Verdienstvoll: Franz Kiesl hatte 1993 den Vorsitz des Forums übernommen. - © Matthias Gans
Verdienstvoll: Franz Kiesl hatte 1993 den Vorsitz des Forums übernommen. | © Matthias Gans

Stern der Woche Stern der Woche an Franz Kiesl für den deutsch-russischen Kulturaustausch

Nach 24 Jahren: Der Vorsitzende des „Forums Russische Kultur Gütersloh“ tritt zurück / Als Brückenbauer hat er sich erhebliche Verdienste erworben

Matthias Gans

Gütersloh. Als „Brückenbauer" versteht Franz Kiesl seine Arbeit als Vorsitzender des Forums Russische Kultur Gütersloh. Der Verein wurde 1991 von Gütersloher Bürgern gegründet, um nach dem Fall der Mauer die Menschen und die Kultur jenseits des gerade gefallenen „Eisernen Vorhangs" näher kennenzulernen. Der durch die Erfahrungen des Kalten Kriegs zunächst skeptisch gegenüber „dem Osten" eingestellte damalige Leiter des Hertie-Kaufhauses wurde durch seine Tätigkeit für die „Kinderhilfe Tschernobyl" auf das Forum aufmerksam. 1993 wurde er dessen Vorsitzender. Da war er längst überwältigt von der Herzlichkeit der Menschen jenseits der niedergerissenen Mauer, die er bei Besuchen in Russland und Gegenbesuchen in Gütersloh erfahren hatte. In den 24 Jahren seiner Tätigkeit als Vorsitzender hat Franz Kiesl das Programm des Vereins mächtig ausgeweitet. 70 Reisen hat er in den Osten organisiert, nicht nur nach St. Petersburg und Moskau, auch in weit entfernte Gegenden wie Chanty-Mansijsk, Taganrog, Irkutsk oder Rostow am Don. Mittlerweile dürften rund 2.000 Gütersloher Russland durch Kiesls Kontakte auf profunde Weise kennengelernt haben. Bis zu 15 Konzerte im Jahr Auch im Kreis Gütersloh und darüber hinaus profitieren Kulturinteressierte von diesen Kontakten. Bis zu 15 Konzerte veranstaltet das Forum im Jahr, lässt hier Talente der Moskauer Stiftung „Neue Namen" oder „Spivakov-Stiftung" auftreten. Stardirigent Vladimir Spivakov, der regelmäßig mit der Russischen Nationalphilharmonie in Gütersloh auftritt, ist Ehrenmitglied des Forums, ebenso wie der Pianist und Präsident der „Neuen Namen", Denis Matsuev. Die Zahl der Vereinsmitglieder ist von 48 (1993) auf nun 435 Mitglieder gestiegen. Anerkennung hat Kiesl für seine Arbeit auch von politischen Stellen erfahren. So lobte der Botschafter der russischen Förderation, Wladimir Grinin, das Forum „als eine der wichtigsten Drehscheiben des kulturellen Austauschs" zwischen Russen und Deutschen. Vom Bundesverband Deutscher Ost-West-Gesellschaften, deren rührigster von 70 Vereinen das Forum ist, erhielt Franz Kiesl 2016 den Jürgen-Bohse-Preis. An diesem Samstag tritt der 81-jährige Franz Kiesl als Vorsitzender zurück, um zum Ehrenvorsitzenden gewählt zu werden. Den „Stern der Woche" erhält er als Brückenbauer.

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