Gereift und selbstsicher: Lana Del Rey hat Donald Trump mit einem Hexenfluch belegt. - © dpa
Gereift und selbstsicher: Lana Del Rey hat Donald Trump mit einem Hexenfluch belegt. | © dpa

Kultur Lana Del Rey: „Ich habe jetzt mehr Spaß im Leben“

Interview: Shooting Star Lana Del Rey erstaunte und begeisterte vor fünf Jahren die Musikwelt mit ihrem Debüt. Am 21. Juli kommt ihr viertes Album „Lust for Life“ heraus, dessen Titel Programm ist

Steffen Rüth

Mrs. Del Rey, Ihr Debütalbum vor fünf Jahren hieß „Born To Die", das neue „Lust For Life". Dokumentieren die Albumtitel, wo Sie jeweils im Leben stehen? Lana Del Rey: Ja. Ich habe mich gut entwickelt, was das Gesamtglücksgefühl angeht. Ich bin immer noch auf dem Weg, und Wachstum wie auch Chaos werden mich weiter durchs Leben begleiten. Und doch fühle ich deutlich die Veränderung. Ich habe mehr Spaß im Leben als vor Jahren. Geht es in Ihrem neuen Song „Change" um diese Veränderungen? Del Rey: Ganz genau. „Change" ist das letzte Lied, das ich für dieses Album geschrieben habe. Die vier Worte, die ich im Refrain singe, sagen im Grunde schon alles: Ehrlich, fähig, schön und stabil. So will ich werden. Mein gesamtes Leben ist von dieser Suche geprägt, der Suche danach, irgendwo hinzugehören, Teil von etwas zu sein. Auf diesem Weg bin ich ein gutes Stück voran gekommen. Woran machen Sie das fest? Del Rey: An meinem Verhalten. Und an meinem Umgang mit Menschen. Ich bin um einiges entspannter und offener geworden. Sicherlich auch selbstbewusster. Zu Beginn war ich sehr ängstlich. Ich wusste oft nicht, was die Leute von mir erwarten. Ich stand heftig unter Beobachtung, lebte wie unter einer Glocke, unter die alle schauen wollten.Warum eigentlich? Del Rey: Die Leute waren mir gegenüber misstrauischer als bei vielen anderen Künstlern. „Video Games", meine erste Single, hat total polarisiert. Ich weiß bis heute nicht genau, warum. So hatte ich lange das Gefühl, zwar einen Fuß in der Tür, aber keinen sicheren Stand in der Musikwelt zu haben. Mittlerweile habe ich keine Scheu mehr, auf Leute zuzugehen. Es ist kein Zufall, dass ich mehr Musiker auf die neue Platte eingeladen habe. So wie Stevie Nicks von Fleetwood Mac, die bei „Beautiful People, Beautiful Problems" mitsingt. Del Rey: Stevie ist eine Freundin meines Produzenten Rick Nowels. Sie war so toll, ich würde sie inzwischen als Freundin bezeichnen. Stevie macht seit fünfzig Jahren Musik, war in den 70ern dabei, sie hat alles gesehen. Da kann man fast neidisch werden. The Eagles, Crosby, Stills, Nash & Young, dieser ganze Sound der damaligen Zeit, ich liebe ihn abgöttisch. Seitdem ich in L.A. lebe, suche ich immer nach anderen Musikern, überhaupt anderen Menschen, denen es genauso geht. Haben Sie schon viele Fans des Sixties- und Seventies-Pop kennengelernt? Del Rey: Witzigerweise habe ich mir in Los Angeles inzwischen einen phantastischen Freundeskreis aufgebaut, der diese Leidenschaft teilt. Father John Misty und seine Frau Emma Tillman zählen dazu. Oder auch Miles Kane und Alex Turner, also die beiden Jungs von The Last Shadow Puppets. Wir sind so eine kleine Folkgemeinde. Wir strahlen dieses Laurel-Canyon-Gefühl aus, das ich so sehr mag. Auch Sean Lennon ist auf der Platte dabei, im Song „Tomorrow Never Came". Wie kam das zustande? Del Rey: Ich erzähle in dem Lied von meiner Idealvorstellung einer Beziehung, der Song ist einer der wenigen auf dem Album, der nicht von mir selbst handelt. John Lennon und Yoko Ono nenne ich als Beispiel. Ich stellte mir die beiden vor, wie sie innig auf einer Bank im Central Park sitzen, dieses Paar weckt romantische Vorstellungen in mir. Somit lag es sehr nahe, Sean zu fragen, zumal ich seine Musik sehr schätze. Er war auch sofort dabei. Wann haben Sie denn zuletzt nackt auf dem „H" des Hollywood-Zeichens von L.A. getanzt, so wie Sie es in „Lust for Life", einem Duett mit Abel Tesfaye alias The Weeknd, beschreiben? Del Rey (lacht): Gar nicht, das ist voll hoch. Da kommt man nicht einmal mit einer Leiter rauf. Aber ganz in der Nähe sind ein paar coole Cafés und der Beachwood Canyon, in dem es wunderbar ruhige, versteckte Ecken gibt. Ihre und die Stimme von The Weeknds passen übrigens hervorragend zusammen. Del Rey: Danke. Zwischen uns stimmt die Chemie. Abel war einer der ersten, der 2011 den Clip zu „Video Games" postete, ich suchte den Kontakt zu ihm, und wir wurden Freunde. Sie haben vor einigen Wochen in einem Interview verraten, Donald Trump mit einem Hexenfluch belegt zu haben. Hat er Wirkung gezeigt? Del Rey (lacht): Man weiß es nicht. Alles, was wir jetzt mit ihm erleben, kennen wir schon aus dem Wahlkampf. Er macht eigentlich so weiter wie bisher. Deshalb fürchte ich, der Fluch hat noch nicht gewirkt. Ich würde mir so sehr eine friedliche, lockere Zeit wünschen, darüber spreche ich zum Beispiel im Song „Coachella (Woodstock On My Mind"). Wo ist sie nur hin, die goldene Hippiezeit? Stattdessen gibt es bedrohliche Szenarien und Trump gießt immer weiter Öl ins Feuer. Er hat einige Dinge gesagt, über die sich Frauen wirklich ängstigen sollten. Ich hoffe nur, dass nichts ernsthaft schiefgeht in den nächsten dreieinhalb Jahren.

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