November spiele ich im Neuen Forum Enger", sagt er, das sei es dann aber mit OWL im Jahr 2017. Und ja, in den USA, würde er schon mal gerne spielen, zumal er wisse, dass seine Musik dort in Internetradios gelegentlich gespielt werde. „Für ein Konzert würde ich sicher nicht rüberfliegen, für einen kleine Tour aber schon", sagt er. Erschienen ist das Album mit dem schlichten Titel „Bad temper Joe and his Band" beim Timezone-Label.

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