Der Sieger des 62. Eurovision Song Contest: Salvador Sobral aus Portugal hält die Siegertrophäe in der Hand. - © picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa
Der Sieger des 62. Eurovision Song Contest: Salvador Sobral aus Portugal hält die Siegertrophäe in der Hand. | © picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa

Kiew Portugal gewinnt den ESC - Deutschland wird Vorletzter

Der 27 Jahre alte Jazz-Sänger Salvador Sobral überzeugte vor 200 Millionen Zuschauern mit seinem melancholischen Song „Amar Pelos Dois“

Kiew (dpa). Portugal hat am Samstagabend zum ersten Mal den Eurovision Song Contest gewonnen. Mit Salvador Sobral, einem 27 Jahre alten Sänger, der eigentlich überhaupt nicht in die grelle, laute und bonbonfarbene ESC-Welt passt. Ein schüchterner junger Mann mit Bärtchen und fast ungepflegter Frisur, mit schiefer Haltung, nervöser Körpersprache und einem schlecht sitzenden Jackett. Doch der 27-jährige Portugiese hauchte sich mit der zarten Jazz-Ballade „Amar Pelos Dois" (Liebe für zwei) in die Herzen von 200 Millionen Zuschauern. Ein Song, den seine Schwester Luisa geschrieben hat. Er holte 758 Punkte. Platz 2 belegte Bulgarien, Platz 3 Moldawien. Es war einer der leisesten Momente des Abends im Finale des Eurovision Song Contest in Kiew. Sobral, der aus einer alten Adelsfamilie stammt, sang den Song zart in seiner Landessprache mit geschlossenen Augen. Er brauchte kein Wumm-Wumm, keine Flammen, keine Lasershow. Levina holt lediglich sechs Punkte Ungewöhnlich auch seine Ansprache nach dem Triumph: Es sei ein Sieg für die Musik. „Musik ist nicht Feuerwerk, sondern Gefühl." Man solle Musik zurückbringen, die wirklich etwas bedeute. Nach dem Gewinn trug er den Song in einem bewegenden Duett mit seiner Schwester vor. Hingegen ist Deutschland zum dritten Mal in Folge gescheitert. Sängerin Levina (26) holte lediglich sechs Punkte – und landete auf dem vorletzten Platz. Damit verbesserte sich Deutschland um einen Platz im Vergleich zum Vorjahr (Jamie-Lee, elf Punkte). Nach der Vergabe der Jurypunkte hatte Deutschland gerade einmal drei Punkte von Irland auf dem Konto, weitere drei Punkte kamen beim Telefonvoting der Zuschauer aus der Schweiz hinzu. Levina startete als 21. von 26 Kandidaten und absolvierte souverän ihren Auftritt, für den es viel Applaus von den Fans in der Halle gab. Barfuß, mit dunklem Rock und hellem Oberteil sang sie vor vergleichsweise schlichter Kulisse allein auf der Bühne ihren Song „Perfect Life". Daneben bot die Show aber auch viele ESC-typische bunte Beiträge. Neben dem italienischen Beitrag, der lange als Favorit gehandelt wurde und bei dem jemand im Gorilla-Kostüm Faxen auf der Bühne machte, boten auch andere Musik-Acts Hingucker. Beim Beitrag von Aserbaidschan stand ein Mann mit Pferdekopf auf einer Leiter, und der Kandidat Kroatiens, Jacques Houdek, performte als Opern- und Pop-Sänger in einem quasi ein Duett mit sich selbst. Gute Laune verbreitete direkt vor dem Auftritt Levinas der Beitrag Rumäniens mit einer Jodel-Einlage.

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