Kultur Trauer um Walter Becker - eine Hälfte von Steely Dan

Der Gitarrist und Songschreiber zeigte der Welt zusammen mit Donald Fagen, wie erwachsene, intelligente und dennoch kommerziell erfolgreiche Rockmusik klingen kann

Thomas Klingebiel

In den 70ern boten Walter Becker und Donald Fagen eine coole Alternative zu Pomp und Bombast: Steely Dan. Die Band bewies, dass Rockmusik erwachsen, intelligent und dennoch kommerziell erfolgreich sein kann. Am Sonntag ist Walter Becker, die eine Hälfte des genialen Songwriter-Duos, mit 67 Jahren gestorben. Angaben zur Todesursache wurden nicht gemacht. Wie Lennon/McCartney oder Jagger/Richards waren Becker und Fagen am besten im Team. Beide teilten eine Leidenschaft für Jazz, Soul und Rhythm’n’Blues. Was sie an dieser Musik faszinierte, das harmonische Raffinement, die Eleganz, die rhythmische Kraft, brachten sie in die Rockmusik ein. Dabei kam kein virtuoser Jazzrock heraus, der in den 70ern ebenfalls eine Blüte erlebte. Ihre Basis blieb im wesentlichen der Zwölftakt-Blues, trotz komplexer Songstrukturen und komplizierter Akkorde. „Do It Again" und „Reelin’ in the Years", die Hit-Singles von 1972, waren erst der Anfang. Becker war da gerade 22. Von Platte zu Platte schob Steely Dan die Grenzen des Rock weiter hinaus, erreichte mit „Aja" 1977 einen noch immer beeindruckenden Gipfel. Der stille Becker und der extrovertiertere Fagen schrieben die Musik stets gemeinsam. Beckers Domäne waren die literarisch-rätselhaften Songtexte. Auch einige Bass-Licks und Gitarren-Soli („Black Friday", „Josie", „Bad Sneakers") für die Ewigkeit steuerte er bei. Nach dem vorläufigen Ende von Steely Dan zog sich Becker 1981 nach Hawaii zurück, produzierte Platten für China Crisis und Rickie Lee Jones und nahm zwei Soloalben auf. 2000 gelang ihm mit Fagen das mit vier Grammys für „Two against Nature" gekrönte Comeback. Ihr letztes Album hieß 2003 „Everything Must Go". Das ist leider wahr.

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