Kraftmensch an der Geige: Lando van Herzog ist eine schillernde Persönlichkeit. Für seine Fair-Play-Kampagne für den Wert geistigen Eigentums im digitalen Zeitalter hat er viele prominente Unterstützer gewinnen können. - © Foto: PR/Horst Galuschka
Kraftmensch an der Geige: Lando van Herzog ist eine schillernde Persönlichkeit. Für seine Fair-Play-Kampagne für den Wert geistigen Eigentums im digitalen Zeitalter hat er viele prominente Unterstützer gewinnen können. | © Foto: PR/Horst Galuschka

Konzeptalbum "Project Fair Play" wirbt für mehr Respekt vor geistigem Eigentum

Der Künstler Lando van Herzog gewann prominente Unterstützer

Köln. Das Problem ist so alt wie das Schlachtschiff Internet und seine Beiboote: Autoren und Musiker, Maler und Filmschaffende müssen wie viele andere Kreative, die ihre Werke auch über das World Wide Web publizieren, mit ansehen, dass diese teils kostenlos konsumiert und weiterverbreitet werden. Die Unsitte, jedes Copyright zu ignorieren, kostet nicht wenige die Existenz. Andere, vor allem kreative Newcomer, finden erst gar keine wirtschaftliche Basis, weil sie kaum mehr Aufmerksamkeit über die reine CD-Veröffentlichung erhalten. Davon ist der Kölner Künstler Lando van Herzog überzeugt. Die Praxis befördere auf Dauer eine kreative Monokultur, an der eigentlich kein Kulturfreund Interesse haben kann. »Es ist schwer, als Künstler von seiner Arbeit zu leben« „Durch die Umsonst-Kultur im Internet ist der Respekt vor geistigem Eigentum und Copyright massiv gesunken“, sagt der Kreative. Doch er verharrte nicht im Klagen, sondern wurde aktiv. Um auf die prekäre Situation hinzuweisen, in die viele Schöpfer von Musik, Texten, Film- und Fotomaterial im digitalen Zeitalter geraten, hat der vielseitig tätige Geiger, Komponist, Maler, Sänger und Produzent prominente Kulturschaffende verschiedener Disziplinen an einen Tisch geholt. Nun ist das Ergebnis, das Konzept-Album „Project Fair Play“, mit 35 Tracks zum Thema auf dem Markt. Genre-übergreifend steuern Schriftsteller, Sängerinnen und Sänger, Musiker und Schauspieler, Filmemacher, Sportler und Comedians Eigenes bei. Alles um, so van Herzog, „gegen die Entprofessionalisierung von Kunst und Kultur“ zu Felde zu ziehen – und zwar auf freundliche, eher charmante Weise und „ganz ohne erhobenen Zeigefinger“. Prominente wie der Autor Frank Schätzing, die Söhne Mannheims, Marianne Rosenberg und Yvonne Catterfeld bringen ebenso Lieder und Texte zu Gehör, wie Jazz-Trompeter Till Brönner, die Prager Philharmoniker, die Schauspieler Ulrich Noethen und Christoph Maria Herbst, Youtube-Künstlerin Joyce Ilg und der DJ und Produzent Mousse T. Werke beisteuern oder zum Thema passende Texte rezitieren. Sie treten miteinander an, um auf die Folgen des Diebstahls geistigen Eigentums durch massenhaftes, kostenloses Downloaden und Weiterverbreiten hinzuweisen. Inzwischen sei es „schwer, als Künstler von seiner Arbeit zu leben. Die meisten schaffen das nicht“, so van Herzog. Doch statt den Nutzern mit Unterlassungserklärungen, Schadenersatz-Klagen und anderen strafrechtlichen Maßnahmen zu Leibe zu rücken, appelliert die illustre Union an den gesunden Menschenverstand und ruft auf zum Fairplay sprich Bezahlen. Mit dem Konzeptalbum äußern sich die Künstler erstmals selbst zu der Thematik, die auf Fachtagungen und in der Kreativwirtschaft Dauerthema ist – allerdings ohne dort bislang zu bahnbrechenden Lösungen geführt zu haben. Auch Print- und elektronische Medien seien ja betroffen, ergänzt van Herzog, weswegen der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) die Aktion unterstütze. Streamingdienste sind für den Künstler auch keine Lösung. Mit dem Streamen erzielten Kreative oft nur magere Erlöse. Newcomer unter den Kulturschaffenden, die eine CD-Veröffentlichung nicht nur als Verkaufstreiber fürs Live-Geschäft betrachten – so wie mancher alte Hase – verschwänden oft allzu schnell wieder von der Bildfläche. Auch ist das Streamen von Musiktiteln für den Kölner kein akzeptabler Ersatz für anständige Alben-Erlöse. Er rechnet vor: In der Musikbranche gehe man von einem Entgelt für das Streamen eines Musiktitels zwischen 0,05 und 0,2 Cent aus. Für einen etablierten Künstler, der sein Stück innerhalb von sechs Monaten 500.000-mal gestreamt bekomme, blieben lächerliche 1.000 Euro Erlös. Van Herzog: „Die Produktion des Songs hat aber bereits 5.000 Euro gekostet.“ Die Erlöse, die für weniger bekannte Künstler übrig blieben, lägen für 5.000 Streams bei gerade einmal zehn Euro. „Bei Spotify, Apple und Co. weiß der Künstler am Ende des Tages nicht, was er verdienen wird.“ „Niemand speist in einem Lokal, ohne zu bezahlen. Niemand geht zur Arbeit, wenn er nicht entlohnt wird. Warum sollte ausgerechnet künstlerische Arbeit ohne Gegenleistung bleiben?“, fragt Bestsellerautorin Tanja Kinkel, für die es Ehrensache war, das Projekt mit anzuschieben. Vier Jahre hat die Arbeit an dem Album gedauert, das aufrütteln und ein Bewusstsein für den Wert kreativer Arbeit schaffen soll. Finanziert wurde es – selbstredend – ganz ohne Unterstützung der etablierten Schallplattenindustrie. Mehr Infos, auch zum Erwerb des Albums: www. project-fairplay.com,?www.Lando-van-Herzog.com

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