Musik an einem warmen Frühsommerabend: „Bandabarros" mit Sänger Marcel Barros (2. v. r.) auf dem Kesselbrink.  - © Sarah Jonek
Musik an einem warmen Frühsommerabend: „Bandabarros" mit Sänger Marcel Barros (2. v. r.) auf dem Kesselbrink.  | © Sarah Jonek

Bielefeld Weltnachtfestival: Maritim und romantisch mit Bandabarros

Die deutsch-chilensiche Band „Bandabarros“ spielte die Freiluftkonzert-Premiere auf dem Kesselbrink in Bielefeld

Linda Schnepel

Nicht selten sind die Protagonisten der Lieder von Bandabarros Schwertfisch, Robbe oder Einsiedlerkrebs. Das liegt daran, dass die Gruppe für ihr erstes Album den Gedichtband „Maremoto" (Seebeben) des chilenischen Dichters Pablo Neruda vertont hat. Der lateinamerikanische Sound mit maritimen Themen an einem warmen Frühsommerabend – eine perfekte Kombination für das erste Freiluftkonzert des Weltnachtfestivals auf dem Kesselbrink in diesem Jahr. Das Welthaus Bielefeld lässt mit dem Projekt „Happy to BI here" unter dem diesjährigen Motto „play together" Musiker mit Zuwanderungshintergrund auf dem Kesselbrink auftreten, um „positive Energie" an diesen Ort zu bringen. Das ist den Bandabarros gut gelungen, auch wenn das Konzertpublikum, das an einem öffentlichen Veranstaltungsort ohne Eintritt zusammenkommt, sich nicht immer so andächtig verhält, wie man es als Musiker vielleicht gewohnt ist. Der Auftritt hat die Menschen in jedem Fall bewegt. Bandabarros besteht aus dem Sänger Marcel Barros, der vor 27 Jahren aus Santiago nach Bielefeld gekommen ist, und den Ostwestfalen Jutta Vonk (Querflöte, Akkordeon), Gerd Haase (Gitarre), Klaus Rusack (Bass) und Andrea Buchwald (Perkussion) vom Niederrhein. Zusammen spielen sie „Latin Tranquilo", wie sie es nennen, eine Mischung mit Spuren aus Tango, Jazz, Son und Reggae, oft mit poetischen und politischen Texten. Nach der Vertonung der Neruda-Gedichte machte Marcel Barros aus seinen eigenen Texten Lieder, die die Gruppe zu ihrem zweiten Album „El Tren" ausgearbeitet hat. Die musikalische Zusammenarbeit sei immer ein schöner Prozess, sagt Marcel Barros. Wie sich die Herangehensweise an das Musizieren von Ostwestfalen und Lateinamerikanern unterscheidet? „Die anderen wollen immer zählen", sagt Marcel Barros und lacht. Im Ergebnis strahlt die Musik der Bandabarros durch Experimentierfreude mit verschiedenen Instrumenten, mehrstimmigen Gesang und lateinamerikanische Romantik. Marcel Barros hat aber für das nächste Album ein Thema aus der Realität im Blick. Der Syrien-Krieg beschäftige ihn zur Zeit am meisten. Dazu habe er schon sehr viele Texte geschrieben. „Das muss ganz bald raus", sagt er. Auch musikalisch möchte er dann neue Wege gehen und orientalische Klänge ins Repertoire nehmen.

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